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Tief „Barbara“ : Am Weihnachtsabend gestrandet

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Wegen des Sturms erreichten nicht alle Fährpassagiere ihr Ziel. Für Amrumer gab es ein improvisiertes Nachtlager im Wyker Hafen.

von
erstellt am 28.Dez.2016 | 13:00 Uhr

Die gute Nachricht vorweg: Der Mitarbeiter der Wyker Dampfschiffs-Reederei (WDR), der am Montag bei einem Anlegemanöver in Wyk ins Wasser gefallen und kurzzeitig zwischen Fähre und Dalben geraten war (wir berichteten), ist zwar schwer, aber nicht lebensgefährlich verletzt. Das gab WDR-Geschäftsführer Axel Meynköhn gestern bekannt. Die Tochter des Verunglückten wurde noch konkreter: „Meinem Vater geht es den Umständen entsprechend gut. Knochenbrüche, Unterkühlung und Kratzer, aber keine inneren Verletzungen. Glück im Unglück, auch durch schnelle Reaktion der Beteiligten, danke dafür“, hatte sie auf der Facebook-Seite des Insel-Boten (www.facebook.com/inselbote) gepostet.

Der unglückliche Sturz des Mitarbeiters, so berichtete Axel Meynköhn weiter, habe bei der Reederei bereits zu Konsequenzen geführt: „Wir haben die Leute ermahnt, ihre Rettungswesten auch wirklich anzuziehen“.

Nicht nur der Unglücksfall beschäftigte den Reederei-Chef und seine Mitarbeiter gestern, sondern auch die Nachwirkungen des Sturms. Denn auch, wenn es auf der Homepage der Reederei noch lange hieß: „Alle Fähren fahren planmäßig“, hatte Orkantief „Barbara“ am Sonntag den Fährfahrplan durcheinander gewirbelt, eine ganze Reihe von Passagieren kamen am Abend nicht mehr an ihr Ziel.

Da waren die Menschen, die um 18.40 Uhr von Dagebüll nach Amrum wollten. Als zu dieser Zeit klar wurde, dass die Fähre wegen des hohen Wasserstandes in Wittdün nicht mehr unter den Anleger passen würde, wurde den Passagieren angeboten, bis Wyk mitzufahren und dort die Nacht an Bord zu verbringen. „Davon haben 40 Leute Gebrauch gemacht“, berichtet Meynköhn. Sie wurden mit Decken versorgt, die in solchen Fällen ein Schullandheim der Reederei zur Verfügung stellt.

Die 20-Uhr-Abfahrten nach Föhr und Amrum fielen ganz aus, wobei vor allem die Tatsache, dass die WDR dies nicht frühzeitig auf ihrer Homepage kommuniziert hatte, für Ärger sorgte. „Wir sind alles, aber keine Wetterfrösche“, sagte Axel Meynköhn dazu. Die Reederei sei zunächst von den vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) vorhergesagten Wasserständen ausgegangen, bei denen problemlos auch die letzten Fähren noch hätten ab- und anlegen können. Doch dann sah die Realität in den Häfen anders aus. Die Prognose des BSH sei um 18.45 Uhr um 1,30 Meter überschritten worden, berichtet Meynköhn, womit klar geworden sei, dass Passagiere der 20-Uhr-Fähren auf den Inseln nicht mehr hätten aussteigen können. Um 19 Uhr sei deshalb entschieden worden, den Fährverkehr einzustellen, zehn Minuten später habe dies im Netz gestanden.

Zum Zeitpunkt der Absage waren die Hotels in der näheren Umgebung schon mit ebenfalls gestrandeten Passagieren des Sylt-Shuttle belegt, dennoch, so Meynköhn weiter, habe die WDR genügend Übernachtungsmöglichkeiten organisieren können. „Wir haben in zwei Hotels in Flensburg jeweils 45 Zimmer bereitgestellt“, so der WDR-Chef.

Trotzdem berichteten Insulaner, die nicht mehr nach Hause kamen, dass sie zunächst an diesem Weihnachtsabend in Niebüll „von Herberge zu Herberge“ zogen, bis sie endlich bei Bekannten unterkamen.

Nachdem auch das Hochwasser in der Nacht zu Dienstag anstatt der vom BSH vorhergesagten 1,50 Meter um rund zwei Meter höher als normal aufgelaufen war, normalisierten sich gestern Wetter und Fährverkehr wieder.

Nachwirkungen wird der Sturm noch auf Amrum haben, wo es erneut große Sandverluste gab. Der Strandbohlenweg in Nebel wurde weit am Strand verteilt. Und an der Amrumer Westküste holte fast jede Welle Stück für Stück den erst in diesem Jahr erneuerten Sandpuffer vor dem Landschulheim Ban Horn zurück ins Wasser.

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