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Interview : „Am Ende sucht jeder seinen Weg“

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Die frühere Nieblumer Pastorin Antje-Iser Asmussen arbeitet nicht nur in den Gemeinden Dagebüll und Fahretoft. Gestern wurde sie auch als Niebüller Krankenhaus-Seelsorgerin eingeführt.

Bereits seit dem 1. September ist die Pastorin Antje Iser-Asmussen als Seelsorgerin im Krankenhaus Niebüll Ansprechpartnerin für Kranke, Angehörige und auch das Personal. Gestern wurde die 56-Jährige in den Räumen der Tagesklinik von Propst Dr. Kay-Ulrich Bronk während eines Gottesdienstes offiziell in ihr weiteres Amt eingeführt. Im Interview spricht die Pastorin, die – gemeinsam mit ihrem Mann, Pastor Holger Asmussen – viele Jahre am Nieblumer Friesendom wirkte und jetzt in den Kirchengemeinden Dagebüll und Fahretoft tätig ist, über ihre Freude an der neuen Aufgabe.

Gab es für Sie in den vergangenen acht Jahren, in denen Sie bereits in Dagebüll und Fahretoft tätig waren, schon Berührungspunkte mit dem Thema Krankenhausseelsorge?

Iser-Asmussen:Ich habe als Referentin im Breklumer Christian Jensen Kolleg Ethik-Seminare mitgestaltet – im November mache ich das jetzt zum vierten Mal. Dabei geht es um das Thema „im Leben dem Sterben begegnen“. Die Teilnehmer, die sich noch in der Kranken-, Gesundheits- und Altenpflegeausbildung befinden, setzen sich dabei eine Woche intensiv mit Tod und dem Sterben auseinander. Diese Arbeit, bei der ich oft ehemalige Konfirmanden wiedergetroffen habe, hat mir immer sehr viel Spaß bereitet.

Wie kam dann der Kontakt zum Klinikum in Niebüll zustande?

Die Idee kam von Propst Dr. Kay-Ulrich Bronk. Er hat sich für eine Seelsorgestelle im Klinikum Niebüll stark gemacht. Dieses Vorhaben stieß bei Chefarzt Dr. Hans-Ralph Burow und dem Förderverein des Krankenhauses auf positives Echo.

 

Wie bereiten Sie sich persönlich auf die Themen, Krankheit, Tod und Trauerbegleitung vor, die Sie im Klinikum sicher erwarten?

Neben einer pastoral-psychologischen Ausbildung, habe ich auch eine Klinik-Seelsorge-Ausbildung, die mir da einiges Fachwissen an die Hand gibt, um den Menschen zu helfen. Und ich habe ja auch als Gemeindepastorin mit vielen Menschen in Not- und Trauersituationen gesprochen und gerade bei Trauerfeiern Tröstliches aus dem Glauben zu formulieren versucht. Biblische Texte sind mir selber dabei ein Halt.

 

Wie sieht diese Hilfe im Krankenhausalltag konkret aus?

Ich werde natürlich angesprochen und gehe selbstverständlich auch auf Angehörige und Kranke zu. Dabei ist es wichtig zu sagen, dass es sich hier nicht nur um Menschen handelt, die dem Tod entgegengehen. Das ist natürlich ein Schwerpunkt der Arbeit. Es geht aber sehr oft auch um diejenigen, die sich in einer Notsituation befinden. Diese Menschen melden ihren Gesprächswunsch dann beim Personal an. Aber natürlich gehe ich auch über die Station und versuche herauszufinden, wo ich helfen kann. Das ist also ein wechselseitiger Prozess.

 

Für die meisten Menschen ist es sicher ein Schock, wenn Krankheit ihre Lebensplanung zerstört. Was raten Sie in solchen Situationen?

Natürlich versuche ich herauszufinden, welche Hilfe konkret gewünscht wird. Manchmal reicht es schon einfach da zu sein.

 

Das heißt, es gibt keine Strategie, die für alle Betroffenen gleichsam hilft?

Nein – die gibt es wohl nicht. Genauso verschieden wie die Menschen, sind auch die Reaktionen der Menschen auf eine schwere Nachricht. Manche sind zum Beispiel erst einmal so geschockt, dass sie gar nicht reden wollen. Am Ende sucht jeder seinen eigenen Weg, um mit der neuen Situation umzugehen. Bei dieser Suche bin ich dann sehr gerne behilflich.

 

Wie kann man mit Sprachlosigkeit in schwerer Zeit umgehen?

Schwere Nachrichten bleiben schwer – da muss man das Schweigen auch mal miteinander aushalten können.

 

Sie sind bereits seit dem 1. September jeden Dienstag im Klinikum im Einsatz. Wie war Ihr Start?

Die Belegschaft hat mich toll aufgenommen. Dafür bin ich dankbar. Ich freue mich auf die Arbeit mit den Menschen.


 


 

 

 

 

 

 

 

 

 

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erstellt am 09.Nov.2014 | 15:42 Uhr

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