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125 Jahre Seebad Nebel (letzter Teil) : Bauland für Fremde – im Badeprospekt annonciert

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Von Grundstücksspekulanten und dem Ausverkauf eines Friesendorfes: Das wertvollste Land wurde an reiche Auswärtige verhökert.

Groß und auffällig ist eine Anzeige im Badeprospekt: „Gemeinde Nebel – Bauplätze in der Nähe des Tannenwäldchens – Auskunft erteilt der Gemeindeschulze“. So nannte man in den ersten Jahren der NS-Regierung das Gemeindeoberhaupt, ehe man dann wieder zur Bezeichnung „Bürgermeister“ zurückfand. Gemeindeschulze war damals Bernhard Tadsen. Die „Nähe des Tannenwäldchens“ bezog sich auf die gemeindeeigene Westerheide am jungen Nebeler und Süddorfer Wald am Rande der Dünen. Etliche Flächen waren auch bald verkauft, so etwa an den Elmshorner Lebensmittelfabrikanten Peter Kölln oder an Adeline Wegener sowie an Berliner Kaufleute – verbunden mit der Auflage, binnen zweier Jahre zu bauen.

Unverständlich ist in der Rückschau, dass die Gemeinde Bauplätze in bester Fremdenverkehrslage – auf der Heide am Wald und dem Strande viel näher als die Häuser in Nebel und Süddorf – gezielt für den Verkauf an Auswärtige anbot und damit der eigenen, einheimischen Bevölkerung die Zukunftsaussichten entzog. Diese Haltung überdauerte auch den Zweiten Weltkrieg und den Neubeginn. Denn gleich in einem ersten Wohnungsanzeiger um 1950 heißt es erneut: „Bauplätze: Die Gemeinde Nebel verkauft Bauplätze für Sommerhäuser direkt am Strand, in den Dünen oder am Tannenwald“. Preis pro Quadratmeter 30 Pfennige, später erhöht auf 50 Pfennige (heutiger Preis bis 300 Euro).


Trockene Geest wird zu Bauland


Gleichzeitig wiesen die Gemeindevertretungen in den Nachkriegsjahren auch umfangreiche Bebauungsgebiete über Privatländereien aus. Aus Schafweiden und landwirtschaftlich kaum nutzbarem Heideland, aus trockener Inselgeest wurde Bauland. Und es geht das Gerücht, dass die Ausweisung von Bauland identisch war mit den Herren und Eigentümern der Gemeindevertretung. Das erklärt auch die merkwürdigen „Bocksprünge“ der Nebeler B-Pläne: Hier ein Krakenarm hinein in die Landschaft, dort eine Bebauungsinsel auf freiem Feld.

Die Ausweisung von Bauland auf Privatgelände führte dann bald zu einer entsprechenden Preissteigerung, die letztendlich fast nur noch von kapitalkräftigen Auswärtigen bezahlt werden konnten. Die Folge: In den 1960/70-er Jahren stellte die Universität Kiel fest, dass Nebel in Schleswig-Holstein jene Gemeinde mit dem größten „Fremdbesitz“ ist. Zugleich wurden etliche alte Friesenhäuser zu Liebhaberpreisen von auswärtigen „Kapitalisten“ gekauft, so dass ganze Dorfteile im Winterhalbjahr unbewohnt sind und im Dunkeln liegen.

Aber die „Auswärts-Amrumer“ haben die alten Häuser im historischen Stil bewahrt und renoviert und die neuen Häuser im Friesenstil gebaut, so dass die Dörfer der Gemeinde Nebel ihren Reiz behalten haben. Dies kommt auch im jährlichen Amrum-Prospekt zum Ausdruck, wo die Häuser der Auswärtigen längst überwiegen und den Einheimischen hinsichtlich der Vermietung an Sommergästen spürbare Konkurrenz machen. Die gegenwärtige Situation wird am besten gekennzeichnet durch den Ausspruch eines Nebelers: „A fräämen näm üüs a baaselijd wech“ (Die Fremden nehmen uns die Badeleute weg). Aber dafür haben die Nebeler selbst beziehungsweise die Gemeindevertretungen vor 60, 80 Jahren die Grundlagen gelegt.


Totale Hinwendung zum Fremdenverkehr


In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat sich die Gemeinde Nebel ganz dem Fremdenverkehr zugewandt. Schon in den 1930-er Jahren erfolgten von Süddorf und Nebel Durchstiche durch den Dünenwall in Richtung Strand. Die Entfernung zur Nordsee wurde dann zusätzlich verringert, als die Straße von Nebel als Autostraße asphaltiert und 1968 die heute noch bestehende Strandhalle gebaut wurde.

Ein weiterer Schritt erfolgte 1987. In diesem Jahr kaufte die Gemeinde das frühere „Nordsee-Sanatorium“ und richtete das Gebäude als Gemeinde- und Kurverwaltung mit einem Saal für Veranstaltungen, Leseräumen und Dienstwohnungen ein.

Im früheren Bauerndorf Nebel gibt es aber keine Bauern mehr. Der Letzte (Boy Jensen) starb im Jahre 2012. Die anderen Höfe waren längst für Fremdenverkehrszwecke umgebaut. Nur in Süddorf gibt es noch einen Landwirt (Iark Martinen).

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