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1. Weltkrieg : „Auf Wiedersehen“ statt „Adieu“

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Die Historikerin Dr. Karin de la Roi-Frey hat den Schicksalen der Kriegstoten von 1914 bis 1918 nachgespürt, deren Namen auf dem Ehrenmal des Boldixumer Friedhofs stehen. Jeweils zum 100. Todestag wird sie an diese Menschen erinnern.

shz.de von
erstellt am 14.Okt.2014 | 16:00 Uhr

Gerade ein Jahr ist der aus Bayern stammende Fritz Nötling Lehrer am Nordsee-Pädagogium, als sich der Reserveleutnant des 14. Bayerischen Infanterie-Regiments mit dem Ausbruch des 1. Weltkriegs zu den Waffen meldet. Bereits am 10. Oktober 1914 fällt er im Stellungskrieg bei Verdun. Die Schlacht an der Marne im September hat den Bewegungskrieg in diesem Gebiet mehr oder weniger beendet. Die Stellungsfront zieht sich jetzt bis zur Nordsee.

Für das Kollegium des Wyker Nordsee-Pädagogiums zeichnet der Schulleiter Professor Dr. Gerhard Heine die Traueranzeige für den gefallenen Soldaten, dem als tüchtiger Mann und bewährter Lehrer gedacht wird. Erst ein Jahr später, am 3. Oktober 1915, findet für Nötling eine Gedächtnisfeier in der St.-Nicolai-Kirche statt. Wie auch für andere Gefallene wird für ihn in der Kirche ein Eichenkranz aufgehängt. Obwohl kein geborener Insulaner, wird sein Name für Boldixum, zu dem damals noch das am Südstrand gelegene Nordsee-Pädagogium gehört, auf dem Ehrenmal von St. Nicolai genannt.

Ende Oktober lesen die Insulaner, dass der von 1911 bis 1915 amtierende Wyker Bürgermeister Dr. Heinn und seine Frau Elise, geborene Weber, den Tod des Schwagers und Bruders Fritz Weber „auf dem Felde der Ehre bei Vailly“ in Frankreich zu beklagen haben. Das liegt nicht weit entfernt von Soissons, wo der junge Heinrich Dabelstein im September sein Leben verlor.

Christina Martens (1902-1982) erinnert sich, dass die „Sprache des Feindes“ schon gleich 1914 nicht mehr benutzt werden durfte. „Das vertraute französische ‚Adieu‘, das wir im Hochdeutschen als einzigen Gruß hatten und im Plattdeutschen abgewandelt als ‚Adjis‘ benutzten, wurde durch ‚Auf Wiedersehen‘ ersetzt. Dieser Gruß stand so fremd im Raum, dass wir lange nicht damit zurecht kamen.“

In der 1914 anlaufenden Aktion „Gold gab ich für Eisen“ werden Edelmetalle gegen einen Fingerring aus Eisen, auf dem „Vaterlandsdank“ steht, getauscht.

Ende Oktober veröffentlicht die „Föhrer Zeitung“ das Gedicht „Ach Moder, lat mi trecken“ eines unbekannten Verfassers: „Ach Moder, lat mi trecken,/ Ik hol dat nich mehr ut;/ Ik will den frechen Franzmann/ An sine grote Schnut./ Lat mi doch mit na Frankrik,/ dat halwe Dörp is mit“.

Dem Bitten des einzigen Sohnes wird schließlich stattgegeben, der Vater tröstet die verzweifelte Mutter mit den Worten: „Dor dröpt nich jede Kugel“. Nicht jede – aber viele. Und so gab es schon kurz nach Ausbruch des Krieges nicht nur die ersten Toten. Der junge Wyker Knudt Kloborg (1891-1972), kehrte im Oktober 1914 als erster Verwundeter von der Front nach Föhr zurück.

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