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Baden anno Dazumal (letzter Teil) : Bahnfahrt, Blasmusik und Brandung

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Ein Rückblick auf die Bademoden in den vergangenen 125 Jahren: Wo einst Sittenwächter auf Geschlechtertrennung achteten, ist heute der FKK-Strand.

Das Badeleben auf der Amrumer Südspitze Wittdün erhielt noch eine besondere Note, als der Betreiber des Seebades, die Aktiengesellschaft, auf dem Kniepsand westlich von Wriak Hörn eine Badeanlage errichtete, um dem Wittdüner Publikum „einen kräftigen Wellenschlag“ zu vermitteln. Dieser fehlte nämlich am Wittdüner Südstrand unter den großen Hotels und Logierhäusern, weil der Kniepsand‚ die Brandung hemmend, davor lag. Nun lag aber das Wittdüner Kniepsandbad runde vier Kilometer vom jungen Seebad entfernt,viel zu weit, um zu Fuß erreichbar zu sein, zumal das seinerzeitige Publikum in langen, modischen Gewändern und steifen Gehröcken auf der hölzernen Strandpromenade unterwegs war.

Aber in Wittdün war unter dem tatkräftigen Direktor Heinrich Andresen nichts unmöglich. Die Aktiengesellschaft richtete eine Bahnverbindung zu den Badeanlagen auf dem Kniep ein, zunächst mit einer Schiene unten am Wittdüner Strand, nach Beschwerden des dortigen Badepublikums durch die Dünen am Leuchtturm vorbei. Nun konnten die Wittdüner Gäste von morgens 8 bis abends 8 für einen Groschen stündlich mit der Bahn zum Baden fahren.Und nachmittags fuhr die Kurkapelle mit hinaus, baute sich unter der Strandhalle auf und versuchte, mit ihren Blasinstrumenten das Rauschen der Brandung zu übertönen.

Beiderseits der Strandhalle waren – ebenfalls zum Schutze gegen Sturmfluten – auf hohen Ständern die Reihen der Badekabinen des Damen- und Herrenbades aufgestellt, natürlich den Moralvorschriften entsprechend rund 500 Meter voneinander getrennt. In der Strandhalle befand sich eine Restauration. Aber alle Schutzvorkehrungen nutzten nichts – bei einer Sturmflut im November 1911 wurde die Anlage ein Raub der Wellen. Die Halle wurde nicht wieder aufgebaut und die Badekabinen auf die Schiene der Inselbahn aufgestellt, so dass diese bei Sturmflutwarnung von der Lokomotive schnell an Land gezogen werden konnten. Bis 1939 bestand diese Badeanlage und verschwand dann, als die Inselbahn abgebrochen wurde. Heute befindet sich an gleicher Stelle der Strand des FKK-Zeltplatzes. Aber erst mit dem Wiederbeginn des Fremdenverkehres nach dem Zweiten Weltkrieg entfaltete sich an allen Badestränden der Nordseeküste die Freikörperkultur, so auch in den Seebädern Wittdün, Nebel und Norddorf.

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