125 Jahre Seebad Wittdün (teil 3) : Bahnverbindung direkt zum Badestrand

Die Strandhalle mit Badekabinen auf dem Kniepsand. Rechts hat sich die Kurkapelle aufgebaut.
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Die Strandhalle mit Badekabinen auf dem Kniepsand. Rechts hat sich die Kurkapelle aufgebaut.

Die Aktiengesellschaft investiert kräftig und verhebt sich. Im Jahr 1907 geht sie in Konkurs.

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17. Juli 2015, 18:30 Uhr

Im neugegründeten Seebad Wittdün machte sich bald ein Nachteil bemerkbar, auf den Pastor von Bodelschwingh schon vor Erteilung der Badekonzession hingewiesen hatte: „Am Wittdüner Strand fehlt der kräftige Wellenschlag“. Wohl hatte Wittdün, wie kein anderes Seebad an der Nordseeküste, einen Strand zum Süden, durch den hohen Dünenwall „geschützt gegen mancherlei Nordwinde“. Aber weil der Wellenschlag fehlte, richtete die AGWA, die Aktiengesellschaft, die das Bad betrieb, kurzentschlossen eine Badeanlage mit Kabinen für Damen und Herren auf dem Kniepsand ein und betrieb bis zur Strandhalle im Zentrum der Anlage eine Dampfspurbahn ab Kurhaus. Nun konnten die Wittdüner Gäste von morgens 8 Uhr bis abends 20 Uhr alle halbe Stunde für wenige Groschen mit der Bahn zum Baden fahren. Kein anderes Nordseebad konnte ähnliches vorweisen.

Mit Warmbedehaus, hölzerner Strandpromenade, ab 1906 mit elektrischen Strom aus einem eigenen Kraftwerk und mit Telefon (durch die Station der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger hatte Arnrum schon vor 1890 Telefonverbindung mit dem Festland erhalten) war Wittdün hinsichtlich Fortschritt fast allen Seebädern voraus. Schon im Jahre 1895 war auch das konkursbedrohte Kurhaus an der Satteldüne von der Wittdüner Aktiengesellschaft übernommen und in den Jahren 1901/02 die Wittdüner Kniepsandbahn als Inselbahn bis Nebel und Norddorf erweitert worden. Wittdün war drauf und dran, Westerland den Rang als Seebad abzulaufen.

Aber dann ging die Aktiengesellschaft „Seebäder Wittdün und Satteldüne“ im Jahre 1907 in Konkurs. Es soll ein verregneter Sommer mit stark nachlassendem Besuch gewesen sein. Aber ursächlich war wohl eher die Tatsache, dass sich Heinrich Andresen geschäftlich übernommen hatte. Die genannten Investitionen standen in keinem Verhältnis zu der nur etwa zehn Wochen dauernden Saison.

Die Aktiengesellschaft verschwand von der Insel und Heinrich Andresen starb als armer Mann 1920 oder 1921 in Flensburg. Er war der eigentliche Erbauer und Betreiber des jungen Badeortes Wittdün gewesen.

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