zusammengerauft : Alle sitzen wieder in einem Boot

Eine Insel, ein Konzept, eine FTG: All dies sollen die Urlauber auch künftig auf Föhr vorfinden.
Eine Insel, ein Konzept, eine FTG: All dies sollen die Urlauber auch künftig auf Föhr vorfinden.

Die Kuh ist vom Eis: Einstimmig votierten Wyks Stadtvertreter auf ihrer jüngsten Sitzung für die Weiterführung einer gesamtinsularen Tourismus-Organisation. Vorausgegangen war ein finales Gespräch zwischen der Stadt und den elf Gemeinden.

von
22. Juni 2014, 15:30 Uhr

Die Kuh ist vom Eis: Einstimmig votierten Wyks Stadtvertreter auf ihrer jüngsten Sitzung für die Weiterführung einer gesamtinsularen Tourismus-Organisation. Vorausgegangen war ein finales Gespräch zwischen der Stadt und den elf Gemeinden, in dem ein Kompromiss als Weichenstellung für die weitere Zusammenarbeit geschlossen worden war.

Der sieht vor, die Kosten für die künftige Föhr Tourismus GmbH um knapp 150 000 Euro zu senken. 100 000 Euro entfallen auf die Stadt, die künftig Kosten in Höhe von rund 680 000 Euro zu tragen hat, der Rest auf Föhr-Land, deren Gemeinden auf zirka 300 000 Euro kommen. Nach zwei Jahren, so die Vereinbarung, soll überprüft werden, ob das Budget ausreicht. Darüber hinaus einigte man sich auf einen jährlichen, turnusmäßigen Wechsel des Vorsitzenden des FTG-Aufsichtsrates, der in dem mit je drei Vertretern der Stadt und der Landgemeinden besetzten Gremium in einer Patt-Situation doppeltes Stimmrecht haben soll. Ausgeklammert wurde das strittige Thema der Finanzierung und räumlichen Verteilung der Tourist-Informationen – das Konzept sah Wyk, Nieblum und Utersum als Standorte vor. Die Klärung dieser Frage wurde auf die Zeit nach der Gründung des Zweckverbandes verschoben.

Auch wenn die Stadtvertreter den Kompromiss unterschiedlich bewerteten, allgemein herrschte Erleichterung darüber, dass der touristische Weg auf der Insel weiterhin gemeinsam beschritten wird. „Freude ist etwas anderes“ räumte etwa Ulrich Herr (CDU) ein, der sich mehr versprochen hatte. Als annehmbar bezeichnete dagegen Annemarie Linneweber (SPD) das Ergebnis der Gespräche. Immerhin seien die Forderungen der Stadt, weniger Geld zu zahlen und über mehr Mitbestimmung im Aufsichtsrat zu verfügen, nun erfüllt. Auch Fraktionssprecherin Claudia Andresen und Wyks Bürgermeister Paul Rafelhüschen (beide CDU) zeigten sich erleichtert, dass nun wieder inselweit an einem Strang gezogen wird. Raffelhüschen macht allerdings keinen Hehl daraus, dass er das ursprüngliche Konzept nach wie vor favorisiert. „Ich fürchte, dass die Einsparungen dem Ziel, mehr Gäste auf die Insel zu bekommen, entgegenstehen könnten.“ Annähernd deckungsgleich der Kommentar des FTG-Geschäftsführers Armin Korok: Der Kompromiss sorgt für Freude, die 150 000 Euro für Sorgenfalten. „Die FTG muss handlungfähig bleiben und ihre zusätzlichen Aufgaben erfüllen können.“


Die Einsparungen zu erreichen, darin sieht auch Till Müller, Fraktionssprecher der Grünen, das Problem. Bei dem ohnehin eng kalkulierten Gesamtbudget seien 150 000 Euro mehr als zehn Prozent. Müller befürchtet, „dass solche Einsparungen auf Kosten der Qualität des Marketings gehen“. Dennoch sei der Kompromiss absolut begrüßenswert. Seine Partei halte die neuen Strukturen für gut und begrüßt werde vor allem, dass die neue Ausrichtung der FTG den Fokus verstärkt auf den Anbietersercive, also die Unterstützung und Zusammenarbeit mit den Leistungsanbietern legen soll.

In der Tat sieht der Maßnahmenkatalog des Tourismuskonzeptes insbesondere eine Intensivierung des Verhältnisses zu den Vermietern und damit einhergehend eine höhere Schlagzahl in Sachen Beratung vor. Angesichts der Budget-Reduzierung ein Spagat, weshalb auch für Dr. Silke Ofterdinger-Daegel, Fraktionssprecherin der KG, der Teufel im Detail steckt. Allerdings: „Wir können gut mit dem Kompromiss leben und halten es für richtig, dass wir so entschieden haben.“

Dass man auf das Ergebnis nicht stolz sein könne, betonte dagegen Daegels Fraktionskollege Heinz Lorenzen. „Aus atmosphärischen, nicht aus inhaltlichen Gründen haben wir uns zusammengerauft und dem Kompromiss zugestimmt“, so Wyks ehemaliger Bürgermeister. Die Forderungen der Stadt seien nur zum Teil erfüllt worden und zu vieles bleibe vorerst ungeregelt. Wenig Verständnis zeigte Lorenzen für die Kritik der Leistungsanbieter an der bisherigen Ablehnung des Konzeptes. Gerade in deren Sinn habe die Stadt Geld einsparen wollen. Und die Leistungsanbieter seien es am Ende, „die das, was wir nicht einsparen konnten, über Steuern und Fremdenverkehrsabgabe als Zeche zu zahlen haben“.

Kein leichter Weg sei es bis zu dem nun erreichten Mittelweg gewesen, zeigte sich der SPD-Fraktionssprecher Peter Schaper versöhnlicher. Schaper ist nicht nur froh über den Kompromiss, er hält auch die geplanten Einsparungen für machbar. „Ich glaube, dass wir sogar noch mehr einsparen können“, es käme lediglich auf die Durchführung und die Artder Maßnahmen an. Ohnehin sei das Marketing in der Vergangenheit aufgebläht gewesen und eine Verschlankung des Etats müsse keinen Einschnitt in die Qualität bedeuten. „Wir sind jetzt schon drei Monate überfällig mit der Entscheidung und es wurde langsam Zeit, dass wir es schaffen, einen Kompromiss zu schließen“, mahnte Schaper zur Eile. Angesichts des engen Zeitfensters gelte es nun, mit verstärktem Tempo und gemeinsam die anstehenden Aufgaben anzugehen.

„Die Anfänge sind gemacht. Die Gründung des Zweckverbandes ist auf dem Weg“, berichtet Amtsvorsteherin Heidi Braun. „Die Wyker haben nichts verpasst, Entscheidungen sind noch nicht gefallen.“ Die Fäden in der Hand hält Amtsdirektorin Renate Gehrmann, designierte Geschäftsführerin des Zweckverbandes. Einen ersten Entwurf für eine Satzung gibt es bereits und weitere wichtige Entscheidungen wie der Abschluss der Verträge und die Suche nach einem neuen FTG-Geschäftsführer sollen zeitnah fallen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen