Vor Föhr: Gefahr auf See : Ambient News: Endlich am Haken

Höhe Neeshörn vor Föhr – glücklicherweise abseits des Fahrwassers – wurde der Ponton gesichtet.
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Höhe Neeshörn vor Föhr – glücklicherweise abseits des Fahrwassers – wurde der Ponton gesichtet.

Dichter Nebel, Sicht unter 50 Metern: Wie die Bergung des zig Tonnen schweren Pontons abgelaufen ist.

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22. März 2018, 11:30 Uhr

Dichter Nebel liegt über dem Wattenmeer. Die Sicht liegt unter 50 Metern. Im Hafen von Wyk bereiten sich Montagmorgen die Mitarbeiter der Arge Hecker Bau und Colcrete-von Essen auf den Tag vor. Gegen 7.30 Uhr bemerken sie, dass an der Mole neben dem Sportboothafen ihr Ponton fehlt, den sie als beweglichen Lagerplatz nutzen (wir berichteten). Der Ponton ist 30 mal 14 Meter groß, auf ihm lagern 50 Tonnen schwere Spundwände, mit denen die Firmen die Kaimauer im Hafen erneuern.

Der Produktionsleiterin Annett Bode ist sofort klar, dass der Ponton jetzt führerlos im Wattenmeer treibt. Sie schlägt daher bei der Wasserschutzpolizei Alarm, die von einer „massiven Gefährdung“ der Schifffahrt ausgeht und informiert die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung. Von dort werden alle Seefahrer in dem Revier vor dem gefährlichen Hindernis gewarnt. Die Kapitäne schauen noch konzentrierter in den Dunst vor ihnen und auf das Radar. Solche Pontons zeigen auf der glatten See nur schwache Echos, erzählt der Wyker Frachtschiffkapitän Jan Christiansen.

10.15 Uhr: Der Besatzung des Amrumer Rettungskreuzers Ernst Meier-Hedde der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) fällt während eines Krankentransports von der Hallig Hooge nach Dagebüll auf dem Bildschirm etwas Verdächtiges auf. Nach der Übergabe des Patienten am Festland kehrt das Schiff zu der Position zurück und setzt das Tochterboot Lotte mit einem Team aus. Der Kreuzer kann nicht vor Ort bleiben, denn er muss die Mitarbeiter des Rettungsdienstes zurück nach Amrum fahren.

11.15 Uhr: Die Besatzung des Tochterbootes sichtet den Ponton Höhe Neeshörn vor Föhr – glücklicherweise abseits des Fahrwassers – und kann eine Viertelstunde später eine Leinenverbindung herstellen. Damit ist die Gefahr soweit gebannt. Die anderen Kapitäne erfahren es durch den Funk.

Jan Christiansen transportiert zu der Zeit mit seinem Frachtschiff Catjan Sand zur Baustelle am Hafen. Beladen kommt das Schiff für das Abschleppen nicht in Frage. Der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz setzt seinen Schlepper Oland in Husum in Marsch, um das Hindernis endgültig aus der Nordsee zu bergen. Als aber die Catjan entladen ist, bietet Jan Christiansen seine Hilfe an. Zwei Seemeilen – dann hat er den Fundort erreicht. Die Oland dreht ab. Er und sein Neffe Broder Kruse vertäuen den Ponton an Steuerbord und bringen ihn wieder zurück an seinen ursprünglichen Platz.

Quer durch die Kommandobrücken der Schiffe ist der Ärger bei den Kapitänen groß. Sven Witzke von der DGzRS, Vormann der Ernst Meier-Hedde, weist auf die „ganz große Gefahr“ hin, die der zig Tonnen schwere Ponton gebildet habe. Nachts, bei Nebel und auf dem Radar nur schwer zu erkennen – problematischer hätten die Bedingungen kaum sein können.

Auch Axel Meynköhn, Geschäftsführer der Wyker Dampfschiffs-Reederei, ist sauer. „Das ist keine triviale Geschichte, unsere Besatzungen und Passagiere waren sehr gefährdet.“ Er erinnert sich, dass vor vielen Jahren sogar die WDR-Fähren losgebunden worden seien – „ein Unding.“

Annett Bode kann es nicht fassen, dass der Ponton damit ein zweites Mal von Unbekannten losgemacht worden ist. Gleich nach der Biike war es. Da ist er nicht weit abgetrieben und konnte gleich wieder eingefangen werden. Sie betont, der Ponton sei stets mit vier Leinen an Pollern befestigt gewesen. Sie und Lenard Steinke, ihr Kollege in der Bauleitung, wundern sich, dass die Täter offenbar den holprigen Weg vom Restaurant Klein Helgoland über den Deich genommen haben müssen, um an die Leinen heranzukommen.

Die Wasserschutzpolizei ist sich ganz sicher, dass sich die Leinen nicht allein gelöst haben können, sondern von Hand abgenommen wurden. Das bestätigt Christian Kartheus, Sprecher der Polizeidirektion Flensburg gegenüber unserer Zeitung. Unklar ist, wie lange das Hindernis im Watt herumgetrieben ist. Die Polizei sucht jedenfalls für die Zeit von Freitagnachmittag bis Montagmorgen Zeugen, die in dem Gebiet Verdächtiges beobachtet haben.

Hinweise an die Wasserschutzpolizei Husum, Telefon 04841/830660 oder an die Polizei auf Föhr.

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