Museum "Kunst der Westküste" : Alkersum international etablieren

Erfolgreicher Museums-Chef:  Dr. Thorsten Sadowsky führt durch die Eröffnungsausstellung.  Foto: pk
Erfolgreicher Museums-Chef: Dr. Thorsten Sadowsky führt durch die Eröffnungsausstellung. Foto: pk

Museumschef Dr. Thorsten Sadowsky hat ehrgeizige Pläne. Zeitgenössische Kunst soll mit der Sammlung einen Dialog eingehen. Das Haus will sich gemeinsam mit dem Friesenmuseum international etablieren.

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26. November 2009, 10:15 Uhr

Alkersum | Als im Sommer bekannt wurde, dass Dr. Thorsten Sadowsky, der Gründungsdirektor des Alkersumer Musems "Kunst der Westküste", bereits wenige Monate nach der Eröffnung die Insel Richtung Ulm verlassen wollte, sorgte das bei vielen Insulanern für Verwunderung - umso größer war das Erstaunen, als es wenige Monate später hieß, dass Sadowsky dem Inselmuseum nun doch erhalten bleibt. Der Museumschef begründet den Sinneswandel damit, dass sich die finanziellen Rahmenbedingungen in Ulm schlechter dargestellt hätten, als ihm dies zunächst verheißen worden war, so dass er seine Konzepte nicht hätte umsetzen können. Außerdem war das neue Föhrer Museum vom ersten Tag an so erfolgreich, dass Sadowsky - unterstützt von Museumsstifter Dr. Frederik Paulsen - eine Perspektive zum Bleiben sah. "Es gab nach der Eröffnung so viel Bestätigung, dass ich ins Nachdenken kam", so Sadowsky, "ich habe gesehen, dass ich hier langfristige Perspektiven habe".

Er findet nun auf Föhr Rahmenbedingungen vor, von denen er in Ulm nur hätte träumen können. Dort habe man zwar große Projekte geplant, aber nicht die nötigen Mittel bereit gestellt, während er auf Föhr einen großzügigen Etat und die Möglichkeit habe, Alkersum in der internationalen Museumslandschaft zu etablieren. Die Resonanz auf die Eröffnungsausstellung in Deutschland, aber auch international, bestätigt ihn. "Wir wurden bereits von Museen aus Dänemark und Norwegen angeschrieben, ob wir uns eine Zusammenarbeit vorstellen können", berichtet er, betont aber gleichzeitig, dass ihm auch die Kooperation mit dem Wyker Friesenmuseum wichtig ist. "Wir wollen uns zusammen mit dem Friesenmuseum als Museen der Insel Föhr etablieren, so dass beide Institutionen etwas davon haben", betont Sadowsky, dass die Zusammenarbeit über das bereits eingeführte Kombi-Ticket, das für Besuche in beiden Häusern gilt, hinausgehen soll.
Mehr Besucher als erwartet

In einem hat "Kunst der Westküste" das Friesenmuseum allerdings längst überflügelt. Bei der Kalkulation der jährlichen Besucherzahlen hatte man sich an denen des Wyker Hauses (27 000 bis 30 000 im Jahr ) orientiert, doch diese Marke wurde in Alkersum bereits geknackt.

Noch bis zum 14. Januar läuft die Eröffnungsausstellung "Von Bergen bis Bergen", in der ein Querschnitt durch die Sammlung Paulsens präsentiert wird und neben Großen der Kunstszene wie Max Liebermann, Emil Nolde oder Edvard Munch auch regionale Künstler präsentiert werden. Wenn dann am 1. März "umgebaut" ist, werden die Besucher ein völlig neues Museum erleben.
Drei Sonderausstellungen sind für das kommende Jahr geplant, und darin wird zeitgenössische Kunst in weitaus größerem Umfang als den vor Monaten angekündigten "homöopathischen Dosen" vertreten sein. Die Bilder aus Paulsens Sammlung, die sich mit der niederländischen, deutschen, dänischen und norwegischen Westküste im Zeitraum von 1830 bis 1930 auseinandersetzen, sollen in einen Dialog mit Werken der Gegenwart treten, die natürlich ebenfalls einen Bezug zum Thema des Museums haben.
Die erste Sonderausstellung bestreiten im Frühjahr die indonesisch-niederländische Video-Künstlerin Fiona Tan und die dänische Landschaftsfotografin Kirsten Klein. "Der Föhr-Urlauber soll jedes Jahr einen Grund haben, mehrmals ins Museum zu gehen", hofft Sadowsky, durch die wechselnden Ausstellungen auch nach dem "Eröffnungs-Hype" die Besucherzahlen halten zu können.
Winterangebote mit Inselzuschnitt

Doch Sadowsky hat nicht nur den Anspruch, mit seinem Haus in der internationalen Museumsliga mitzuspielen und Insel-Gäste anzusprechen. "Kunst der Westküste" soll auch ein Museum für die Föhrer werden: "Wir wollen kein Satellit auf der Insel sein". Und deshalb wird es gerade in den Wintermonaten, wenn die Insulaner Zeit haben, Vorträge und Veranstaltungen geben, es sind museumspädagogische Projekte in Zusammenarbeit mit den Inselschulen geplant und morgen findet eine "Museumsnacht" statt.

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