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Ausstellung auf Föhr : Andersens große Selbstinszenierung

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Museum Kunst der Westküste auf Föhr zeigt in einer Ausstellung, wie der dänische Schriftsteller und Märchenschreiber Hans Christian Andersen die Fotografie zum Eigenmarketing nutzte. Ähnlich die Lady Gaga.

Auf diese Parallele muss man erst einmal kommen. „In gewisser Weise haben der dänische Dichter Hans Christian Andersen und die Pop-Ikone Lady Gaga etwas gemeinsam: Beide errichten eine Fassade, die sie populär machen soll, doch lassen sie niemanden dahinter blicken und bleiben so unbekannte Menschen“, sagt Ulrike Wolff-Thomsen. Die Direktorin des Föhrer Museums Kunst der Westküste in Alkersum (MKDW) erklärt während des Gangs durch die neue Ausstellung „Hans Christian Andersen – Impromptu“ die Art der Selbstinszenierung, mit der der Dichter, der von 1805 bis 1875 lebte, sich das damals ganz neue Medium der Fotografie zunutze machte.

Eine Reihe der Porträts Andersens werden zum allerersten Mal zusammen mit einer Auswahl seiner insgesamt 1000 Scherenschnitte sowie Zeichnungen in einer Ausstellung gezeigt, für deren Aufbau die dänische Fotohistorikerin Tove Thage verantwortlich zeichnet. Dabei konzentriert sich die Präsentation auf 1844, jenes ereignisreiche Jahr, in dem Andersen als Gast des dänischen Königs auf Föhr war, in dem die ersten Aufnahmen entstanden und der Dichter den 25. Jahrestag seines Umzugs von Odense nach Kopenhagen feierte.

Alle Fotografien, darauf verweist Wolff-Thomsen, sind nicht zufällig entstanden, sondern jede einzelne stellt eine Inszenierung dar, bei der Andersen, der sich als hässlichen Menschen empfand, selbst die Regie führte. Als zwar erfolgreicher Dichter, der aber über keine stabile finanzielle Basis verfügte, verbreitete Andersen diese Selbstbilder in der Welt, mit der Absicht, Aufmerksamkeit zu erzielen.

Aber die Ausstellung beschäftigt sich auch mit einer anderen Eigenheit Andersens: Während er seine Märchen erzählte, pflegte er mit einem außergewöhnlich großen Schneidwerkzeug Scherenschnitte herzustellen. „Diese Arbeiten mögen auf den ersten Blick kindlich und naiv erscheinen“, sagt die Direktorin des MKDW, „sie geben aber in Wirklichkeit Einblicke in seine psychischen Abgründe“. Sie seien schließlich auch mit seinen Märchen vergleichbar, die immer ein Stück seiner selbst waren und seine Biografie in sich trugen.

Die Schere war für Andersen ein Werkzeug der Improvisation, und seine spontanen Einfällen und Fantasiestücke kennzeichnete er mit dem Wort Impromptu, ein Begriff, der eigentlich aus der Musik stammt und für kleine Musikstücke steht.

Über diese Scherenschnitte haben die dänischen Künstler Ebbe Stub Wittrup und Ulrik Heltoft einen Schwarz-Weiß-Film produziert und dabei die Arbeiten zu bewegten Bildern zusammengesetzt, die nun als drittes Element der Ausstellung in den Föhrer Museumsräumen gezeigt werden.

Ergänzt wird diese Schau auch durch Dokumente aus der Zeit des Föhr-Besuches des dänischen Königs. So ist beispielsweise aus dem Inselarchiv eine Liste der insularen Repräsentanten zu sehen, die zur Begrüßung des dänischen Königs antraten. Ihre Nachfahren waren zur Vernissage der Ausstellung eingeladen, die in Alkersum bis zum 12. Januar 2014 besucht werden kann.

Hans Christian Andersen  bemühte sich vergeblich, als Schauspieler zum Theater zu kommen.  Mit 18 Jahren schrieb er dann sein   erstes Märchen vom Talglicht, dessen Manuskript erst im vergangenen Jahr gefunden wurde.  Andersen reiste viel, auch in Norddeutschland.   Er  starb 1875 im Alter von 70 Jahren als international bekannter Autor. Andersen schrieb mehr als 160 Märchen,  für die  er alte Volksmärchen so lange stilistisch  bearbeitete,  bis sie seinen Ansprüchen genügten. Während er sie vortrug, fertigte er oft Scherenschnitte an.

 

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erstellt am 20.Sep.2013 | 08:35 Uhr

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