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Vermisster Flüchtling auf Amrum : Ceetin K. fiel Verbrechen zum Opfer

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Verdächtige legen Geständnis ab – ist Eifersucht das Motiv?

shz.de von
erstellt am 13.Okt.2017 | 20:00 Uhr

Er wollte fort von Amrum, doch sein Leben endete in den Dünen der Nordsee-Insel. Rechtsmediziner bestätigten gestern: Die im Sand verscharrte und bereits stark verweste Leiche ist der vermisste irakische Flüchtling Ceetin K. (27).

„Die Obduktion hat belegt, dass er einem Gewaltverbrechen zum Opfer fiel“, sagte Ulrike Stahlmann-Liebelt, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Flensburg. Wie genau der Iraker starb, dazu schweigen die Ermittler.

Die beiden Tatverdächtigen haben ein Geständnis abgelegt. „In der polizeilichen Vernehmung wurde die Tat von ihnen eingeräumt“, so Stahlmann-Liebelt. Warum die beiden jungen Männer Ceetin K. töteten, liegt noch im Dunkeln. Marwin H. (20) und Maxim A. (26) wohnten in Wittdün im gleichen Mehrfamilienhaus wie der Iraker. Alle drei waren miteinander befreundet.

Wie Marwin H. arbeitete Ceetin K. auf Amrum in einem Edeka-Markt. Doch der Flüchtling, dessen Eltern im Krieg ums Leben kamen, wollte nicht länger auf der Insel bleiben, auf die er im November 2015 von den Behörden geschickt worden war. Er suchte sich auf Föhr eine neue Arbeit, weil dort mehr Flüchtlinge lebten. Am 1. April fing er in einem Café in Wyk an – in der Küche. Der Chef: „Ceetin bereitete kleine Speisen zu, und beim Kochen haben wir mit ihm Deutsch geübt.“

Ceetin K. pendelte zwischen den Inseln. „Deshalb haben wir für ihn eine Wohnung gesucht“, erzählt sein Chef weiter. „Doch zur Besichtigung kam es nicht mehr, weil er verschwand.“ Die Nachricht von Ceetins Tod hat der Café-Besitzer noch nicht verarbeiten können. „Es ist so unwirklich, zumal er bei uns in kürzester Zeit Anschluss gefunden hat, praktisch zur Familie gehörte.“

Die Ermittler sind sich inzwischen sicher, dass Ceetin K. Ende April getötet wurde, sein Handy war kurze Zeit später nicht mehr erreichbar. Auf die Spur von Marwin H. und Maxim A., der aus Sachsen kommt, soll die Polizei unter anderem durch die Auswertung ihrer Bewegungsdaten gekommen sein. Beide wurden in Chemnitz festgenommen.

Marwin H. entschied sich dann am Donnerstag dazu, der Polizei zu zeigen, wo ungefähr nach der Leiche gesucht werden muss.

Auf Amrum herrscht große Trauer und Ratlosigkeit. Viele Insulaner vermuten, dass Eifersucht bei der Tat eine Rolle gespielt haben könnte. Ceetin K. war ein gutaussehender junger Mann. „Er machte sich immer hübsch, um den Mädchen zu gefallen“, erzählt ein Flüchtlingsbetreuer. Maxim A. war mit der Schwester von Marwin H. zusammen. Störte der Iraker diese Beziehung? „Wir prüfen das alles noch“, sagte die Oberstaatsanwältin.

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