In drei Wochen durch acht Länder : 9000 Kilometer bis nach Jordanien

Ankunft in Istanbul: Von Europa in den Nahen Osten – für viele Teilnehmer der eigentliche Beginn das großen Abenteuers.
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Ankunft in Istanbul: Von Europa in den Nahen Osten – für viele Teilnehmer der eigentliche Beginn das großen Abenteuers.

Das Föhrer Team „Friese BIX“ nahm an der Allgäu-Orient-Rallye teil. Im Mittelpunkt standen der Spaß am Abenteuer und humanitäre Hilfe.

shz.de von
31. Juli 2015, 09:00 Uhr

Nun sind sie zwar schon einige Zeit wieder auf Föhr. Doch bis Helmut Marczinkowski, Boy Mengel und die übrigen Mitglieder des Teams „Friese BIX“ bei der Allgäu-Orient-Rallye wirklich wieder zu Hause angekommen sind, hat es länger gedauert. Nun erst konnten sie damit beginnen, ihre Erlebnisse und Erfahrungen zu „verdauen und zu sortieren“.

Immerhin haben die Föhrer Teilnehmer bei ihrer Tour von Oberstaufen im Allgäu nach Amman in Jordanien in etwa drei Wochen knapp 9000 Kilometer zurückgelegt und dabei acht Länder – Österreich, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Griechenland, Türkei, Israel und Jordanien – durchquert.

„Friese BIX“ war eines von 111 Teams, die zu dieser Tour aufbrachen, bei der es nicht um Geschwindigkeit und technische Perfektion ging. Vielmehr sollten die Teilnehmer bei diesem automobilen Abenteuer einfach Spaß haben, neue Menschen und Länder kennenlernen und gleichzeitig humanitäre Hilfe leisten.

„Offiziell bestand unser Team aus sechs Menschen und drei Fahrzeugen“, berichtet Helmut Marczinkowski. Doch tatsächlich gehörten zum „Friese BIX“ bei einigen Etappen insgesamt fünf Autos, denn einige Bekannte wollten zumindest einen Teil dieses Abenteuers miterleben. Dazu zählte auch Hauke Marczinkowski, der den Nordirak durchquerte, dafür allerdings ein Navigationsgerät benutzte. „Da Navis bei der Tour aber absolut verpönt waren, wurde Hauke disqualifiziert“, berichtet Vater Helmut Marczinkowski, der aus Gründen der Sicherheit den Einsatz dieses Gerätes dennoch für sinnvoll hält.

Ungewöhnlich an der Allgäu-Orient-Rallye war nicht nur das Verbot von Navis. Vielmehr mussten die Fahrzeuge älter sein und durften einen bestimmten Wert nicht übersteigen. Auch für die Übernachtungen auf der Reise durfte nur wenig Geld ausgegeben werden. Während Boy Mengel den von Sohn Stefan gestifteten Wagen notdürftig zum Schlafmobil umgebaut hatte, setzte Helmut Marczinkowski auf die Übernachtungen im Zelt. „Die Nächte im Zelt zu verbringen war teilweise recht gewöhnungsbedürftig“, so der Föhrer Arzt.

Die „Bibel“ der Rallye-Teilnehmer war das Roadbook. Es gab darin nicht nur Hinweise zu den einzelnen Etappen, sondern auch unterschiedliche Aufgaben, die unterwegs zu erledigen waren: Dabei ging es nicht nur um den Spaß wie Fotos bei Grenzübertritten, sondern auch um Hilfsaktionen. Bei der „Schuhaufgabe“ zum Beispiel mussten aus Kartons die richtigen Paare Kinderschuhe zusammengesucht werden. Diese waren für Kinder bestimmt, die vom Grubenunglück im türkischen Soma betroffen waren. Auch wies das Roadbook die Teilnehmer zu weiteren Punkten, wo sie Schul- und Spielsachen abliefern mussten.

Im Gespräch fördern die Heimkehrer die unterschiedlichsten Erinnerungen zutage. „Unglaublich war das Bad im Toten Meer“, berichtet Boy Mengel, der auch vom Totalausfall seines Fahrzeuges wenige Kilometer vor der Ankunft in Istanbul berichtet. Zum Glück hatte er mit Thomas Gleike einen erfahrenen Schrauber dabei, und sie fanden auch eine Werkstatt, die sie für die Reparatur nutzen konnten. „Am nächsten Morgen konnten wir weiterfahren“.

„Wir haben unterwegs nur gute Erfahrungen gemacht, viele Menschen kennengelernt und viel Gastfreundschaft genossen“, berichten die beiden Rallye-Teilnehmer übereinstimmend. „Wir haben uns auf der Tour von den Kampflinien ferngehalten“, so Helmut Marczinkowski, der aber auch davon berichtet, dass die Kurden in ihrem Gebiet für eine gute Stabilität sorgen.

Ins Schwärmen kommen dann Mengel und Marczinkowski bei der Schilderung der Etappe in der Wüste und vom Empfang in Jordanien. Zwar hat das Team „Friese BIX“ das Kamel nicht gewonnen, das traditionell für den Sieger vorgesehen ist, doch die Team-Mitglieder konnten sich die Medaille für den dritten Platz umhängen. Diese wurde übrigens allen Rallye-Mannschaften überreicht. Für nicht undenkbar halten die beiden übrigens, dass sie im Jahr 2016 bei der 11. Allgäu-Orient-Rallye wieder dabei sind.

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