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Praktikum im Bundestag : Ausflug in die Welt der Politik

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Von der Werkstatt ins Abgeordnetenbüro: Der Föhrer Malermeister Jörg Brodersen hat ein Praktikum im Berliner Bundestag absolviert – und dabei Ingbert Liebing über die Schulter geschaut.

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erstellt am 05.Feb.2016 | 08:00 Uhr

Anstreichen und Lackieren, Fassaden reinigen und Tapezieren – damit kennt sich der Föhrer Malermeister Jörg Brodersen bestens aus. Der 45-Jährige leitet einen Betrieb in Alkersum und ist Chef von zwölf Mitarbeitern. Die große Politik zählt weniger zu seinem Metier. Doch als ihm die Handwerkskammer Schleswig-Holstein anbot, ein Praktikum im Deutschen Bundestag zu absolvieren, packte ihn die Neugier. Er nahm seinen Koffer und reiste vergangene Woche nach Berlin, um den CDU-Bundestagsabgeordneten für Nordfriesland und Dithmarschen-Nord, Ingbert Liebing, fünf Tage lang über die Schulter zu schauen. „Ich freue mich, dass Jörg Brodersen diese Chance nutzt – und das, obwohl er gerade in den Wintermonaten viel zu tun hat“, erklärt Liebing.

Viel zu tun gibt es für Brodersen allerdings auch in der Hauptstadt. Sein Terminkalender ist prall gefüllt. Von morgens bis abends begleitet der Föhrer den Abgeordneten Liebing zu zahlreichen Terminen. Darunter sind Ausschuss- und Fraktionssitzungen, Podiumsdiskussionen, Plenar-Debatten, eine Gedenkveranstaltung für NS-Opfer und ein Parlamentarischer Abend.

Trotz dieser stressreichen Zeit ist Brodersen begeistert von seinem Aufenthalt in Berlin. „Es ist einfach klasse, mal hinter die Kulissen zu schauen, um zu sehen, wie Politik im Bundestag funktioniert und wie gewaltig der Aufwand ist, das Land demokratisch zu regieren. Jeder, der die Möglichkeit dazu hat, sollte diese wahrnehmen“, sagt der 45-Jährige.

Die Praktikums-Aktion des Vereins Handwerk Schleswig-Holstein gibt es bereits seit mehreren Jahren. Die Idee entstand auf einem Treffen zwischen dem Landeshandwerksrat und den Bundestagsabgeordneten. 40 Handwerker aus dem nördlichsten Bundesland hospitierten allein im Jahr 2014 in Berlin – und das, obwohl sie Fahr- und Unterbringungskosten selbst tragen müssen.

Brodersen jedenfalls möchte die Erfahrung nicht missen. Besonders gut gefallen hat ihm, dass er sich mit dem Hausausweis frei im Reichstag bewegen konnte. „Vor einigen Jahren wollte ich mit Kollegen auf die Reichstagskuppel – das war damals aber nicht so einfach möglich. Jetzt konnte ich so oft auf die Kuppel wie ich wollte“, sagt er lächelnd und berichtet von einem witzigen Zufall. Beim Ausschuss für Wirtschaft und Energie begegnet ihm ein alter Bekannter: sein Wyker Handwerks-Kollege Gido Wissel, der für die Heizungs- und Sanitärfirma Bohn Haustechnik arbeitet. Wissel ist als Praktikant von Matthias Ilgen (SPD) unterwegs. Und so viel Zeit muss sein: Die beiden Männer schaufeln sich einen Abend frei – und treffen sich auf ein Feierabendbier in der Hotelbar, denn Wissel hat auch noch zufällig die gleiche Unterkunft wie Brodersen gebucht.

Zurück in Alkersum. Malermeister Brodersen hat den Anzug wieder in den Schrank gehängt und gegen seine Arbeitskleidung getauscht. Für seine Praktikums-Woche hatte er sich extra Urlaub genommen. Jetzt hat ihn der Alltag wieder – und die Aufträge stapeln sich. „Wir sind vollkommen ausgebucht“, erklärt er und schaut auf die Uhr. Auf die Frage, ob er sich vorstellen könne, jetzt doch politisch aktiv zu werden, antwortet er mit einem Grinsen: „Nein. Für mich ist alles gut so wie es ist.“




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