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Husumer Nachrichten

18. August 2017 | 18:27 Uhr

Alte Tradition : Zylinder zu Sombreros

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Gasthaus zum Ritter St. Jürgen in Husum geht auf das 15. Jahrhundert zurück. Seit 1528 gibt es eine vom dänischen König Friedrich I. erlassene Gasthaus-Ordnung, die in Teilen bis heute gepflegt wird – und jetzt auch wieder eine Klosterrechnung.

Am Montag (17. Februar), 9 Uhr, ist es wieder so weit: Dann steht im „Gasthaus zum Ritter St. Jürgen“ eine neue „Klosterrechnung“ auf dem Programm. In geraden Jahren ist es immer die sogenannte „Kleine Rechnung“, die nur einen Tag dauert; in den ungeraden die „Große“, die sich über zwei Tage erstreckt. Seit den frühen Anfängen im 15. Jahrhundert ist das „Gasthaus zum Ritter St. Jürgen“ den Husumern auch als „Kloster“ geläufig. Seit 1528 gibt es eine vom dänischen König Friedrich I. erlassene „Gasthaus-Ordnung“, die das Leben im Kloster regelt. Viele der mehr als 20 ursprünglich erlassenen Vorschriften sind im Lauf der Jahre und Jahrhunderte überholt, verbessert, geändert oder in Teilen fallen gelassen worden.

Gleichwohl bestehen einige alte Gebräuche bis heute fort und werden bei der feierlichen „Klosterrechnung“ – der „weiteren Gasthaus-Versammlung“ – mit großem Ernst, aber auch nicht ohne den nötigen Humor weitergetragen.

Die Klosterrechnung ist der Rechenschaftsbericht des sogenannten Speisemeisters. Er ist der „rechnungsführenden Klostervorsteher“ für das zurückliegende Jahr. Seine Rechnungslegung wird dem Hauptausschuss der Stadt vorgetragen und diskutiert, nachdem sie zuvor von allen Institutionen eingehend geprüft worden ist.

Zur Klosterrechnung im feierlich geschmückten Festsaal des Klosters versammeln sich dann Klostervorsteher, Bürgermeister, Senatoren, die Büroleitende Beamtin der Stadt, Propst, Klosterprediger, Archivar sowie der stiftungseigene Landverwalter in feierlichem schwarzen Anzug und Zylinder. Beim Vortrag der Geschäftsberichte werden altertümliche lange Tonpfeifen und Tabak bereitgehalten, jeder hat seine eigene Pfeife, und gelegentlich wird diese auch heute noch geraucht. Während der Sitzung werden auf Wortmeldung ernst gemeinte, aber auch scherzhafte Zwischenfragen gestellt. Etwaige – vom Bürgermeister verhängte „Strafgelder“ – landen in der Klosterkirchenkasse. Das anschließende Essen wird von „Klosterhexen“ – sechs Schülerinnen aus „gutem Hause“ – aufgetragen. In einer Sitzungspause bittet dann der Bürgermeister den neuen Klostervorsteher, die Vollzähligkeit der Zylinder zu prüfen. Diese wurden aber in der Zwischenzeit von den „Klosterhexen“ bunt dekoriert oder gegen ulkige Hüte – wie zum Beispiel einen Sombrero – getauscht, und müssen bei der abschließenden Begehung des Klosters getragen werden. Eine Strafe hat zu entrichten, wessen Zylinder abhanden gekommen ist. Am Abend findet dann das Klosterfest statt.

Das „Kloster“ steht allen älteren Husumer Bürgern als Seniorenstift offen, sofern sie in Husum geboren sind oder 15 Jahre lang in der Stadt gelebt haben. Die soziale Einrichtung des Betreuten Wohnens gewährt 38 älteren Menschen, den „Präbendaren“, einen sorgenfreien Lebensabend.

Geleitet wird das Kloster auf ehrenamtlicher Basis von vier Ehepaaren, die sich verpflichten, acht Jahre lang für die Einrichtung einzutreten. Zwei Jahre dienen dem Sammeln von Erfahrungen, zwei weitere Jahre sind dem „Speisemeister“ vorbehalten und in den letzten vier Jahren sind die Paare als Vertreter und Ratgeber gefragt. Durch Landbesitz, Pachten, Spenden und ehrenamtliche Betriebsführung können die Mieten für die Präbendare niedrig gehalten werden. Das Kloster bekommt keine öffentlichen Mittel.

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erstellt am 16.Feb.2014 | 08:00 Uhr

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