Begraben in Estrées

Der Wrixumer Wilhelm Witte stirbt durch einen Zufallstreffer auf dem Marsch in die Feuerstellung

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31. Mai 2018, 21:15 Uhr

Am 15. Juni 1918 fällt der aus Wrixum stammende Wilhelm Witte im Alter von 19 Jahren in Arras an der Westfront. Der Sohn des Färbers Carl Witte und dessen zweiten Frau Minna geb. Heydruck „ist durch Zufallstreffer (Kopfschuß) auf dem Marsch in die Feuerstellung jäh aus der Mitte seiner Kameraden gerissen worden“, berichtet die „Föhrer Zeitung“.

Wilhelm Witte ist nicht allein. Sein Schulkamerad Bandik Petersen , dem er sich „in rührender Treue“ angeschlossen hatte, dient in der gleichen Batterie. Nach den Erinnerungen von Bandik Petersens Großmutter Theodora Tedsen, die nach dem frühen Tod ihres Mannes in Boldixum (Ocke-Nerong-Straße 16) eine Hökerei betreibt, trägt er Wilhelm Witte „tot aus der Feuerlinie“. Beerdigt wird der junge Föhrer in Estrées bei Donai. Seine Familie setzt unter die Traueranzeige die Zeilen: „Ruhe sanft, geliebtes Herz; Dir der Friede, uns der Schmerz.“

Auch Bandik Petersen wird verwundet. Zur Verletzung durch einen Granatsplitter in der Wange kommt eine Wundrose, so dass man um sein Augenlicht fürchten muss. „Es ging Gott sei Dank alles gut vorüber. Aber so mußte er dann noch im Verlauf von vier (oder sechs) Wochen wieder hinaus ins furchtbare Ringen“, schreibt seine Großmutter Tedsen. Nach einer erneuten Verwundung kommt Bandik Petersen wieder in ein Lazarett. Dem erneuten Einsatz im Feld kommt dann das Kriegsende am 9. November 1918 zuvor.

Zu dieser Zeit lebt die Familie des gefallenen Wilhelm Witte im Haus Ohl-Dörp 52b, das heute nicht mehr existiert. 1850 gehörte es den Eltern des Lehrers und Heimatforschers Ocke C. Nerong, der sich noch an die vielen Sprüche an Decken und Wänden erinnerte: „O, traue keinem Freunde nicht/ sie sind gleich einer Wiege:/ wer heute ‚Hosianna‘ spricht,/ spricht morgen ‚Kreuzige‘!“


Und was geschieht auf den Inseln?

Anfang Juni meldet die „Föhrer Zeitung“, dass der Wyker Lehrer Egon Petersen nach 23 Monaten Gefangenschaft in England zur weiteren Internierung nach Holland überführt wurde.

Ihre Verlobung zeigen Maria Schnoor von Dagebüll und Knudt Kloborg, der Wyker Schuster und Puppendoktor, im Juni 1918 an.

Auf Amrum findet 1918 ein Sommerfest statt. Es beginnt mit einem Feldgottesdienst und bietet dann eine Pantomime, ein von Unteroffizieren aufgeführtes Theaterstück, rhythmische Gymnastik nach den Klängen der Sylter Militärkapelle und schließlich einen Zielwurf mit Handgranaten (sic!).

Und Kaiser Wilhelm II. posaunt: „Wer nur auf Gott vertraut und feste um sich haut, hat nicht auf Sand gebaut.

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