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Fachklinik Satteldüne : Bewegung als Teil der Therapie

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Sie zu fahren ist hipp und cool sehen sie auch aus. Zehn Longboards sollen bei den Patienten einen Motivationsschub bewirken.

shz.de von
erstellt am 22.Sep.2015 | 09:00 Uhr

Sie zu fahren ist hipp und cool sehen sie auch aus. Die neuen Longboards, die seit Neuestem der Sporttherapie-Abteilung der Fachklinik Satteldüne zur Verfügung stehen, sind ein echter Hingucker. Ermöglicht wurde die Anschaffung durch das erneut beeindruckende Spendenaufkommen anlässlich des Mukoviszidoselaufs zu Pfingsten.

„Wir haben in Absprache mit der Fachklinik zehn handgefertigte Longboards beschafft“, erklärt Uwe Köller von der Regionalgruppe Amrum des Mukoviszidose-Vereins zufrieden. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und die Patienten sind sichtlich interessiert. Und auch Annette Isemann, Präsidentin des Rotary-Clubs Amrum, der alljährlich unter den großzügigen Spendern des Benefizevents zu finden ist, überzeugte sich von dem Projekt.

„Bewegung und Aktivität sind in der Fachklinik Satteldüne feste Bestandteile der Therapie, denn sie sorgen für ein gutes Körpergefühl, fördern die soziale Interaktion, geben neue Impulse und stärken das Selbstbewusstsein“, erklärt der medizinische Leiter der Reha-Einrichtung, Dr. Christian Falkenberg, Ideenschmied für die Erarbeitung einer Studie. Gabriele Gauss, Sportwissenschaftlerin an der Satteldüne, wird die Longboard-Studie, die eines Tages in eine Promotion münden soll, mit Mukoviszidose-Betroffenen erarbeiten. „Dr. Falkenberg hat mich motiviert, die Erkenntnisse und Erfahrungen wissenschaftlich zu betrachten und dazu eine Dissertation zu erarbeiten. Eine reizvolle Aufgabe, von deren Erkenntnissen unsere Patienten profitieren“, berichtet die Sportwissenschaftlerin.

Wie viel Spaß das Fahren auf den trendigen Longboards macht, hat sie natürlich ausgiebig getestet. Gemeinsam mit dem Erbauer der Unikate, Longboard-Schmied Christoph Schütze aus Felm nordwestlich von Kiel, wurden die fantasievoll gestalteten und in unterschiedlichster Formgebung gefertigten Bretter vor Ort justiert und einem Feintuning unterzogen. Jeweils mit der gleichen Technik ausgestattet, ziert die Spitze eines jeden Brettes eine Ein-Euro-Münze.

Der Hinweis, talentfrei und zu alt für diese Disziplin zu sein, zählt nicht. Christoph Schütze ist 64 Jahre alt und hat vor fünf Jahren mit dem Inlinerfahren und vor zwei Jahren mit dem Longboardfahren begonnen. „Es ist nie zu spät etwas Neues auszuprobieren“, wirbt er.

Der Spaß an der Bewegung wird einen Motivationsschub für die CF-Patienten (englisch: cystic fibrosis), die hauptsächlich in jugendlichem Alter sind, mit sich bringen. Darin sind sich sowohl Christian Falkenberg als auch Gabriele Gauss einig. Allzu oft hören sie bei ihren Patientengesprächen: „Ja, ich weiß, ich müsste mich zuhause mehr bewegen, aber ich schaffe es einfach nicht, mich auf ein langweiliges Ergometer in einem stickigen Raum zu setzen und allein zu schwitzen.“ Äußerungen, die die Sportwissenschaftlerin so oder ähnlich in ihrer Sport-Schulung von ihren Patienten in deren vierwöchigem Rehabilitationsaufenthaltes immer wieder hört. „Ich verbringe so viel Zeit mit Therapie, ich bin auf der Suche nach etwas, das mir Spaß macht“, beschreiben die Patienten.

Um dieses Bedürfnis zu stillen, findet nun eine Studie zum Thema „Bewegte Nachhaltigkeit eines Reha-Aufenthaltes“ statt. Die Patienten sollen in einem Workshop während der Rehabilitation das Longboardfahren erlernen und mit Spaß am Rollen und Gleiten sowie dem damit verbunden Lebensgefühl ein Bewegungselement ganz selbstverständlich in ihren Alltag integrieren. Es fördert zudem neben anderen vielseitigen positiven Aspekten von Sport und Bewegung die konditionellen Fähigkeiten wie Ausdauer, Kraft und Koordination, belegen verschiedene Studien. Dazu zählen unter anderem eine erhöhte Lungenfunktion, eine verbesserte Lebensqualität und ein stärkeres Immunsystem, was gerade bei Menschen mit CF eine herausragende Bedeutung hat.

Der Theorieteil soll sowohl eine phänomenologische Analyse wie die Faszination Longboard, eine sozial-psychologische Analyse, wie die Rollen als Jugendkultur und Gegenbewegung zur Urbanisierung, als auch eine gesundheitswissenschaftliche Analyse (physiologische Aspekte) beinhalten. Zusätzlich zu den Messinstrumenten werden Fragebögen und physiologische Tests eingesetzt.

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