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Wyker Kreißsaal : Bürgerinitiative und Inselpolitiker ziehen an einem Strang

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

An einer Zusammenkunft nahmen fast alle Bürgermeister und Stadtvertreter teil. Gemeinsam wurde das weitere Vorgehen besprochen.

Nahezu vollzählig waren die Föhrer Bürgermeister und die Wyker Stadtvertreter am Dienstag einer Einladung der Initiative Inselgeburt gefolgt. Einer Mitteilung der Initiative zufolge wurden die Insel-Politiker bei der Zusammenkunft über den neuesten Stand in Sachen Geburtsstation informiert. Außerdem sei das weitere Vorgehen besprochen worden.

Enttäuscht hätten sich an diesem Abend die Mitglieder der Initiative über den neuen Geschäftsführer des Klinikums Nordfriesland, Christian von der Becke, geäußert. Dieser hätte in einem Gespräch mit der Initiative vor wenigen Wochen zugesagt, er werde jene Mängel und Defizite benennen und deren Kosten beziffern, die einer Wiedereröffnung des Wyker Kreißsaales entgegenstünden. Doch Fragen von Insulanern nicht zu beantworten scheine eine Strategie der Klinikleitung zu sein, so der Sprecher der Initiative, Manfred Hinrichsen. Denn auch Amtsvorsteherin Heidi Braun hätte am Dienstag von unbeantworteten Schreiben an Landrat Dieter Harrsen berichtet. Und der Wyker Bürgermeister Paul Raffelhüschen habe in seiner Funktion als Kreistagsabgeord-neter eigene Erfahrungen geschildert, auf Fragen zur Geburtsstation keine oder ausweichende Antworten in Husum bekommen zu haben.

Die Entscheidungsgrundlage für die Schließung der Wyker Geburtshilfeabteilung im September 2015 war ein Gutachten, welches von der Klinikleitung geheim gehalten wurde, dessen entscheidende Passagen mittler-weile aber doch an die Öffentlichkeit gelangt waren (wir berichteten). „Etliche der angeblichen Mängel konnten daraufhin schnell als Bagatellen eingestuft werden“, so Hinrichsen. Personalprobleme im Bereich Gynä-kologie, Anästhesie und Pflege seien jedoch ernster einzustufen und hätten längst thematisiert werden können. Auch die stark gestiegenen Haftpflicht-Versicherungsbeiträge für Hebammen und für jene Gynäkologen, die auch Geburtshilfe betreiben, bedürften dringend des politischen Eingreifens.

Gerade an der Westküste solle man sich wehren gegen den allgemeinen Trend zu immer weniger aber immer größeren Krankenhäusern. Sollte die Husumer Klinikleitung mit der Föhr-Amrumer Klinik ähnliche Pläne haben wie mit jener in Tönning, also die Reduktion auf ein „Medizinisches Versorgungszentrum“, dann werde das verheerende Folgen für die Insulaner, für die Kurkliniken und für den Tourismus haben.

Einen entscheidenden Schritt zum Erhalt ihrer Klinik, so hieß es bei der Zusammenkunft, könnten die Amrumer und Föhrer allerdings auch selbst tun, indem sie nicht für Behandlungen aufs Festland fahren würden, die in der Inselklinik auch vorgenommen werden könnten. Auch die Hausärzte sollten nicht voreilige Überweisungen in eine Festlandsklinik tätigen.

Politisch höchst umstritten sei die Schließung der Wyker Geburtsstation allemal gewesen, so Peter Schaper von der Initiative Inselgeburt. Darüber hinaus sei sie aber auch juristisch nicht haltbar. Denn die Klinikleitung in Husum berufe sich stets auf ein angebliches Haftungsrisiko, das sich ergebe, wenn die Klinik sich nicht an die Leitlinien der entsprechenden Fachgesellschaft halte. Diese Leitlinien seien aber lediglich Empfehlungen, und keineswegs rechtlich bindend. Sie seien weder haftungsbegründend noch haftungsbefreiend, berichtete der Wyker Stadtvertreter. Das sei eindeutig von den Verfassern dieser Leitlinien bestätigt worden. Und sogar der Bundesgerichtshof habe „verbindlichen Leitlinien“ eine deutliche Absage erteilt. Den-noch, so Schaper, würde Landrat Harrsen weiter mit dem angeblichen Haftungsrisiko argumentieren. Und seit mehr als einem Jahr berufe Harrsen einen runden Tisch zu diesem Thema nicht ein, obwohl er dazu einen klaren Kreistagsauftrag erhalten habe.

Weiter ging es um den von der Initiative als „höchst fragwürdig“ eingestuften Notfallplan. Es gäbe zwar einen „Hebammenruf“, dieser laufe aber genauso Ende diesen Jahres aus wie das Konzept über den Einsatz von Rettungskräften der Feuerwehr. Was ab Januar sei, wisse man nicht. Darüber sei nicht einmal sie informiert worden, hätte die Amtsvorsteherin am Dienstag beklagt.

Erhebliche Zweifel wurden daran geäußert, ob die frühzeitige Verlegung einer Schwangeren in ein Boarding-House wirklich zusätzliche Sicherheit brächte. Trennung von der Familie, das Warten in einem anonymen Zimmer, die Betreuung durch stets wechselnde Hebammen – das alles erzeuge Stress, den eine Gebärende am allerwenigsten gebrauchen könne. In der Konsequenz forderte die Hebamme Kerstin Lauterberg psychologische Betreuung für die jungen Frauen nach der Entbindung.

Reaktivierung der Geburtsstation oder Schaffung eines Geburtshauses? Diese Frage sei auch innerhalb der Initiative umstritten. Zwar sei es vorstellbar, einen Raum auf der Insel wie ei-nen Kreißsaal auszustatten, aber die Fragen der Kosten und der Verantwortung seien noch von niemandem beantwortet worden. Keinesfalls wolle man den Staat aus seiner sozialen Verantwortung für das Gesundheitssystem entlassen.

Doch gab es durchaus auch Positives zu vernehmen. Entgegen anderslautenden Gerüchten sei die geplante Bettenzahl in der Inselklinik im neuen Krankenhausplan nicht reduziert worden, sondern werde bei 18 bleiben. Auch sei der Kreißsaal zwar geschlossen, aber nicht abgeschlossen. Kerstin Lauterberg kümmere sich weiterhin um die Gerätschaften, insbesondere aber auch um die vorzuhaltenden Medikamente.

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erstellt am 22.Dez.2016 | 12:15 Uhr

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