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böses erwachen : Auch die Kosten laufen aus dem Ruder

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

Dass die Kuh vom Eis muss, darüber waren sich die Mitglieder des Finanzausschusses einig. Gemeint ist die historische Stadtsäule aus Sandstein, die Markus Thiessen im Auftrag der Stadt anlässlich der Feiern im Jahr 2010 zum 100-jährigen Stadtrecht erstellt hat.

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erstellt am 15.Feb.2014 | 08:00 Uhr

Dass die Kuh vom Eis muss, darüber waren sich die Mitglieder des Finanzausschusses auf ihrer jüngsten Sitzung einig. Gemeint ist die historische Stadtsäule aus Sandstein, die Markus Thiessen im Auftrag der Stadt anlässlich der Feiern im Jahr 2010 zum 100-jährigen Stadtrecht erstellt hat.

Doch das Kunstwerk des Steinbildhauermeisters, fast dreieinhalb Meter hoch mit einem Durchmesser von 80 Zentimetern auf einer Grundfläche von zwei Quadratmetern, entwickelt sich zu einer Endlosgeschichte, wie Wyks Bürgermeister Paul Raffelhüschen (CDU) anmerkte. Für 2012 war die Fertigstellung geplant, ein Termin, der aufgrund der verregneten Sommer und harten Winter – die Arbeiten erfolgten ausschließlich im Freien – nicht gehalten werden konnte. Auch der Sommer 2013, als nächstes Datum angekündigt, wurde nicht realisiert, und nun soll die Säule in diesem Jahr am Rosenbeet in der Wyker Mittelstraße aufgestellt werden.

Verbunden mit weiteren Kosten, wie Raffelhüschen berichtete. Denn die Säule, die auf einem aufwändigen Fundament in Wellenform stehen wird, muss in einen Zylinder eingebracht werden, der mit speziellen, nicht schrumpfenden Harzen verfüllt wird. Zur Justierung und Aushärtung und damit dem geraden Stand wird in der Folge ein Stahlgerüst erstellt. Kosten, berichtete Raffelhüschen von Gesprächen mit Markus Thiessen und dem Bauamtsleiter Christian Stemmer, die noch nicht endgültig beziffert werden können. Weshalb vorsorglich 25 000 Euro für die erforderlichen Restarbeiten im Haushalt 2014 der Stadt bereitgestellt wurden.

Womit das Projekt nicht nur zeitlich, sondern auch finanziell aus dem Ruder läuft. Veranschlagt waren ursprünglich rund 90 000 Euro, die sich aus dem Material und der Bearbeitung des Steins (76 000 Euro) sowie Nebenkosten und dem Betrag für die Skizzenmappen zusammensetzten. Die Mappen mit Motivzeichnungen des Künstlers sollten verkauft werden und, so hoffte man, die Finanzierung mit 30 000 Euro unterstützen. Ein Trugschluss, wie sich herausstellte, denn die eingegangenen 20 000 Euro stammen nur zu einem geringen Teil aus dem Verkauf. „In erster Linie bin ich herumgegangen und habe Klinken geputzt“, erinnert sich der damalige Wyker Bürgermeister Heinz Lorenzen (KG) an seine Spendensammlungen. Mit dem geschätzten Betrag für den Aufbau der Säule stehen nun 115 000 Euro unter dem Strich.

„Ich denke, damals hat niemand übersehen, dass für das Fundament noch einmal so ein großer Batzen Geld erforderlich sein wird“, so Heinz Lorenzen. Für ein handwerkliches Kunstwerk, das seinerzeit mit nur einer Gegenstimme vom Finanzausschuss beschlossen worden war.

Eine Argumentation, der Peter Schaper (SPD) folgte. Schaper, nach eigenem Bekunden nie ein Befürworter der Stadtsäule, stimmte zu, dass die sich nun abzeichnenden Folgekosten seinerzeit nicht absehbar waren. Nun aber müsse endlich eine Entscheidung getroffen werden. Die Abstimmung darüber, ob das Monument tatsächlich in der Mittelstraße aufgestellt wird, soll in der nächsten Sitzung der Stadtvertretung erfolgen. Mahnende Worte fand Peter Schaper zum Abchluss: „Wir sollten künftig ähnliche Projekte durchdachter angehen und im Vorfeld alle Eventualitäten abklären.“

 

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