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föhr: blick zurück : Auf den Spuren der Wikinger

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

Bereits vor vielen Jahrhunderten haben sich Menschen auf Föhr niedergelassen. Grabungen vor der Witsumer Godelniederung und am Rande von Goting brachten Erkenntnisse über frühere Siedlungsorte auf der Insel.

Die Insel Föhr erfreut sich nicht erst seit heute großer Beliebtheit als Wohnort. Bereits vor vielen Jahrhunderten haben sich Menschen hier niedergelassen, darunter auch die Wikinger, denen der aus Midlum stammende junge Archäologe Bente Majchczack auf der Spur ist. Geomagnetische Luftbildaufnahmen, die dänische Archäologen im Jahr 2006 anfertigten, brachten hervorragende Ergebnisse. „Bei Witsum sind deutliche Strukturen von Straßen, Höfen und Grubenhäusern zu erkennen“, berichtet Majchczack, der von der Qualität der Luftbildaufnahmen begeistert ist.

Auch ein Archäologe kann nicht einfach loslegen und im Untergrund nach den Spuren früherer Siedler forschen. Vielmehr benötigt er einen konkreten Auftrag. Im Fall von Bente Majchczack kam der Auftrag vom Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein und dem Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung, die im Rahmen eines Projektes der Deutschen Forschungsgemeinschaft Häfen von der römischen Kaiserzeit bis zum Mittelalter erforschen wollen. Bei dieser Zusammenarbeit sind auch verschiedene Teilbereiche an der Nordseeküste im Visier der Experten. „Auf Föhr sind die Voraussetzungen für die Grabungen besonders gut“, berichtet Bente Majchczack, der vor Ort die Untersuchungen in Witsum und Goting leitete. Dabei kam ihm zugute, dass er sich in seiner Masterarbeit mit der „Siedlungsforschung auf der Nordseeinsel Föhr“ beschäftigt hatte. Projektleiter des Unternehmens war mit Martin Segschneider vom Archäologischen Landesamt ein Insulaner von Amrum.

Mit den Grabungen vor der Witsumer Godelniederung und am Rande von Goting wollten Majchczack und sein Team, dem Grabungstechniker, Studenten und Praktikanten angehörten, herausfinden, ob von den Siedlungen aus Handwerk und Handel betrieben wurden. Für Goting, das als Siedlungsort schon länger bekannt ist, ist der schon einige Zeit zurückliegende Münzenfund am Strand nach Überzeugung des Archäologen ein wichtiges Indiz für Letzteres.

Über eine Woche lang versuchten die Forscher, dem Föhrer Untergrund seine Geheimnisse zu entreißen. Dabei stießen sie auf äußerst wohlwollende Landbesitzer, denn für das Freilegen der Gebäudespuren waren einige Erdarbeiten vonnöten. Die oberste Erdschicht wurde mit einem Bagger beseitigt, dann mit Schaufel und Kelle weiter gearbeitet. Es sind zwar keine Balken mehr zu finden, denn die Langhäuser der Wikinger waren Ständerkonstruktionen, die keine lange Lebensdauer hatten, doch die Umrisse der Gebäude und der Grubenhäuser, in denen unter anderem die Webstühle standen, lassen sich an der unterschiedlichen Färbung des Bodens erkennen.

„Archäologische Forschung ist viel Kleinarbeit“, berichtet Bente Majchczack. Jedes Pfostenloch und jeder noch so kleine Fund müssen akribisch dokumentiert werden. Selbst der oberste Erdaushub wurde noch mit einem Metalldetektor durchsucht, um keinen Überrest aus dem Leben der Wikinger zu übersehen. Nicht übersehen wurden jedenfalls die Abdrücke eines Webstuhles sowie Webgewichte, womit nach Feststellung des Archäologen die Existenz des Handwerks bereits nachgewiesen ist.

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erstellt am 04.Okt.2014 | 10:00 Uhr

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