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Traumreise : Auf dem längsten Weg nach Helgoland

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Ein Ehepaar aus Dessau legte seit dem Start in Hamburg 4500 Seemeilen zurück. Über Bornholm, St. Petersburg, den Ladoga- und den Onegasee, das Weiße Meer und vorbei an Nordkap und der norwegischer Küste führte die Reise zur Hochseeinsel.

Eigentlich ist es nichts Spektakuläres, wenn ein Paar mit seiner Motoryacht von Hamburg nach Helgoland fahren will. Doch Kerstin und Waldemar Kurt Schneider aus Stralsund machten auf ihrer Tour mit der „Goedeke Michels“ einen „kleinen“ Umweg. Als sie jetzt in Wyk zum ersten Mal seit ihrem Start einen deutschen Hafen anliefen, lagen 4500 Seemeilen hinter ihnen.

Für die Schneiders war nämlich bei dieser Tour mit ihrer 49-Fuß-Yacht der Weg das Ziel. Ihre Fahrt führte sie seit dem 15. April unter anderem über Bornholm, Stockholm, Helsinki, St. Petersburg, durch den Ladoga- und den Onegasee, zum Weißen Meer, durch die Barentsee zum Nordkap und dann entlang der norwegischen Küste. Diese Route nach Helgoland ist, davon ist Waldemar Schneider überzeugt, vor ihm und seiner Frau noch niemand gefahren.

„Wir waren bereits im vergangenen Jahr für längere Zeit in Wyk, und es hat uns so gut gefallen, dass wir wieder kommen wollten“, begründet er die Entscheidung, vor dem Zielhafen Helgoland die Insel Föhr anzulaufen.

Die Idee für diese Reise mit der „Goedeke Michels“, die übrigens nach einem realen Kumpan des Piraten Klaus Störtebeker benannt ist, wurde bereits 2012 geboren. Kerstin und Waldemar Schneider hatten damals im Yachthafen von St. Petersburg festgemacht und lernten dort den russischen Segler Daniel Gavrilov kennen. Er hat in Seglerkreisen einen guten Ruf, hat er doch 2010 als Kapitän der Segelyacht „Peter I“ mit seiner Crew erstmals ohne Eisbrecher die Nordwest-Passage der Arktis durchsegelt und damit einen Weltrekord aufgestellt. Angeführt von Gavrilov kreuzten die Schneiders in jenem Sommer durch russische Gewässer. Ohne den Russen als Lotsen wäre dies gar nicht erlaubt worden. Dabei wurde die Idee geboren gemeinsam eine größere Fahrt zu unternehmen, wozu eine vorherige Einladung von russischer Seite unerlässlich war.

Nun ist Waldemar Schneider kein Hasardeur, der blindlings in ein Abenteuer aufbricht. Er ist seit 35 Jahren begeisterter Wassersportler und segelte zunächst gemeinsam mit seiner Frau, einer ebenfalls ambitionierten Fahrensfrau. „Mit zunehmendem Alter sind wir dann auf mit Motor betriebene Schiffe und schließlich auf die „Goedeke Michels“ umgestiegen“, berichtet der heute 56-Jährige. Nicht nur, dass er über die notwendigen Führerscheine verfügt, auch mit der Technik seines 15 Meter langen Schiffes, das durch zwei Deutz-Maschinen mit jeweils 140 PS angetrieben wird, kennt er sich gut aus.

Die Route zum Nordkap und wieder zurück wurde im Vorwege minutiös ausgearbeitet, davon kündet auch das Transparent an der Reling der Yacht, auf dem sämtliche Stationen aufgeführt sind. Bis hoch nach Archangelsk fuhr unter Führung der „Peter I“ eine kleine Flotille, der unter anderem ein weiteres deutsches Schiff und ein Boot aus Malta angehörten.

Nun sind die Schneiders kein High-Society-Paar, das sich um nichts kümmern muss. Vielmehr betreiben sie in Dessau eine größere Malerfirma. „Wir haben zahlreiche Angestellte, die den Betrieb zeitweise auch ohne uns am Laufen halten“, berichtet Waldemar Schneider. Doch über Monate hinweg geht es dann doch nicht ohne Chef. Die „Goedeke Michels“ wurde dann in einem Hafen fest vertäut, während das Ehepaar nach Deutschland flog, um dort seiner eigentlichen Tätigkeit nachzugehen. Auch jetzt ist das wieder der Fall, weshalb die Yacht nun mehrere Tag lang im Wyker Hafen bewundert werden kann.

Nach ihrer fünfmonatigen Tour sind die beiden noch ganz erfüllt vom Erlebten. An erster Stelle nennen sie die unglaubliche Gastfreundschaft, die sie in Russland erfahren durften. „Wir fühlten uns besonders geehrt, als der Gouverneur von Karelien uns auf unserem Schiff besuchte“. Die weißen Nächte in St. Petersburg und das Leben unter der Mitternachtssonne sind weitere Erlebnisse, die nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben. Es herrschte aber nicht ständig eitel Sonnenschein. In der Barentsee geriet die „Goedeke Michels“ in einen Sturm, der das Schiff und seine Besatzung an ihre Grenzen brachte. Doch selbst bei dieser Gelegenheit nahm Waldemar Schneider die Kamera in die Hand, um das Erlebnis zu dokumentieren. Auf diese Weise entstanden unzählige Aufnahmen, die die gesamte Reise von Hamburg bis Wyk dokumentieren.

In einer Woche geht es schließlich nach Helgoland und von dort aus weiter nach Holland, wo die Yacht in der Werft den Winter überstehen soll. Über weitere Touren in Richtung Norden denkte das Ehepaar Schneider bereits nach.




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