Hohe Ziele : Barrierefreiheit als Qualitätsmerkmal

Für Rollstuhlfahrer ist die Urlaubsreise noch immer mit vielen Hindernissen verbunden.
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Für Rollstuhlfahrer ist die Urlaubsreise noch immer mit vielen Hindernissen verbunden.

Ein barrierefreies Urlaubsgefühl bleibt für viele Menschen mit speziellen Bedürfninssen häufig ein unerfüllter Wunsch. Abhilfe soll nun das Förderprojekt des Zukunftsprogramms Wirtschaft „Barrierefreier Tourismus in Schleswig-Holstein“ schaffen.

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18. Juni 2014, 08:00 Uhr

Ein barrierefreies Urlaubsgefühl bleibt für viele Menschen mit speziellen Bedürfnissen häufig ein unerfüllter Wunsch. Abhilfe soll nun das Förderprojekt des Zukunftsprogramms Wirtschaft „Barrierefreier Tourismus in Schleswig-Holstein“ schaffen. Föhr ist eine von elf Pilotregionen und das Projekt wird heute, Mittwoch, um 19 Uhr in Kooperation der Tourismus-Agentur Schleswig-Holstein (TASH) und der Föhr Tourismus GmbH (FTG) im Kurgartensaal vorgestellt.

Ziel ist, die Angebotsstruktur für Menschen mit Behinderungen zu verbessern. Unter Inklusions-Gesichtspunkten ohnehin eine Selbstverständlichkeit, aber auch wirtschaftlich interessant. Immerhin beschert der betroffene Personenkreis dem Land Schleswig-Holstein mehr als 160 Millionen Euro touristischen Umsatz pro Jahr, zuzüglich der Einnahmen durch Familien und Begleitpersonen. Beleg dafür, dass sich der Umbau von Ferienwohnungen durchaus rechnet und einer der Gesichtspunkte, die im Veranstaltungszentrum transportiert werden sollen.

Das Projekt wird in mehreren Stufen realisiert und die heutige Veranstaltung ist als Workshop angelegt, soll die insularen Leistungsanbieter für dieses Thema sensibilisieren sowie über Chancen und wirtschaftliche Möglichkeiten informieren. Angesprochen sind längst nicht nur die Vermieter, denn „Ziel muss sein, die gesamte Servicekette möglichst lückenlos barrierefrei zu gestalten“, betont der FTG-Geschäftsführer Armin Korok, von der Anreise über den öffentlichen Nahverkehr, Geschäfte und öffentliche Einrichtungen bis hin zur kommunalen Infrastruktur. Wobei Barrierefreiheit längst nicht nur Menschen mit körperlichen Behinderungen betrifft, die lediglich einen Bruchteil der gehandicapten Urlauber ausmachen. Berücksichtigt werden müssen auch Feriengäste mit Sinnes- und Sprach- sowie psychischen und geistigen Behinderungen.

Mit der heutigen Veranstaltung befindet sich das Projekt bereits in der zweiten Stufe. Vorausgegangen war die Ausbildung von Prüfern, denn künftig sollen ein bundesweit einheitliches Prüf- und Kennzeichnungssystem für barrierefreie Unterkünfte und ein allgemeingültiges Qualitätssiegel dafür Sorge tragen, dass sich der Gast deutschlandweit auf den gleichen Standard der Barrierefreiheit verlassen kann. Sinnvoll vor dem Hintergrund unterschiedlicher Behinderungsgrade, und hilfreich, da es die Gegebenheiten vor Ort transparent macht.

Letzte Stufe nach der Erhebung der Unterkünfte auf der Grundlage des bundesweit einheitlichen Klassifizierungssystems wird sein, erläutert Harald Behrens, bei der FTG für den Gästeservice zuständig, die Ergebnisse in die Öffentlichkeit zu transportieren. Derzeit entwickeln die „Nationale Koordinationsstelle Tourismus für Alle“ (Natko), und das Deutsche Seminar für Tourismus (DSFT) eine bundesweite Datenbank, die neben den Informationen über die Unterkünfte auch alle Informationen über die periphere Infrastruktur und die problemlose An- und Abreise enthalten wird. Wie in Schleswig-Holstein die TASH arbeiten aus den Ländern die jeweiligen Tourismusagenturen zu.

All dies wird heute Abend Gegenstand des Workshops sein, wenn Armin Korok und Amtsvorsteherin Heidi Braun die Veranstaltung um 19 Uhr eröffnen. Jan Martin von der Heide vom Institut für Management und Tourismus an der Fachhochschule Westküste in Heide wird in das Thema einführen. Zudem wird Fenja Gengelazky, Projektmanagerin Barrierefreier Tourismus bei der TASH, das Projekt und im Anschluss gemeinsam mit Heike Jensen (FTG) das Kennzeichnungssystem „Reisen für Alle“ vorstellen.

Aus der Praxis berichten schließlich Axel Meynköhn, Geschäftsführer der Wyker Dampfschiffs-Reederei (Mobilität und Barrierefreiheit), Gerret Martinen, Bautechniker und Architekt aus Wyk (Barrierefreies Bauen und Umbauen), Professor Ulrike Wolff-Thomsen, Direktorin des Museums Kunst der Westküste (Kunst, Kultur und Barrierefreiheit), Alke Leverenz vom Betreuungsverein Föhr-Amrum (Barrierefreies Reisen aus Gästesicht) und Annemarie Lübcke (Barrierefreiheit in der Praxis). Die ehemalige Leiterin des Regionalbüros Uthlande beschäftigt sich seit vielen Jahren mit diesem Thema und blickt mit ihren in der Aktiv-Region Uthlande gesammelten Erfahrungen über die Grenzen Föhrs hinaus. Abschließen wird den Abend eine moderierte, offene Diskussionsrunde. Anmeldungen unter tourismus-gmbh@foehr.de.

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