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Serie: Wyker Geburtshilfe : Alles kam anders als geplant

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

Vier Wochen, bevor Lotta geboren werden sollte, wurde der Föhrer Kreißsaal geschlossen. Als dann auch noch vorzeitig die Wehen einsetzten, erlebte ihre Mutter Antje Roeloffs in Flensburg dramatische Stunden.

Als Antje Roeloffs vor drei Jahren in Wyk ihren Sohn Tewe zur Welt brachte, gab es Komplikationen, der Junge musste per Kaiserschnitt geholt werden. Trotzdem war sie entspannt, als sie im Februar 2015 wieder schwanger wurde. „Bei den Föhrer Gynäkologen und bei meiner Hebamme Kirsten Rickmers fühlte ich mich sicher und bestens aufgehoben“, berichtet die 27-jährige Midlumerin, dass sie bei Lotta auf jeden Fall eine natürliche Geburt probieren wollte. Doch dann kam alles ganz anders – so anders, dass Antje Roeloffs noch heute unter den Folgen leidet.

Aber der Reihe nach: Genau einen Monat vor dem errechneten Geburtstermin wurde der Wyker Kreißsaal geschlossen, die junge Föhrerin musste sich nach einer anderen Klinik umsehen. Roeloffs ging mit der neuen Situation pragmatisch um. „Ich bin dann gleich mit meiner Schwester nach Flensburg gefahren und habe mir die Diako angeguckt“, berichtet sie. Dort seien alle sehr nett gewesen, alles hätte einen guten Eindruck gemacht. Trotzdem sei ihr gleich klar gewesen, dass sie sich in der fremden Umgebung, mit fremden Geburtshelfern, doch mit einem Kaiserschnitt sicherer fühlen würde, zumal sie auch den kleinen Tewe nicht allein lassen konnte, um 14 Tage vor dem Geburtstermin ins Boarding-Haus zu ziehen. „Wenn ich so lange weg gewesen wäre, hätte der einen Schaden gekriegt“, ist sie überzeugt. Also wurde für Ende Oktober ein Kaiserschnitt-Termin vereinbart.

Doch schon wieder kam alles anders als geplant. Am 8. Oktober bekam Antje Roeloffs








Wehen. „Senkwehen“, dachte sie noch, als sie morgens zu einer Routineuntersuchung ins Wyker Krankenhaus gefahren war. Doch als die Wehen dann am Nachmittag alle fünf bis acht Minuten kamen, wurde es ihr unheimlich. Sie brachte Tewe zu ihrer Schwägerin, versprach dem Kleinen, gleich wieder da zu sein, und fuhr in die Wyker Klinik, wo
Kirsten Rickmers entschied, dass die Schwangere gleich aufs Festland müsse. Der Hubschrauber konnte wegen Nebels nicht fliegen, also wurde sie mit dem Rettungswagen nach Flensburg gebracht. „Als ich dort im Zimmer lag, habe ich erst mal nur geweint. Ich hatte Tewe doch gesagt, dass ich gleich wieder komme.“

Lange blieb die Föhrerin an diesem Abend nicht in der Klinik. „Es hieß, ich stünde noch nicht unter der Geburt“, berichtet sie. Das Boarding-Haus war voll, als Alternative bot man Antje Roeloffs und ihrem Ehemann Torge Arfsten, der inzwischen nach Flensburg geeilt war, ein Hotelzimmer an, das aber für die junge Familie viel zu teuer war. Schließlich landeten die beiden um 23 Uhr in einem günstigen Hotel – doch nur kurz. Denn schon eine Dreiviertelstunde später ging es Antje Roeloffs so schlecht, dass sie wieder in die Klinik fuhr. Inzwischen blutete sie auch. „Das kannte ich von Tewe nicht“. Irgendwann wurde die Blutung so stark, dass Roeloffs fürchtete, es könne sich um eine für Mutter und Kind gefährliche Plazentaablösung handeln. Eine Diagnose, die – nachdem die Hebammen zunächst abgewiegelt hätten – nach einiger Zeit auch ein Arzt bestätigte, der sofort einen Not-Kaiserschnitt anordnete. Alles sei dann nur noch hektisch gewesen, auf ihre besorgten Fragen habe niemand mehr geantwortet. „Als ich aufwachte, wurde mir ein Foto von Lotta gezeigt, mit einem Schlauch in der Nase, und es hieß, ich solle mir keine Sorgen machen, das Kind liege auf der Intensivstation“. Die Kleine hatte Startschwierigkeiten, atmete nicht richtig.

Bis heute sei Lotta anfällig für Krankheiten, berichtet ihre Mutter, ist ansonsten aber eine quietschvergnügte, selbstbewusste Einjährige. Antje Roeloffs dagegen hat sich noch immer nicht richtig von dieser Entbindung erholt. „Ich bin seither ständig beim Arzt“, berichtet sie. Und dass sie dünnhäutig geworden sei, sich viel mehr Sorgen, vor allem auch um die Kinder mache. Nach Tewes Kaiserschnitt-Geburt sei sie so viel entspannter gewesen, „diese Zeit habe ich genossen, und Kirsten war immer für mich da und hatte auf jede Frage eine Antwort“. Antje Roeloffs ist davon überzeugt, dass auch Lottas Geburt viel weniger dramatisch verlaufen wäre, wenn sie ihre Tochter in Wyk hätte bekommen können, „einfach, weil ich hier den psychischen Stress nicht gehabt hätte“.

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erstellt am 04.Feb.2017 | 10:30 Uhr

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