Günter Bertling : 80 Jahre und kein bisschen leise

Stets etwas verschmitzt: Günter Bertling am heimischen Flügel. Foto: Pohl
Stets etwas verschmitzt: Günter Bertling am heimischen Flügel. Foto: Pohl

Am Sonntag wird Günter Bertling mal nicht dirigieren, sondern im Kirchlein am Meer in Schobüll in der ersten Reihe sitzen und ein besonderes Konzert hören.

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09. Dezember 2009, 12:56 Uhr

schobüll | Es ist ein ganz besonderes Konzert, das am kommenden Sonntag im Kirchlein am Meer in Schobüll gegeben wird. Der Mann, der hier meist den Dirigentenstab in der Hand hält, sitzt diesmal in der ersten Reihe und hört zu: Günter Bertling. Die Musiker sind allesamt ehemalige Schüler des Pädagogen, Organisten und Orchesterleiters, der am Montag 80 Jahre alt wird.

Bertling ist eine Institution. Generationen von Gymnasiasten haben bei ihm an der Hermann-Tast-Schule in Husum erste Bekanntschaft mit den großen Komponisten und den bedeutenden Werken der Musikliteratur gemacht. Haben gelernt, eine Partitur zu lesen. Haben über Jahre im Chor gesungen und sind so in den Genuss gekommen, an Aufführungen großer Chorwerke teilzuhaben. Doch die musikpädagogische ist nur die eine Seite des Jubilars; die andere ist die des Konzertveranstalters. Die kleine Kirche in seinem Wohnort Schobüll ist seit Jahren regelmäßig Schauplatz hochkarätiger Konzerte; zu den Dauergästen gehören Star-Trompeter Ludwig Güttler und sein Begleiter Friedrich Kircheis. Mit Güttler verbindet Bertling seit Jahren eine echte Freundschaft.

Die acht Lebensjahrzehnte sind dem Jubilar kaum anzusehen. Kein einziges Haar scheint ihm zu fehlen, und im Nacken sitzt immer noch der alte Schalk. Wer bei Bertling Musik hatte, ohne Musik zu mögen (oder zu können), der hatte zumindest oft seinen Spaß im Unterricht. Auch heute noch kommt spätestens nach jedem dritten Satz ein Bonmot, ein Scherz oder eine Anekdote. Unvergessenes Bertling-Zitat: "Da wackelt die Wand" - (und dann die Schüler laut im Chor) "am Gummiband!"
Bach allerorten
Nach seiner Pensionierung begann wie so häufig bei kreativen Köpfen der Unruhestand. Jetzt intensivierte er seine Arbeit im Kirchlein, stellte Konzertreihen auf die Beine, lud Solisten ein. Der berühmte Cellist David Geringas war mehrere Male in Schobüll, auch die Schüler der Meisterkurse des SHMF, Prof. Matthias Janz aus Flensburg ist regelmäßiger Gast an Orgel und Cembalo. Alle rühmen die liebevolle und persönliche Betreuung durch Familie Bertling: "Wir haben hier schon 30 Musiker nach dem Konzert bewirtet", erinnert sich die Jubilarsgattin. Der notwendige Papierkram zu den Konzerten füllt etliche Aktenordner.

Ein Name fällt da immer wieder ins Auge: Johann Sebastian Bach. Seine Werke sind wieder und wieder auf den Programmzetteln von Bertlings Konzerten zu finden, Noten von Bach-Werken stehen auf dem Notenpult des großen Flügels, der täglich bespielt wird. "Bach ist meine Welt", sagt Bertling leicht versonnen, um etwas später augenzwinkernd zu gestehen: "Ich kann nur Bach."

Stimmt natürlich nicht. Auf der CD allerdings, die er nach seiner Pensionierung von den aufgenommenen Konzerten des HTS-Schülerchors zusammengestellt hat, sind ausschließlich Werke des großen Thomas-Kantors enthalten.

Die Vorbereitung auf das nächste Konzertereignis gestaltet sich für den umtriebigen Musik-Pensionär so ganz anders als sonst: Er weiß nicht, was gespielt wird, er kennt die Solisten nicht - Überraschung ist das Motto. Nach dem Konzert wird übrigens an alter Wirkungsstätte gefeiert: in der Aula des Alten Gymnasiums, in der früher auch eine Orgel stand. Gefeiert wird mindestens bis Mitternacht, wenn die 80 erreicht ist.

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