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Bedenken in Wyk : Bau der Kartbahn wird neu beraten

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Nach dem jüngsten Unfall einer Cessna auf dem Flugplatz wollen Wyks Politiker die Sicherheitsfragen noch einmal überdenken .

Ob die Kartbahn wie geplant auf dem Gelände am Fehrstieg gebaut wird, ist seit dem Ostermontag wieder ungewiss. Eine Cessna war beim Landeanflug auf den Wyker Flugplatz verunglückt und auf der Wiese neben der Baustelle für die Kartbahn zu Boden gegangen (wir berichteten). Ein Unglück, das jene, die dem Projekt ohnehin kritisch gegenübergestanden hatten, wieder auf den Plan rief und die Befürworter des geplanten Freizeitvergnügens zumindest nachdenklich machte. In der jüngsten Sitzung des Bauausschusses stand das Thema zwar nicht auf der Tagesordnung, wurde aber dennoch diskutiert, nachdem Eberhard Schaefer (KG) die Frage nach der weiteren Vorgehensweise gestellt hatte.

Dass der Bebauungsplan trotz erteilter Baugenehmigung noch nicht rechtskräftig sei, erfuhren die Anwesenden von Bauamtsmitarbeiter Ulrich Schmidt. Im Gremium war man sich einig, dass die Unterschrift des Wyker Bürgermeisters Paul Raffelhüschen (CDU) erst erfolgen soll, wenn noch einmal die Meinung von Fachleuten eingeholt worden ist. Erste Gelegenheit dazu gibt es bereits heute: Thorsten Bock von der Landesluftfahrtbehörde in Kiel ist derzeit für eine turnusmäßige Routine-Kontrolle auf der Insel. Mit ihm, dem Geschäftsführer des Flugplatzes, Ernst Brodersen, und Hans-Werner Jacobsen, Leiter der Wyker Flugaufsicht, trifft sich Raffelhüschen am heutigen Freitag zur Ortsbesichtigung auf dem Flugplatz. Doch auch ohne eine Stellungnahme von Fachleuten sieht der Bürgermeister den Standort der Kartbahn kritisch: „Der Pilot konnte das bereits auf dem Gelände errichtete Haus gerade noch so überfliegen, und darüber müssen wir uns Gedanken machen.“

Dass bei einer negativen Entscheidung die Glaubwürdigkeit der Kommunalpolitiker auf dem Spiel stehe, gab Annemarie Linneweber (SPD) zu bedenken. Immerhin habe der Vorhabenträger eine Menge Geld in die Hand genommen, „weil alles in trockenen Tüchern war“. Diese Entscheidung nun zu kippen, vermittle Menschen, die auf der Insel investieren wollen, ein fatales Bild. Auch Till Müller (Grüne) warnte vor vorschnellen Entscheidungen. Die Baugenehmigung sei erteilt worden und die künftigen Betreiber hätten mit dem Bau begonnen. „Wenn wir jetzt das Rad zurückdrehen, könnten erhebliche Schadensersatzforderungen auf die Stadt zukommen.“

Eine begründete Angst, bestätigt Petra Clausen, gemeinsam mit Ehemann Dierk Betreiber des geplanten rasanten Freizeitvergnügens, und kündigt für den schlimmsten Fall Forderungen in nicht unerheblicher Höhe an. Denn nicht nur das Haus auf dem Gelände, „für das wir seit dem vergangenen Jahr Pacht bezahlen“, sei fertig. Vielmehr sei das ganze Gebiet erschlossen worden, der Bau der Bahn sei in Arbeit und die Autos seien bestellt und eigens gebaut worden. In dieser Saison soll der Startschuss fallen, „alles andere wäre der wirtschaftliche Ruin“.

Peter Schaper (SPD) mahnte zur Besonnenheit und riet, die Untersuchungen und Ergebnisse der Fachleute abzuwarten. Werde am Ende eine Gefahr erkannt, könne man dies allerdings nicht nur auf die Kartbahn beziehen, „sondern der Flugplatz muss eventuell auf den Prüfstand“. In dessen näherer Umgebung auch die Jugendherberge und andere Gebäude stünden. In die gleiche Kerbe schlug Lars Schmidt (CDU). „Wir haben das Flugplatz-Restaurant, den Golfplatz und den Spielplatz der Jugendherberge, auf dem kurz vor dem Unfall 80 Kinder gespielt haben. Die hätten auch betroffen sein können.“ Schmidt kritisierte, dass insbesondere jene, die ohnehin gegen die Kartbahn waren, diesen „wirklich unschönen Unfall“ zum Anlass nähmen, das Thema neu aufzurollen. Sein Appell: „Gedanken machen ja, sich aber nicht nur auf die Kartbahn fokussieren.“

Die Gefährdung für andere Gebäude erkannte auch Till Müller an. Allerdings dürfe nicht der falsche Umkehrschluss gezogen werden: „Nur weil die Stadt früher trotz dieser Situation Genehmigungen erteilt hat, dürfen die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholt werden.“ Der Ausschuss einigte sich darauf, den heutigen Termin abzuwarten und die möglichen rechtlichen Folgen zu prüfen. Sowohl auf etwaige Schadensersatzansprüche, als auch, inwieweit die Stadt im Falle eines Unfalls haftbar gemacht werden könnte.

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erstellt am 08.Apr.2016 | 09:00 Uhr

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