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Landfrauen-Rezepte : Aus Insel-Küchen frisch auf den Tisch

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Helene Kröger mag es norddeutsch-deftig. Und das wissen ihre Gäste zu schätzen.

Bei schwäbischer Küche fallen einem als erstes Spätzle ein, bei der bayrischen Schweinsbraten, bei der rheinischen Reibekuchen. Und wenn man sie fragt, was Küstenbewohner wohl so essen, werden viele „Südländer“ spontan an Matjes denken. Dabei hat die norddeutsche Küche eine enorme Vielfalt zu bieten und ist um Längen besser als ihr Ruf. Das beweisen die Rezepte, die Mitglieder des Föhrer Landfrauenvereins im „inselmagazin“ vorstellen.

Labskaus, das ist für viele Menschen aus anderen Regionen das Küsten-Essen schlechthin. Doch woraus besteht dieses alte Seemannsgericht eigentlich, und wie schmeckt es? „Echt gut“, sagt Helene Kröger, und sie muss es wissen. Denn die Seniorchefin von „Krögers Dörpskrog“ in Oevenum hat jahrzehntelang ihre Gäste bekocht – mit viel Liebe und guten Zutaten.

Nur gute Zutaten kommen auch in ihren Labskaus, für den sie statt des traditionellen Pökelfleischs schieren Rinderbraten verwendet. Und das wissen ihre Gäste zu schätzen – so wie der Pastor, der jeden Sommer für ein paar Wochen nach Oevenum kommt. „Der fragt dann immer, wann es wieder Labskaus gibt“, berichtet sie.

Vom Kochen verstand die gebürtige Amrumerin schon in jungen Jahren eine ganze Menge, hat sie doch nach dem Schulabschluss auf Amrum ein halbes Jahr lang eine Haushaltsschule in Dänemark besucht und dann zunächst auf der Satteldüne und anschließend dreieinhalb Jahre in der Küche des Wyker „Marienhofs“ gearbeitet. In dieser Zeit lernte Helene Petersen, wie sie damals noch hieß, den Schlachtergesellen Hans Kröger kennen. Das Paar heiratete 1955, kaufte in Oevenum ein Haus und bekam drei Kinder. „Alle sieben Jahre eins“, berichtet die Mutter von zwei Töchtern und einem Sohn, die inzwischen längst auch stolze siebenfache Groß- und dreifache Urgroßmutter ist.

Dass sie irgendwann einmal als Wirtin des Dorfkrugs Feriengäste und Einheimische mit ihrer Küche verwöhnen würde, hat Helene Kröger sich damals noch nicht träumen lassen. Doch dann kam Hans Kröger eines Abends aus der Wirtschaft zurück und überraschte seine Frau mit der Mitteilung, dass er mit dem Wirt die Häuser tauschen werde. „Er fragte: ‚Kommst du mit?‘ und ich dachte, ich muss ja, aber für andere kochen werde ich nicht“, erinnert sich die 80-Jährige. Aus dem Nichtkochen wurde dann nichts, „denn die Gäste sagten, dass sie nur dann ihr Bier trinken kommen, wenn es auch Essen gibt“.

„Ich wurde da so ein bisschen reingeschubst. Als ich dann zum ersten Mal für die Jäger Grünkohl machen sollte, habe ich richtig Angst gehabt, aber nachher sagten alle, so einen schönen Grünkohl hätten sie noch nie gehabt“, berichtet Helene Kröger strahlend.

Vor 50 Jahren, im Mai 1965, haben die Krögers den Krog übernommen, renoviert, modernisiert und Zimmer für Hausgäste eingerichtet. Vor allem für diese hat Helene Kröger dann gekocht, jeden Abend bekamen sie ein dreigängiges Menü. Sechs Wochen im Jahr lief damals die Sommersaison, doch nicht nur im Hochsommer war im Dörpskrog was los, denn es war die Zeit von Flurbereinigung und Deichbau. Waren die Badegäste abgereist, kamen die Bauarbeiter, die nach ihrer harten Arbeit ordentlich Hunger auf Helene Krögers deftige norddeutsche Küche mitbrachten, auf Bratkartroffeln, Spiegeleier oder Sauerfleisch. „Die richtigen Zutaten sind wichtig, und ein gutes Stück Fleisch muss rein“ – mit diesem Grundsatz traf sie genau den Geschmack ihrer Gäste.

Alles Geschichten aus alten Zeiten, denn längst hat Helene Kröger, deren Mann vor rund 20 Jahren verstarb, den Dörpskrog an Tochter Ellen und Schwiegersohn Hans Claußen übergeben, steht mit Enkelsohn Sönke bereits die dritte Kröger-Generation am Herd.

Die Senior-Chefin hat jetzt mehr Zeit für ihre Hobbys, liest historische Romane, rätselt, spielt Karten und unternimmt die eine oder andere Reise. Doch so ganz von der Arbeit lassen mag die agile Seniorin immer noch nicht. Sie mangelt die Tisch- und Bettwäsche des Dörpskrog und steht nach wie vor regelmäßig in der Küche – zum Kartoffeln pellen.

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erstellt am 31.Aug.2015 | 10:15 Uhr

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