Von Föhr nach Afrika : Als der Schlagstock verbannt wurde

Die angehende Sonderpädagogin hat am Aufbau eines gewaltfreien Kindergartens mitgewirkt
Die angehende Sonderpädagogin hat am Aufbau eines gewaltfreien Kindergartens mitgewirkt

Die Wyker Studentin Svenja Popp hat sieben Monate für ein kirchliches Projekt in Uganda gearbeitet. Dort bekam sie Einblicke in eine völlig fremden Welt

shz.de von
26. Mai 2018, 17:00 Uhr

„Mich hat Uganda sensibilisiert“, erzählt Svenja Popp, eine junge Föhrerin, die inzwischen Sonderpädagogik studiert, zuvor aber sieben Monate in Kooki-Haibaale im Westen Ugandas gelebt hat. „Ich bin viel dankbarer“, fährt sie fort, „allein, dass ich an eine Universität gehen darf und immer von meinen Eltern unterstützt werde.“

Mehr oder weniger zufällig entstand der Kontakt zu dem in Münster arbeitenden Priester Dr. Rogers Biriija Mbabaali, der Chef eines ugandischen Schulprojektes ist und dies mit seinem vor Ort lebenden Kollegen, Robert Ssegujja, koordiniert. „Tohifu“ ist der Name des Projektes, was für „Together – Hilfe für Uganda“ steht.
Die Studentin unterrichtete dort in der Secondary School Englisch-Methodik und brachte den Schülern auch die deutsche Sprache und Lebensweise näher. Eine einheitliche (englische) Sprache würde das Miteinander sehr erleichtern, so Popp, die unterschiedlichen Religionen (katholisch, protestantisch, muslimisch) seien hingegen kein Problem. Kinder und Jugendliche von der achten bis zur 13. Klasse gingen jeweils drei Monate auf ein Internat mit vier Wochen Ferien dazwischen. „Die Schüler lernen sehr gern“, sagt Popp und lacht, „denn die Alternative ist Feldarbeit.“

Mit großer Dankbarkeit berichtet die junge Föhrerin von ihrem Aufenthalt bei Ssegujja, der ihr viel Freiraum zum Gestalten ließ und bei dem sie auch wohnte und verpflegt wurde. Obwohl der Priester immerhin schon in einem Steinhaus lebt – die Dorfbewohner wohnen in Lehmhütten mit Strohdach – gab es für die junge Deutsche überhaupt keinen Luxus: Mais, Bohnen, Maniok, Kochbananen und Reis standen auf dem Speiseplan, der wenig Variation bot. 70 Prozent der Landbevölkerung lebe von der Landwirtschaft, so Popp, viele besäßen ein kleines Stück Land für den Eigenbedarf. Eine Hungersnot herrsche also nicht, aber die Menschen seien sehr abhängig vom Wetter. Das Land am Äquator kenne zwei Jahreszeiten, Regenzeit und Trockenzeit. Und die Regenzeit könne sehr heftig ausfallen und Ernteausfälle bescheren, die katastrophale Infrastruktur mache einen Verkauf von Waren ebenfalls sehr schwierig.

„Die Menschen sind arm dort“, sagt Popp, die festgestellt hat, dass Uganda und Deutschland kaum unterschiedlicher sein könnten. Besonders die flächendeckende finanzielle Armut mache das Leben in Uganda schwer. Nicht verputzte Räume, einfache Latrinen, nur kaltes Wasser, das von einer Wasserstelle in einer Meile Entfernung aus dem Busch geholt werden muss und ein fehlendes Gesundheitssystem sind Alltag in dem afrikanischen Land.

Das größte Projekt, das die Studentin auf den Weg gebracht hat und immer noch begleitet, ist der Bau eines gewaltfreien Kindergartens, in dem der Schlagstock nicht mehr eingesetzt werden darf. Zusammen mit Priester Ssegujja gestaltete Popp eine leerstehende Kirche zu einem Kindergarten um, fand Erzieherinnen, erbaute Räume und ließ Schulbänke anfertigen. Dankbar zeigte sich Popp für eine großzügige Spende des Föhrer Lions-Clubs und eine Spendenaktion von Annamaria Aulbach in der katholischen Pfarrgemeinde in Wyk. Schreibhefte, Spielsachen, Schaukeln und eine Rutsche konnten angeschafft werden und fanden sofort freudige Anhänger.

Während eines zweiten Aufenthaltes kümmerte sich Popp darum, dass ein 5000 Liter fassender Wassertank gekauft und aufgebaut werden konnte zum Auffangen von Regenwasser, das immerhin noch hygienischer ist als die „Pfütze“ im Busch. Typhus – Popp musste diese Erkrankung selbst durchmachen – sowie Malaria und Aids sind allgegenwärtig. „Das Problem ist, dass die Menschen nicht zum Arzt gehen“, sagt die Studentin, „Krankheiten werden somit zu spät behandelt.“

Sehr beeindruckt zeigte sie sich aber von der unbändigen Lebensfreude, den immer noch gelebten Traditionen und der Herzlichkeit der Ugander: „Ich habe einer Freundin mal eine Tafel Schokolade geschenkt. Die würde sie nie alleine essen.“

Insofern wird Uganda für Svenja Popp keine „Eintagsfliege“ bleiben, denn weitere Aufenthalte sind geplant. Hierbei möchte sie sich dafür einsetzten, dass die Lebensbedingungen weiter verbessert werden und träumt von einer Solaranlage für den Kindergarten, damit die Jüngsten unter besseren Bedingungen lernen können. Darum ist sie weiterhin dankbar für Spenden, die, so betont sie, auch sicher dort ankommen, wo sie ankommen sollen. Svenja Popp hat dafür auf Föhr ein Spendenkonto eingerichtet, ein weiteres Konto gibt es bei der Gemeinde des ugandischen Pfarrers, die auch Spendenbescheinigungen ausstellen kann. In jedem Fall wird Popp im Namen der 133 Kinder „Webaale muno“ (vielen Dank) sagen.


Konto der Katholischen Kirchengemeinde St. Johannes Baptist: IBAN DE09 4006 1238 7850 4436 52

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