200 Jahre Seebad Wyk : Als die Insel preußisch wurde

Im Haus des Bäckermeisters Wilhelm Schröder am Sandwall (drittes Haus von rechts) mit dem noch lange unbebauten Gartengrundstück zum Wasser hin logiert der deutsche Kronprinz Friedrich III. im Sommer 1865 mit seiner Familie.
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Im Haus des Bäckermeisters Wilhelm Schröder am Sandwall (drittes Haus von rechts) mit dem noch lange unbebauten Gartengrundstück zum Wasser hin logiert der deutsche Kronprinz Friedrich III. im Sommer 1865 mit seiner Familie.

Wyk bleibt Sommerresidenz. Nun verbringt der deutsche Kronprinz seine Ferien auf Föhr.

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11. Juni 2019, 17:58 Uhr

Der Danebrog, das dänische Hoheitszeichen, weht 1867 nicht mehr über Wyk. Die Gäste des nun schon seit fast fünfzig Jahren bestehenden Seebads fahren zur Sommerfrische nicht mehr nach Dänemark, sondern in die preußische Provinz Schleswig-Holstein. Auf die „Königszeit“  von 1842 bis 1847 folgt nun die „Kronprinzenzeit“. Schon 1865 und 1866 als preußischer Kronprinz, dann nach der Gründung des Deutschen Reiches (1871) zwei Jahre später als deutscher Kronprinz weilt Friedrich III., der 99-Tage-Kaiser, mit seiner Familie im Sommer in Wyk.

Hoffnung auf ein eigenständiges Schleswig-Holstein

1864 hat sich der  Nordfriesentraum „Los von Dänemark“ verwirklicht, die preußisch-österreichischen Truppen werden freudig begrüßt. An Bismarcks Militäraktion nimmt auch ein junger Mediziner und großer Verehrer des preußischen Königshauses teil: August Gerber. 1872 lässt er sich als Badearzt in Wyk nieder. Nur kurze Zeit weht die  blau-weiß-rote Flagge in Wyk in der Hoffnung auf ein eigenständiges Herzogtum Schleswig-Holstein. Eine Zeitzeugin: Es „sind überall die Schleswig-Holsteinschen Farben vertilgt und die schwarz-weiße Leichenfarbe Preußens dafür da, an allen öffentlichen Gebäuden der preußische Raubvogel“. Fast einhellig lehnen die Nordfriesen eine preußische Provinz ab. Sie hoffen auf den „Augustenburger“, auf Herzog Friedrich VIII. von Schleswig-Holstein, der sich für ein eigenständiges, von Dänemark losgelöstes Schleswig-Holstein einsetzt und für sich die Position eines regierenden Herzogs beansprucht. Aber aus dem deutsch-dänischen und anschließenden preußisch-österreichischen Krieg geht Bismarck als Sieger hervor. Ein selbstständiges Schleswig-Holstein will er ganz gewiss nicht. Eine Zeitzeugin: „Hie und da sieht man noch eine Büste des Herzogs vergessen im Winkel stehen; mir ist es unsäglich betrübt – all diese Begeisterung vergeblich wie ein Strohfeuer!“ Und manche meinen, nun sei mit den Preußen nur der Feind ein anderer geworden. Und: Die Stimmung ist gedrückt wegen der übermäßigen Steuern. „Was Dänemark in 400 Jahren nicht vermocht hat, das hat Bismarck in einem Jahr erreicht, nämlich die Holsten dänisch zu machen“. Die Preußen müssen sich in acht nehmen. In der Sagenwelt geht es den Herrschern schlecht, die das schlimmste aller politischen Übel begehen, nämlich die Nordfriesen nicht in Ruhe zu lassen.

Wyk ist durch das Badeleben jeder Eigenthümlichkeit beraubt. ein Gast des Sommers 1868
 

Die Zeiten ändern sich merklich. Die seit 1735 vom Militärdienst in Friedenszeiten befreiten Inselfriesen unterliegen jetzt der Militärpflicht. Und so wird mancher Badegast in den nun kommenden Jahren hören, dass der Sohn seiner Quartiersleute ausgewandert ist. Andererseits investieren die neuen Landesherren in den Küsten- und Dünenschutz. Die Verwaltung wird reformiert und effizienter. Landkreise wie Tondern entstehen. Und nun fahren auch regelmäßig Post-Dampfschiffe nach Föhr, was manchen Gast vielleicht zusätzlich ermuntert, das kleine Seebad Wyk zu besuchen. Ein Gast des Sommers 1868 berichtet: „ Mit der Bahn reisten wir bis Husum, dann mit dem Dampfboot weiter nach Föhr“. Wyk allerdings ist nicht so sehr nach seinem Geschmack: Es „bietet das Wenigste, es ist durch das Badeleben jeder Eigenthümlichkeit beraubt. Dagegen sind die in der Umgebung liegenden Dorfschaften wie Nieblum, Boldixum, Wrixum, Oevenum voll des national Eigenartigen.“

 Der Walzer „Nordseebilder“ entsteht in Wyk

Vier Jahre zuvor, im August 1864, schickt das Wyker Fleckenkollegium Kaiser Franz-Joseph ein Glückwunschtelegramm: „Das befreite Föhr sendet ... Sr. Majestät dem Kaiser von Österreich seinen herzlichen Glückwunsch und tiefstgefühlten Dank.“ Für kurze Zeit ist er zusammen mit dem preußischen König Landesherr von Wyk. Ende der 1870-er Jahre kommt sein berühmtester Konzertmeister, Johann Strauß, in das Seebad und schreibt hier seinen Walzer „Nordseebilder“.

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