zur Navigation springen
Insel-Bote

21. Oktober 2017 | 13:16 Uhr

Oevenumer Windpark : Aus zehn mach drei

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Repowering auf Föhr: Die neuen Riesenmühlen bringen deutlich mehr Leistung. Sie stehen aus Naturschutzgründen nicht mehr direkt hinter dem Deich

shz.de von
erstellt am 30.Okt.2015 | 12:30 Uhr

Bereits seit 25 Jahren hat sich die Oevenumer Familie Brodersen der Nutzung der Windenergie verschrieben und nun bereitet sie sich mit ihren drei neuen Windmühlen am Oevenumer Deich auf die nächsten 25 Jahre der Versorgung der Menschen mit sauberer Energie vor. Die Inbetriebnahme der drei neuen Anlagen in der Marsch steht nämlich unmittelbar bevor. „Wenn alles gutgeht“, so Jan Brodersen, solle sich am heutigen Freitag der erste Rotor drehen.

 Mit einer Nabenhöhe von knapp 64 Metern und einer Höhe von 100 Metern bis zur Flügelspitze überragen die neuen „Windspargel“ ihre Vorgänger, deren Nabenhöhe nur rund 30 Meter betrug, um einiges. Sie haben eine installierte Leistung von jeweils sechs Millionen Kilowatt-Stunden (kWh) – womit die auf Föhr produzierte Leistung verdreifacht wird.

 Den Grundstein für eine Erfolgsgeschichte hat Vater Jan-Richard Brodersen gelegt, der ursprünglich nur seine Ferienwohnungen mit selbst produziertem Strom versorgen wollte. 1989 gründeten die Eltern Brodersen gemeinsam mit ihren Kindern Christina, Jan und Hauke das Familienunternehmen „Föhrer Windkraft“ und 1990/91 entstand einer der ersten Windparks Deutschlands, in dem zehn Mühlen betrieben wurden. Anfangs speisten die Brodersens ihren Strom in das Netz der Eon ein, um dann 2011 den Schritt in die Direktvermarktung zu wagen, wobei sie die Elektrizitätswerke Schönau (EWS) als Partner gewinnen konnten. Die Schwarzwälder, deren Keimzelle eine Bürgerinitiative ist, die nach der Atomkatastrophe in Tschernobyl entstand, gehören inzwischen zu den großen Ökostrom-Anbietern in Deutschland und garantieren für Energie, sollte einmal auf Föhr kein Wind wehen. Seit 2014 versorgt die „Föhrer Windkraft“ Kunden in ganz Schleswig-Holstein mit ihrem vom insularen Wind erzeugten Strom.

 Das Repowering der Windanlagen am Oevenumer Deich war schon seit geraumer Zeit ein Diskussionsthema, das zunächst zu keiner Lösung führte. Es ging dabei nicht nur um den Ersatz der Brodersen-Anlagen, sondern um neun weiterer Mühlen, die von insularen Landwirten betrieben wurden. Ihre Zahl sollte auch zum Schutze des Föhrer Landschaftsbildes reduziert werden. Die Lösung sah schließlich so aus, dass die „Föhrer Windkraft“ auf der Insel drei Mühlen betreibt und der Ersatz der übrigen „Spargel“ in Dagebüll aufgestellt wird. Der Ersatzbau in Dagebüll war mit Problemen behaftet und zog sich länger hin. „Wir mussten warten, bis für Dagebüll grünes Licht gegeben wurde, bevor wir uns zeitgleich an das Repowering machen konnten“, berichtet Jan Brodersen.

 Doch dann ging es ab dem Frühjahr Schlag auf Schlag: Die alten Anlagen verschwanden quasi über Nacht, und so mancher Radfahrer rieb sich verwundert die Augen, als am Oevenumer Deich plötzlich keine Mühle mehr in Sicht war. Dort wird auch in Zukunft keine mehr zu sehen sein, denn die neuen Anlagen sind von der Deichlinie abgerückt. Für die Auswahl ihres Standortes waren nicht zuletzt biologische Gutachten über das Vogel- und Fledermaus-Aufkommen ausschlaggebend. Während die Einzelteile der drei neuen Mühlen produziert wurden, galt es auf Föhr, einen tragfähigen Untergrund sowie eine entsprechende Zuwegung zu schaffen.

 Der Transport der Mühlen nach Föhr erregte großes Aufsehen, wurden sie doch an Bord von Pontons zum Wyker Hafen transportiert. Aus Ostfriesland stammen die jeweils 34 Meter langen Rotoren, die Generatoren und die Gondeln. Mit Hilfe eines 500-Tonnen-Mobilkrans wurden die Einzelteile auf Tieflader geladen und über den Deichverteidigungsweg nach Oevenum gebracht. Einige Tage später brachte ein weiterer Schwimmponton aus Malmö die Turmteile nach Föhr, um auf die selbe Art an Ort und Stelle transportiert zu werden. Dabei ging das Verladen solch großer und schwerer Einzelteile nicht im Hauruck-Verfahren. Vielmehr war Millimeterarbeit gefragt, damit die zukünftigen Windmühlen unbeschädigt an ihren Zielort gelangen konnten, wo sie zusammengesetzt und aufgebaut wurden.

 „Rund 2,3 Millionen Euro wird eine einzige Anlage kosten“, ist von Jan Brodersen zu erfahren. „Wir werden diese Investition alleine schultern und auch weiterhin ein Familienbetrieb bleiben“, betont der Geschäftsführer der „Föhrer Windkraft“.

 

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen