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föhr: test bestanden : Auf den Ernstfall gut vorbereitet

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Horror-Szenario nach einer Windhose: 120 Einsatzkräfte von Föhr und Amrum meisterten eine umfangreiche Übung mit Bravour.

shz.de von
erstellt am 23.Mär.2015 | 09:00 Uhr

Es war ein Unfall, wie man ihn nie erleben möchte: In Folge eines starken Sandsturmes kam es vor rund vier Jahren bei Rostock zu einer Massenkarambolage mit acht Toten. Um auf ein Ereignis ähnlicher Größenordnung vorbereitet zu sein, wurde am Wochendende die Koordination der insularen Feuerwehren, des Rettungsdienstes und der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) geübt.

Dem Rettungsdienst, der nach dem Notruf als erster an der Einsatzstelle eintraf, bot sich ein schreckliches Bild: Eine rund 200 Meter lange Unfallstelle auf der Landesstraße von Wyk nach Nieblum, ausgelöst durch eine Windhose. Relativ schnell war klar, dass schweres Gerät und sehr viel mehr Personal nötig sein würden, um die vielen Verletzten zu befreien und zu versorgen. So wurde Verstärkung von Feuerwehr und DLRG angefordert. Neben den Wehren aus Wyk, Wrixum, Nieblum, Alkersum und Midlum war auch die Feuerwehr Wittdün an der Übung beteiligt, deren Mannschaft samt Gerät bereits am Morgen von Amrum nach Föhr gekommen waren. So waren innerhalb von rund 30 Minuten annähernd 120 Rettungskräfte vor Ort, die sofort mit der Bergung und Versorgung der etwa 20 Leicht- und Schwerverletzten begannen.

Dabei wurde ihnen die Arbeit von den eindrucksvoll gespielten Opfern nicht gerade erleichtert. Sehr realitätsnah stellten diese verwirrte Beteiligte am Unfall dar, die unbedingt zu ihren Verwandten wollten oder von einer Sekunde auf die andere schreiend in den nahen Wald davonrannten. Somit entstand ein Szenario, das einen wirklichen Unfall zwar nicht einhundertprozentig nachstellen konnte, den Rettungskräften aber doch eine Menge ihres Könnens abverlangte.

Auch das Wetter tat den Rettern keinen Gefallen: Der Wind wehte stark, zudem erschwerte ein stetiger Nieselregen die Situation. Vor allem den Verletzten dürfte hierbei kalt gewesen sein, obwohl sie sofort in Decken gewickelt und in ein Zelt mit angenehmer Temperatur gebracht wurden. Hier übernahmen dann Sanitäter, Notärzte und der Rettungsdienst das Kommando und bereiteten alles auf den Abtransport in Richtung Krankenhaus vor. Zudem wurden Hubschrauber angefordert, um die Opfer in Dagebüll weiter zu versorgen, da das Wyker Krankenhaus nicht genügend Kapazitäten bereitstellen konnte. Die Ankunft der Hubschrauber und der Abtransport wurden hierbei nur angedeutet, ein wirkliches Kommen wäre zu aufwändig gewesen. Während die Versorgung der Opfer sichergestellt wurde, begann die Feuerwehr damit, die entstandenen Fahrzeugbrände zu löschen und Hindernisse wie umgefallene Bäume aus dem Weg zu räumen.

Nach rund zwei Stunden wurde die Übung beendet. Die Verletzten konnten alle versorgt werden und die Feuerwehr hatte die größten Gefahren beseitigt. Nun ging es ans große Aufräumen. Umgefallene Container mussten aufgerichtet und von der Straße abgekommene Fahrzeuge zurück auf die Fahrbahn geschoben werden. Dies übernahmen dann allerdings Freiwillige Helfer, die Rettungskräfte konnten sich in der Wyker Feuerwehrwache mit Erbsensuppe und Getränken stärken.

Hier dankte der Wyker Wehrführer Kai Sönnichsen den Schauspielern und allen Beteiligten für deren Einsatz und zeigte sich mit dem Ergebnis der ersten Übung dieser Größenordnung sehr zufrieden: „Nach der Chaos-Phase in den ersten zehn Minuten lief das alles recht gut. Wir hätten vielleicht nicht alle auf einem Kanal funken sollen, aber sonst bin ich echt zufrieden.“ Thomas Strelow, Leiter des Rettungsdienstes, sprach von einer Extrembelastung für die Einsatzkräfte: „Dafür, dass wir nur neun Rettungsassistenten haben, war die erste Stunde optimal.“ Da aber im Ernstfall innerhalb einer Stunde Verstärkung vom Festland einträfe, würde die Versorgung der Schwerverletzten erleichtert werden, so Strelow.

Der Organisator der Übung, der Kreisausbilder Jörg Carstensen aus Wyk, freute sich vor allem über die Teilnahme der Wittdüner Feuerwehr, wodurch mehr Einsatzkräfte vor Ort waren als sonst. „Wir haben die Unfallstelle extra so lang gemacht, damit ein bisschen mehr Manpower benötigt wird“, sagte er nach der Übung. Zudem dankte er den vielen Unterstützern: „Wir haben um acht Uhr morgens angefangen aufzubauen und die Statisten zu schminken, und wie wir sehen konnten, hat sich das auch gelohnt.“

Die Rettungskräfte von Föhr und Amrum sind nun auf einen möglichen Ernstfall vorbereitet, auch wenn alle hoffen, dass erworbene Wissen nie anwenden zu müssen. Eine Erfahrung für alle Beteiligten war es auf jeden Fall.

 

 

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