zur Navigation springen

Auftakt in Nebel : Amrums Feuerwehren machen mobil

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Immer weniger Insulaner sind zu dem freiwilligen Dienst in ihren Gemeinden bereit . Abhilfe soll eine Werbeaktion schaffen.

shz.de von
erstellt am 11.Apr.2016 | 09:00 Uhr

„Wenn Du nicht kommst, wer kommt dann?“ Unter diesem Motto stand die Auftaktveranstaltung einer das ganze Jahr andauernden Kampagne zur Mitgliederwerbung der vier Freiwilligen Feuerwehren von Amrum. Die ist dringend nötig, denn nur rund 100 der etwa 2200 dauerhaft auf der Insel lebenden Amrumer sind Mitglieder der Wehren. Rund 150 waren es noch zu Beginn der 1990-er Jahre; ein Aderlass, den die Freiwilligen Feuerwehren mit vielen Vereinen und anderen ehrenamtlichen Organisationen teilen.

24 Jugendliche sind aktuell dabei, deren Zahl sich seit dem vergangenen Jahr verdoppelt hat. Doch die werden der Wehr künftig längst nicht alle angehören; viele werden die Insel vielmehr für ein Studium oder eine Ausbildung verlassen. Weshalb sich die Kampagne auch vorrangig an die Erwachsenen richtet, sagt Peter Lückel, selbst Feuerwehrmann und Mitglied der Sondereinheit „Psychosoziale Unterstützung“ des Kreisfeuerwehrverbandes Nordfriesland und für die Öffentlichkeitsarbeit der Kampagne zuständig. Denn die Entwicklung könnte eine Pflichtwehr zur Folge haben. In diesem Fall würde der Kreis Nordfriesland Insulaner zwangsverpflichten; eine Maßnahme, die der Motivation kaum dienen dürfte und die es aus Sicht der Wehren unbedingt zu vermeiden gilt.

Folglich haben sich alle zusammengetan, um den Auftakttag zu einem großen Motivationstag zu gestalten. „Die Insellage macht unsere Wehren zu etwas Besonderem, wir stehen alle füreinander ein, jedoch sind wir auch auf uns allein gestellt, denn wir haben nur uns“, erklärte Claudia Motzke, Ortswehrführerin in Süddorf/Steenodde und stellvertretende Gemeindewehrführerin von Nebel. Zwar könne per Luft oder Wasser Unterstützung kommen, jedoch mit einem Zeitverlust, der im Notfall nicht tragbar wäre. Motzke ist eine der Initiatoren der Kampagne und als vierfache Mutter, die berufstätig ist und ganz nebenbei noch eine Ausbildung zur Rettungssanitäterin erfolgreich abgeschlossen hat, ein gutes Beispiel dafür, dass ein Argument wie Zeitmangel keines ist.

Dies unterstrich auch Nebels Bürgermeister Bernd Dell-Missier in seiner Begrüßungsrede, der den Kameradinnen und Kameraden für deren ehrenamtlichen und engagierten Einsatz dankte. Immer und jederzeit und weit über den Brandfall hinaus sei die Feuerwehr im Einsatz; ob es die Ölspur auf der Straße sei, bei Unfällen, Stürmen oder der Personensuche. „Was nützt mir das schönste Feuerwehrauto, wenn keiner an der Spritze steht?“. Mit diesem Zitat eines Feuerwehrmannes betonte der Bürgermeister nochmals die Wichtigkeit der Aktion. „Es reicht nicht mehr, sich auf andere zu verlassen, es ist an der Zeit, selbst aktiv zu werden.“

Amtsdirektorin Renate Gehrmann, Amtsvorsteherin Heidi Braun, Amtwehrführer Joachim Christiansen und Vertreter der Feuerwehren von Föhr und dem Festland waren ebenso angereist, wie Landrat Dieter Harrsen. Auch er unterstrich die Notwendigkeit der Inselfeuerwehren: „Schon in der Jugendfeuerwehr wird der Grundstein gelegt, wird die Persönlichkeitsentwicklung gefördert, werden Verantwortung und Teamgeist geschult“, wünschte Harrsen eine erfolgreiche Aktion. Zu deren Beginn 2200 Luftballons, die für die Einwohnerzahl von Amrum standen, in den Himmel stiegen. Nur 100 waren rot, die die Brandschützer auf der Insel symbolisierten. Ein beeindruckendes Bild, das die Situation anschaulich verdeutlichte.

Mathias Hölck war gemeinsam mit Peter Lückel der Mann am Mikrofon und leitete nicht nur durch das Programm, sondern lud auch einige Gäste auf sein „rotes Sofa“ ein. Zu ihnen gehörte neben Orts- und Gemeindewehrwehrführern, gestandenen- und Nachwuchsbrandschützern und Inselärzten auch Nebels Bürgermeister Bernd Dell-Missier. Dieser stellte noch einmal heraus, dass jeder Insulaner ein Stück Amrum sei und sich dessen bewusst sein müsse. Auch sei die Feuerwehr ein tolles Instrument, um sich auf der Insel zu integrieren, das auch Zugezogenen die Möglichkeit böte, Anschluss zu finden. Interessante Themen rund um die Feuerwehr erfuhren die Zuschauer, und auch ein paar persönliche Dinge aus dem Leben der Kameraden entlockte Hölck seinen Interview-Partnern.

Auch darüber hinaus war das Programm vielfältig. So demonstrierte der Sicherheitsbeauftragte Tobias Schmidt gemeinsam mit Sven Tietze das korrekte Anlegen und Tragen einer Atemschutzkleidung. Und natürlich gab es rund um das Mühlenstadion viele Aktionen, die zum Mitmachen und Zuschauen einluden: Die Demonstration eines Fettbrandes etwa oder einen Atemschutzparcours, Kisten konnten gestapelt, mit dem Feuerwehrauto gefahren oder Schutzkleidung anprobiert werden und auch die Sandsackfüllmaschine war gut frequentiert. Eine der Hauptattraktionen war das Zerschneiden eines Autos und die Befreiung einer Person. Mit großen Augen verfolgten Groß und Klein das Zerlegen des Wagen, moderiert und erklärt von Peter Lückel und Gemeindewehrführer Dietmar Hansen.

Ein ereignisreicher und überaus gut besuchter Nachmittag, der mit einer Tombola endete. Nanning Tadsen gewann mit einem Tablet den Hauptpreis, Bruder Broder Tadsen war der Schnellste im Atemschutzparcour und gehörte somit ebenfalls zu den Gewinnern. Den größten Preis in Form von Dank aber hätten sich die tatkräftigen Helfer verdient, die dieses Fest erst möglich gemacht haben, betonten die Gemeindewehrführer. „Ich bin ganz sicher, dass wir mit dieser Kampagne aus der Gefahrensituation herauskommen“, zog auch Peter Lückel ein positives Fazit. Immerhin habe es am Ende des Tages zwei Anmeldungen und eine halbe Zusage gegeben. Diese Zahl weiter steigen zu lassen, wird es über das Jahr noch viele Bemühungen geben. Gesonderte Flyer werden ebenso folgen wie Plakataktionen. Finaler Höhepunkt schließlich werden Hausbesuche der Bürgermeister und Wehrführer sein. Eine aktive Mitgliederwerbung, die auf das Problem aufmerksam machen und helfen soll, langfristig Brandschützer zu akquirieren. Denn sonst wird es weiterhin heißen: Wenn Du nicht kommst, wer dann?

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen