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shmf-konzert : 35 Goldkehlchen aus Uetersen

vom
Aus der Redaktion des Insel-Boten

Das Sonux-Ensemble tritt am Donnerstag in der St.-Johannis-Kirche in Nieblum auf. Der Chor hat bereits bei zahlreichen Wettbewerben für Furore gesorgt.

Einmal ehrlich: Was verbindet man gemeinhin mit einem Männerchor? Meist doch wohl jenes Klischee von dickbäuchigen Barden, die im rauchgeschwängerten Bierdunst von Gasthaus-Nebenzimmern den „Jäger aus Kurpfalz“ anstimmen. Zusammen mit der nicht ganz unbelasteten Geschichte des Männerchorwesens im frühen 20. Jahrhundert dürfte dieses Image mit ursächlich dafür sein, dass sich unter den rund 60 000 Chören in Deutschland immer weniger Männerchöre finden. Nicht so in einer kleinen Enklave im Süden Schleswig-Holsteins. Hier erfreut sich das Sonux-Ensemble aus Uetersen großer Beliebtheit und hat mit seinem Repertoire, das von Klassik bis Pop reicht, bei zahlreichen Chorwettbewerben für Furore gesorgt. Die 35 Männerstimmen setzen sich aus den Tenören und Bässen der Chorknaben Uetersen zusammen. Sie wurden unter anderem 2002 als „Bester Männerchor Deutschlands“ und 2007 als „Bester Männerchor Schleswig-Holsteins“ ausgezeichnet.

Im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals (SHMF) sind die Goldkehlchen nun zum ersten Mal in der St.-Johannis-Kirche in Nieblum zu erleben. Das Programm legt ein besonderes Augenmerk auf die Verbindung von Chorgesang und Saxophon, welches eher ungewöhnlich ist, jedoch für das Crossover erprobte Ensemble eine willkommene Bereicherung darstellt – zumal viele Kompositionen des Abends eigens für Sonux angefertigt wurden und auf der aktuellen CD des Chores, „Light and Love“, veröffentlicht wurden. Kontrastierend dazu wurden weitere Werke ausgewählt, wobei die Spanne von gregorianisch angelehnten Gesängen über Gospel bis hin zu Pop-Arrangements reicht.

Im Mittelpunkt des Programms steht Felix Mendelssohns „Vespergesang op. 121“ - komponiert im Jahr 1833 in Düsseldorf im Zuge seiner Ernennung zum Generalmusikdirektor und Verantwortlichen über die Kirchenmusik der Stadt. Als Textvorlage wählte der Komponist liturgische Texte des Responsoriums und des Hymnus zur Vesper des 21. Sonntags nach Trinitatis aus. Ein selten zu hörendes Werk, weiß Dirigent Hans-Joachim Lustig: „Das liegt vielleicht an der ungewöhnliche Besetzung Männerchor plus Cello und Kontrabass. Die Musik reicht von ziemlich virtuos-polyphon bis sehr schön homophon mit anspruchsvollem Tonumfang für jede Stimme. Das muss sängerisch gut bewältig werden.“ Die perfekte Aufgabe für das Sonux-Ensemble, das das Publikum mit blitzsauberem Gesang, feinfühliger Dynamik und vor allem mit spürbarer Freude an der Musik in seinen Bann ziehen will.

Auf seine Jungs kann Hans-Joachim Lustig zurecht stolz sein. Während die meisten Männerchöre über akuten Nachwuchsmangel klagen, gibt es in Uetersen dieses Problem nicht. „Das hat sicherlich damit zu tun, dass es in einer Kleinstadt mit 16 000 Einwohnern einfach nicht so viele attraktive Freizeitangebote gibt“, so der umtriebige Musiker, der nach einem Studium der Schulmusik als freiberuflicher Chorleiter und Dirigent in Lübeck lebt und arbeitet. Außerdem gäbe es zahlreiche musikalische und außermusikalische Anreize wie Chorreisen zum Beispiel nach Riga, in die Türkei oder New York und spezielle Konzertprogramme für die Männerstimmen. „Das finden die Kleinen super und sind ganz heiß darauf, zu den Männern zu kommen, auch wenn offensichtlich ist, dass dort deutlich mehr geprobt wird.“

Sicherlich liegt es zu einem großen Teil aber auch an der frischen, unkomplizierten und motivierenden Art und Weise, in der Hans-Joachim Lustig mit seinem Chor umgeht, aus dem immer wieder neue musikalische Formationen entstehen, wie das A-cappella-Ensemble „Quartonal“, das Anfang August beim SHMF-Konzert in Boldixum aufgetreten ist. Nicht umsonst gilt Uetersen als Stadt mit der höchsten Chordichte im Lande. Der 54-jährige Lustig, der auch Gründer und Leiter des Kammerchors „I Vocalisti“ ist, freut sich, dass der neue SHMF-Intendant Christian Kuhnt an die Tradition des Chorsingens in Schleswig-Holstein beim diesjährigen Festival anknüpft: „In bin in diesem Sommer an vier Projekten beteiligt. Zuerst der „Sommernachtstraum“, dann der „Lobgesang“ und die Sonux Konzerte. Außerdem stellen wir aus Uetersen den Solo-Knaben für den ‚Elias“, so der stolze Chorleiter. „Es freut mich und die Chormitglieder sehr, dass wir so wertgeschätzt werden und dass die neue Intendanz verstärkt zurück ins Land geht. Das scheint sehr gut zu funktionieren, denn die Halbzeitbilanz war ja überaus positiv.“

Donnerstag, 21. August, 20 Uhr, St.-Johannis-Kirche. Karten gibt es im Vorverkauf im Reisebüro in der Wyker Mittestraße und bei der SHMF-Kartenzentrale, ✆0431/237070.

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