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Heinz Lorenzen : Abschied von einer Föhrer Institution

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Aus der Redaktion des Insel-Boten

Viele Jahrzehnte hat Wyks früherer Bürgermeister das Leben auf der Insel mit geprägt. Nun starb er im Alter von 69 Jahren.

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erstellt am 04.Nov.2015 | 15:30 Uhr

Gymnasiasten lernten bei ihm Geografie, Mathematik und Sport, Wassersportler das Surfen und Wyks Kommunalpolitiker, dass eine gute Vorbereitung auf Ausschusssitzungen zum kleinen Einmaleins ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit gehört. Heinz Lorenzen war darin ein glänzendes Beispiel und auch sonst eine Föhrer Institution, die das Leben auf der Insel über viele Jahrzehnte mit geprägt hat. Nach dem Studium in Kiel war der 1945 in Hamburg Geborene und in Nieblum Aufgewachsene als Gymnasiallehrer zurück auf die Insel gekommen. Drei Jahrzehnte unterrichtete er in der Folge: Anfangs im alten Gymnasium, wo er selbst das Abitur erlangt hatte, später im neu gebauten Schulzentrum; ab 1992 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2006 war er Leiter der Oberstufe.

Auch politisch wurde der leidenschaftliche Surfer, Rettungsschwimmer und langjährige Trainer der Föhrer DLRG nach seiner Rückkehr aus der Landeshauptstadt aktiv. 1977 in die Wyker Kommunale Gemeinschaft eingetreten, setzte sich Heinz Lorenzen als Stadtvertreter und Mitglied diverser Ausschüsse gleichermaßen für die Interessen der Bürger und die Entwicklung des Tourismus ein. Letzteres nicht nur für Wyk, sondern in den Aufsichtsräten der Wyker Dampfschiffs-Reederei und der Föhr Tourismus GmbH auch über die Grenzen der Stadt hinaus. 2007 folgte der politische Höhepunkt: Heinz Lorenzen wurde zum Wyker Bürgermeister gewählt. Bis 2013 hatte er das Amt inne – Jahre, in die das Stadtjubiläum „100 Jahre Wyk auf Föhr“ fiel und die insbesondere von dem Einsatz für ein Hotel am Südstrand, ein Neubaugebiet für Einheimische am Kortdeelsweg und der Neustrukturierung des Tourismus auf Föhr geprägt waren.

Groß war das Interesse des zweifachen Vaters und fünffachen Großvaters an der Regionalgeschichte. Hier war vor allem die Zeit des Nationalsozialismus auf Föhr sein Thema. So war er ständiger Mahner und Motor für die Versöhnung mit dem niederländischen Dorf Putten, das im Oktober 1944 auf Befehl des damaligen Wehrmachtsbefehlshabers und späteren Wyker Ehrenbürgers Friedrich Christiansen niedergebrannt worden war. Auch hielt Heinz Lorenzen viel beachtete Vorträge über die NS-Zeit auf der Insel und ein Projekt mit den Schülern des Gymnasiums über dieses dunkle Kapitel deutscher Geschichte – verbunden mit einer Ausstellung in der Nieblumer St.-Johannis-Kirche – stieß 2005 auf große Resonanz.

Mehr als zehn Jahre hatte er recherchiert. Über das aus seiner Sicht dramatischste Ereignis dieser Zeit auf den Inseln, die Fliegerangriffe britischer Jagdflugzeuge auf zwei Fähren der Wyker Dampfschiffs-Reederei im Sommer 1944, schrieb er schon länger an einem Buch. Im Sommer dieses Jahres war das Manuskript mit dem Titel „In Brand geschossen und auf Strand gesetzt“ fertig und die von der Druckerei vorgelegte Korrekturfassung konnte der Autor noch in Händen halten. Am 26. Oktober ist Heinz Lorenzen im Alter von 69 Jahren verstorben.

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