Grosses Talent : Amrums Fußball-Hoffnung

Hat trotz des Aufwandes Spaß an seinem Sport: Feliks mit seinem Vater Jacek.
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Hat trotz des Aufwandes Spaß an seinem Sport: Feliks mit seinem Vater Jacek.

Vom TSV in die Landesliga: Feliks Grzybowski spielt heute für die SG Mitte und steht mit den C-Junioren vor dem Aufstieg in die Oberliga.

shz.de von
22. Januar 2018, 12:30 Uhr

Talentierte junge Fußballer gab es auf Amrum schon immer. Mit viel Enthusiasmus wird in den Nachwuchsmannschaften des TSV Amrum trainiert und die Teams treten dann auch in der Kreisklasse Nordfriesland an, was durch die Insellage für Spieler, Trainer und Eltern mit großem Zeitaufwand verbunden ist. Für die etwas älteren Jugendlichen und die Männer ist es bisher dagegen auf der Insel nicht gelungen, genügend Spieler zu finden, um am Punktspielbetrieb teilzunehmen. Somit bleibt den Fußballbegeisterten nur das Training und das eine oder andere Freundschaftsspiel. Voraussetzungen, die für die Weiterentwicklung eines jungen Fußballtalentes nicht ideal sind.

Weshalb ein junger Amrumer Kicker einen anderen Weg gewählt hat. Schon bei den F- und den E-Junioren hatte sich gezeigt, dass Feliks Grzybowski ein außergewöhnliches Talent ist. Das hatte auch sein damaliger Trainer Daniel Waldhaus schnell erkannt: „Feliks hat schon als sehr junger Spieler viele Partien entscheidend geprägt. Er war immer ein Führungsspieler mit außerordentlichen Fähigkeiten.“

Beste Voraussetzungen also, um zu einem höherklassig spielenden Verein zu wechseln. Doch was anderenorts der normale Schritt wäre, ist auf Amrum nicht so einfach. Allerdings war man auf dem Festland längst auf Feliks aufmerksam geworden und es gab erste Anfragen für einen Vereinswechsel. Nach reiflichen Überlegungen entschied er sich mit seinen Eltern für den SV Frisia 03 Risum-Lindholm. Das junge Talent hatte damit die Möglichkeit, künftig in der Kreisliga zu spielen.

Nicht ganz einfach für den Insulaner, der nun für jedes Spiel und zusätzlich einmal in der Woche zum Training aufs Festland fahren muss. Und auch für die Eltern Agnieszka und Jacek ist die sportliche Weiterentwicklung des Juniors mit einem größeren Zeitaufwand verbunden, denn einer von beiden ist immer dabei.

In Risum-Lindholm konnte sich Feliks schnell eingewöhnen und schon bald wurde er in die Kreisauswahl berufen. Seit dem Sommer 2015 besucht er viermal im Monat die Stützpunktförderung. Jeweils montags um 18.30 Uhr, was stets eine Übernachtung bedeutet. Montags mit der 12-Uhr-Fähre geht es los und am Dienstagmorgen mit der 5-Uhr-Fähre zurück, um 8 Uhr ist schließlich Schulbeginn. Mittlerweile fährt Feliks auch öfter allein und übernachtet bei einem Mannschaftskollegen.

2017 stand dann der nächste Wechsel an: Als C-Juniorenspieler wechselte er zur SG Mitte und spielt jetzt in der Landesliga. Zusätzlich zur Kreisauswahl wurde Feliks in die Landesauswahl Schleswig-Holstein berufen, alle zwei Wochen wird in Schleswig trainiert.

Um all diese Termine wahrnehmen zu können, hat die Familie Gryzbowski ein Auto in Dagebüll stationiert. Doch nicht nur Fahrkosten fallen an, für die Eltern Agnieszka und Jacek ist die sportliche Karriere ihres Sohnes auch beruflich mit einigem Planungsaufwand verbunden, um allen Terminanforderungen gerecht werden zu können. In der Woche trainiert Feliks auf Amrum. Tomaz, ein Freund der Familie, kümmert sich intensiv um die fußballerische Weiterentwicklung des Talents. Freitags geht es dann zum Abschlusstraining zur SG Mitte, Abfahrt 12 Uhr, Rückfahrt mit der 20-Uhr-Fähre. Sonntags stehen dann wieder Punktspiele an.

Auf die Frage, ob dies nicht zu viel Aufwand ist, antwortet Jacek Grzybowski: „Solange es Feliks Spaß macht und er weiterhin mit so viel Freude dabei ist, versuchen wir, ihn zu unterstützen soweit wir können.“ Froh sind die Eltern darüber, dass die Öömrang Schuul Verständnis zeigt, wenn der Schüler schon mal um 12 Uhr zum Hafen muss oder, wie jetzt im Winter, die erste Fähre erst um 9.20 Uhr in Wittdün ankommt. Feliks sei ein ehrgeiziger und guter Schüler, der die Zeit auf der Fähre nutze, um seine Hausaufgaben zu machen. „Auch ist uns die Mutter eines Mitspielers eine große Hilfe, da er dort übernachten kann und sie ihn morgens zur Fähre nach Dagebüll bringt.“

In der C-Jugend der SG Mitte spielt das Amrumer Talent auf der Zehner-Position, ist damit Spielmacher zwischen den Angreifern und den zentralen Mittelfeldspielern. Alle Begegnungen in dieser Saison wurden gewonnen und der Aufstieg in die Oberliga winkt. Ein weiterer Schritt für Feliks Grzybowski.

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