In Flensburg : Ceetin K.: Kripobeamte im Zeugenstand

Im Flensburger Gerichtsgebäude müssen sich die beiden Insulaner verantworten.
Im Flensburger Gerichtsgebäude müssen sich die beiden Insulaner verantworten.

Das Landgericht befragte gestern die Ermittler, die für die Ergreifung der untergetauchten tatverdächtigen Amrumer zuständig waren. Morgen geht der Prozess weiter.

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12. April 2018, 12:00 Uhr

Im Prozess um den getöteten Ceetin K. kamen gestern zwei Zeugen zu Wort. Marwin H. – einer der beiden Tatverdächtigen – hatte bereits zu Prozessbeginn gestanden, den Iraker im April 2017 am Wittdüner Strand gemeinsam mit Maxim A. getötet und vergraben zu haben. Der mutmaßliche Komplize A. äußerte sich nicht zu den Vorwürfen. Gestern rief das Landgericht die Flensburger Kriminalhauptkommissare in den Zeugenstand, die für die Ergreifung und Vernehmung der damals flüchtigen Männer im Oktober 2017 in Chemnitz verantwortlich zeichneten.

Am Nachmittag des 5. Oktober waren der 20-jährige Marwin H. und sein 27-jähriger Freund Maxim A. gefasst und anschließend in separaten Büros bis ein Uhr morgens vernommen worden. „Maxim A. wirkte im Gespräch in sich gekehrt, er sprach wenig“, bewertete der zuständige Kriminalhauptkommissar. Zunächst habe der Tatverdächtige, schilderte der Kripobeamte, „eine Geschichte erzählt, die den mir bekannten Fakten widersprach“. So habe der 27-Jährige laut eigener Aussage am Tattag, dem 27. April, bis 18.30 Uhr in einer Amrumer Strandgastronomie gearbeitet. Anschließend habe er sich mit Marwin H. getroffen. Gemeinsam mit Nachbar Ceetin K. wollten die beiden, berichtet der Ermittler weiter, in eine Kneipe gehen. Unterwegs soll K. dann einen Anruf bekommen und seine Begleiter daraufhin verlassen haben. „Das soll ihr letzter Kontakt gewesen sein“, erinnert sich der Beamte an die Schilderungen von Maxim A.

Ceetin K. habe außerdem für die Männer Marihuana besorgen sollen, sich aber stattdessen mit deren 6000 Euro abgesetzt. „Die Begründung von Herrn A., warum sie Amrum verlassen haben, war zusammenhanglos.“ Mehr habe A. zunächst nicht zu den gegen ihn vorgebrachten Anschuldigungen sagen wollen. Mittels einer speziellen App – das habe der Beschuldigte bei seiner Vernehmung zu Protokoll gegeben – habe A. gelöschte Fotos auf dem Handy seiner Freundin – der Schwester von Marwin H. – reaktiviert. Darauf zu sehen: A.’s Freundin gemeinsam mit Ceetin K. – dieser nur mit T-Shirt und Boxershorts bekleidet. Auch die bisherige Datenauswertung der Handys, erklärte der Kriminalhauptkommissar im Zeugenstand, wiesen einen „vertrauten Kontakt“ zwischen A.’s Freundin und Ceetin K. auf.

„A. hat angegeben, ein sehr eifersüchtiger Mensch zu sein, und dass sie beide im gegenseitigen Einvernehmen in das Handy des anderen schauten“. Zudem fanden die Ermittler auf einem Handy der jungen Frau Hinweise auf Kontakte zu verschiedenen Männern. Als A. sie mit den Fotos konfrontierte, habe seine Freundin angegeben, von Ceetin K. vergewaltigt worden zu sein. „Er hat ihr das zuerst nicht richtig geglaubt“, sagt der Kriminalhauptkommissar. Das habe sich erst nach mehrmaliger Absicherung A.’s bei seiner Freundin gewandelt. Ob ein Plan hinter der Tötung des 27-Jährigen stand, ist bislang unklar. „Ceetin sollte eine Abreibung bekommen“, bewertete der für H.’s Vernehmung zuständige Kriminalhauptkommissar. „K. soll von den Männern in den Dünen aufgefordert worden sein, sich der Polizei zu stellen. Eine Vergewaltigung wäre sonst nicht mehr nachweisbar gewesen. Man könnte mutmaßen, dass eine Tötung nicht das Ziel war.“ Nachdem sie auf ihr Opfer eingeprügelt und mit einem Küchenmesser eingestochen hatten, stellten sie seinen Tod fest – und „dachten wohl sinngemäß: ‚Scheiße, wir stehen hier vor diesem toten Menschen und sind ratlos, was geschehen ist’“, so der Kripobeamte.

Eigentlich, sagten beide Ermittler, hatten die Festgenommenen eine Art Pakt zum Stillschweigen geschlossen. Erst nach mehreren Stunden im Verhör und nachdem H.’s Mutter ihren Sohn per Telefon eindringlich darum bat, endlich die Wahrheit zu sagen, brachen die Männer ihr Schweigen und gaben sich geständig. Tanja H. hatte durch ihren Sohn noch am Abend des Tattages von den Ereignissen in den Dünen Amrums erfahren. Die Ermittler hatten am 12. Oktober die im Sand vergrabene Leiche Ceetin K.’s mit mindestens 13 Stichverletzungen gefunden. Morgen wird der Prozess fortgesetzt.

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