Boldixumer Vogelkoje : Auf den Spuren der Entenfänger

Die Todesfalle von einst dient heute als Rückzugsort. Foto: Hans-Ulrich Becker
Die Todesfalle von einst dient heute als Rückzugsort. Foto: Hans-Ulrich Becker

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15. Oktober 2010, 08:01 Uhr

Boldixum | Der Wildentenfang war einst ein wichtiger Wirtschaftszweig auf den nordfriesischen Inseln. In speziell angelegten Lebendfallen, den Entenkojen, wurden in den ertragreichsten Jahren Tausende der Zugvögel gefangen. Das trug maßgeblich zum Lebensunterhalt der Inselbewohner bei und war so profitabel, dass bis ins letzte Jahrhundert hinein auf Föhr eine Wildenten-Konserven-Fabrik in Betrieb war. Die Erzeugnisse wurden weltweit vertrieben.

Das Prinzip der Entenkoje stammt ursprünglich aus den Niederlanden. Im Zentrum eines speziell angepflanzten Waldstücks befindet sich ein künstlich angelegter, mehreckiger Süßwasserteich. Von dessen Ecken gehen mehrere sogenannte Entenpfeifen, sich verjüngende Wassergräben, ab. Diese sind mit einer Käfig-Konstruktion überzogen und haben am Ende einen Fangkasten. Die vorbeiziehenden Entenschwärme werden auf der Suche nach Rast und Futter von zahmen Artgenossen, den Lockenten, angezogen.

Im Herbst, das war die Fangzeit, wurden die Tiere gezielt in die Pfeifen gelockt. Der Kojenwärter, der sich zunächst hinter einer Sichtblende auf die Lauer legte, scheuchte die Tiere auf und trieb sie weiter in die Fangkästen, wo ihr Schicksal besiegelt war.

Auf Föhr gab es ursprünglich sechs Entenkojen, von denen heute noch fünf übrig sind. Eine von Ihnen, die Boldixumer Koje, ist für Besucher zur Besichtigung zugänglich. Gefangen wird in der gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Betrieb genommen Anlage schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Verhieß sie den einkehrenden Wildenten früher zumeist ein sicheres Ende, dient sie ihnen heute als Rückzugsgebiet. Von den vier angelegten Entenpfeifen wurden zwei zu Besichtigungszwecken wieder aufgebaut. Die anderen beiden sind nur noch teilweise erhalten.

Die Boldixumer Entenkoje öffnet Ihre Türen für Besucher im Zeitraum zwischen April und Oktober, also noch bis zum Ende des laufenden Monats. Besichtigungen können von Montag bis Freitag zwischen 10 und 12 Uhr vorgenommen werden.

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