Föhr : Bilder an der Wäscheleine

Die Werke von Pan (li.) und seinem Assistenten drohten wegzufliegen.
Die Werke von Pan (li.) und seinem Assistenten drohten wegzufliegen.

Der Künstler Andreas Petzold und sein junger Partner Lasse Fahrenbach sind seit fünf Jahren ein Team. Jetzt haben sich mit Emil Nolde auseinandergesetzt.

shz.de von
26. Juli 2018, 14:30 Uhr

„Bei Regen fällt die Veranstaltung ersatzlos aus!“ Wie im Augenblick fast zu erwarten, regnete es nicht im Nieblumer Ateliergarten von Andreas Petzold, alias Pan. Dafür sorgte aber der Wind dafür, dass die Ergebnisse einer gemeinsamen Künstlerarbeit unter dem Motto „Emil goes Pop“ nicht ruhig an den ihnen zugedachten Wäscheleinen hingen, sondern in den Böen tanzten. So wurden die Gäste spontan zu Mitwirkenden, die versuchten, die Drucke am Wegfliegen zu hindern.

Pan ist durch seine Kunstaktionen bekannt, die so vielfältig und auch spielerisch sind, dass er in keine Schublade geschoben werden kann. Ein Beispiel dafür ist die Spiegelaktion am Utersumer Deich, bei der sich eine unerwartet große Gruppe an Spiegelbesitzern versammelt hatte, um das Licht nach Amrum und Sylt zu transferieren. Petzold wirkt auch seit fünf Jahren an der Föhrer Kinder-Uni mit, wo er sich gemeinsam mit seinen jungen Studenten unter anderem der Farbe Blau annäherte und in diesem Jahr auf Emil Noldes Spuren wandelte. Seit fünf Jahren hat Petzold mit dem jetzt 15-jährigen Lasse Fahrenbach aus Hannover einen Assistenten, der ihn regelmäßig bei seinen Vorlesungen unterstützt. Daraus hat sich nun eine ganz besondere Partnerschaft entwickelt, bei der Nolde eine tragende Rolle spielt. Es war die Farbe und Farbigkeit der norddeutschen Landschaft, die beide faszinierte und bei den Versuchen, diese Farben im Bild festzuhalten, tauchte immer wieder der Vergleich mit Emil Nolde auf.

2017, das Jahr des 150. Geburtstages des Expressionisten, war geprägt durch verschiedene Ausstellungen, die Petzold und Fahrenbach nutzten, sich mit dessen Arbeiten auseinander zu setzen. Bei einem gemeinsamen Besuch in Seebüll fertigten sie dokumentarische Bilderskizzen und Fotografien unter anderem von Noldes Garten und auch der weiteren Umgebung an. Auch auf Föhr entstanden Blumenstudien, und das Ganze mündete in einen ganz besonderen Gestaltungsprozess. Pan beschreibt diesen Prozess in Mixed-Media: „Skizze auf Aquarellpapier, Scan, Fotografie, kolorierter Ausdruck auf Künstlerbütten, erneute Handkolorierung und Scan“, wobei auch Andy Warhol bei der technischen und künstlerischen Einordnung eine wichtige Rolle spielte.

Entstanden sind insgesamt zehn Arbeiten, die zwischen Wiesbaden, wo Petzold wohnt, wenn er nicht auf Föhr ist, und Hannover per Post hin und her wanderten, um jeweils weiter bearbeitet zu werden. „Es entstanden auf diese Weise skurrile, hässliche, witzige, farbige Arbeiten“, so Pan, der davon berichtete, dass er manchmal zunächst etwas ratlos war, wenn er die bildnerische Weiterführung seines künstlerischen Partners in Augenschein nahm, um sie seinerseits zu einem weiteren Produkt der Künstlergruppe „Lapan“ zu machen.

„Die Arbeiten zeigen im Ansatz Analogien zu Noldes expressiven Naturbildern, in die Neuzeit transformiert“, das erklärt Andreas Petzold, der ganz bewusst die Überschrift „Emil goes Pop“ gewählt hat.


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