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Vortrag beim Landfrauenverein : Bunte Pillen – Segen oder Fluch?

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Der Altersmedziner Ludolf Matthiesen informierte über Nutzen und Schaden von Medikamenten in der Geriatrie. Die Veranstaltung stieß auf großes Interesse.

„Wie trennt man das Notwendige vom Überflüssigen?“ fragte Dr. Ludolf Matthiesen und ging in einem interessanten Vortrag der Frage nach, ob wirklich alle Medikamente, die alten Menschen verordnet würden, auch notwendig seien. Auf die Einladung des Landfrauenvereines Föhr war der Leiter der Geriatrie der Krankenhäuser Niebüll und Husum auf die Insel gekommen, um die Problematik der Altersmedizin, so die Übersetzung des Wortes „Geriatrie“, zu erläutern.

„Lebensfreude statt Pillenflut – Sinn und Unsinn von Medikamenten“ war ein Thema, das offensichtlich viele interessierte, denn die Plätze im Midlumer Krog waren bis auf den letzten besetzt. Dabei verriet der Arzt, dass dieses nicht sein Lieblingsthema sei, weil es immer zu Streitigkeiten führe.

Im Laufe seines Vortrages konnte er dabei an konkreten Beispielen deutlich machen, warum das Thema „Pillenflut im Alter“ kontrovers diskutiert werden kann und muss. Während man dem übergewichtigen Patienten mit Bluthochdruck, erhöhten Blutfetten, einem Diabetes und Gelenkbeschwerden einige Medikamente ersparen könnte und ihn stattdessen zu einer gesünderen Lebensweise heranführen müsste, brauche ein Parkinsonpatient sicher all seine Tabletten, um am Leben teilnehmen zu können. Elf bis fünfzehn Prozent aller Einweisungsgründe in deutsche Krankenhäuser gingen auf Kosten von unerwünschten Medikamenten-Nebenwirkungen, erklärte Matthiesen, doch auch hier machte er deutlich, dass manche Nebenwirkungen in Kauf genommen werden müssten, um das Grundleiden zu heilen oder zu mildern. Eine ältere Patienten, die aufgrund einer Lungenentzündung Antibiotika erhielt, habe kurz vor der Entlassung so heftige Durchfälle als Nebenwirkung bekommen, dass sie weiter behandelt und in die Kurzzeitpflege entlassen werden musste.
Bevor ein Arzneimittel auf den Markt komme, so der Referent, müssten viele Hürden genommen werden, wobei die Testung an gesunden und anschließend kranken Probanden am Ende einer Zulassung stehe. Da Pharmafirmen bei über Achtzigjährigen keine Langzeitstudien machen könnten, würden fast ausnahmslos alle Arzneien nur an jüngeren Menschen getestet. Da aber gleichzeitig die Stoffwechselaktivität eines Menschen von 30 Jahren bereits ihren Höhepunkt überschritten habe, sei es sehr schwierig, Aussagen über die Wirkungen und Nebenwirkungen von Medikamenten an älteren Menschen zu machen. „Es ist immer wieder eine Grenzentscheidung“, verdeutlichte der Geriater seine Meinung zur Medikamentenflut bei Senioren. Mit der sogenannten „Priscus-Liste“ (lat. priscus= alt, ehrwürdig) werde Ärzten immerhin eine Liste von Medikamenten an die Hand gegeben, die ältere Menschen möglichst nicht bekommen sollten. Dadurch soll das Risiko gesenkt werden, aufgrund der Nebenwirkungen erst recht zu erkranken.

Die Frage nach Sinn und Unsinn von Medikamenten müsse also stets im Einzelfall entschieden werden, so Matthiesen abschließend, wobei er lachend hinzufügte „Die beste Medizin ist die Vorbeugung.“

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erstellt am 26.Okt.2014 | 11:15 Uhr

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