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Ehrliche Schülerin : Zwölfjährige findet prall gefüllte Börse

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Eine junge Mutter aus Oldenswort verlor in Husum ihr Portemonnaie. Die zwölfjährige Zoe Lee aus Bredstedt fand die Börse und brachte sie zur Polizei.

Es ist Donnerstagmittag, kurz vor halb zwölf: Die elfjährige Zoe Lee aus Bredstedt ist mit ihren Eltern Roswitha und Sönke Clausen gerade auf dem Weg ins Reisebüro, als sie auf dem Fußweg der Roten Pforte in Husum fast über eine prall gefüllte Geldbörse stolpert. Das Portemonnaie aus schwarzem Leder liegt direkt vor ihren Füßen, und viele Menschen gehen achtlos daran vorbei. Zoe Lee wundert sich darüber, hebt es auf und dreht sich zu ihren Eltern um, die ein paar Meter hinter ihr gehen. Staunend sagt sie: „Schaut mal, was ich gefunden habe! Wieso sieht das niemand außer mir?“ Ihr Vater bemerkt sofort, dass sich hinten im Scheinfach viele Banknoten befinden, und als er einen kurzen Blick hinein wirft, entdeckt er auch mehrere Bankkarten und andere Dokumente. Die Familie schaut sich noch einen Moment lang aufmerksam um, ob vielleicht gerade jemand in der Nähe sichtbar auf der Suche nach etwas ist, kann aber niemanden entdecken. Und weil die Zeit drängt, geht Zoe Lee mit ihren Eltern dann erst einmal weiter ins Reisebüro, um wie geplant den lang ersehnten Urlaub auf Fehmarn zu buchen.

Als das erledigt ist, widmet sich die Familie wieder dem wertvollen Fundstück. Aus den Karten und Ausweisen wird schnell ersichtlich, dass es sich bei der Besitzerin um eine Svea Nissen aus Oldenswort handeln muss. Aber so sehr sich die drei auch bemühen: Eine Telefonnummer können sie nirgendwo in den Papieren finden. Dafür entdecken sie auf einem Spenderausweis, dass die 25-Jährige ursprünglich aus Bredstedt kommt. In der Hoffnung, unter der genannten Adresse vielleicht noch jemanden anzutreffen, der weiß, wie man Svea Nissen erreichen kann, fahren die Clausens auf dem Heimweg dort vorbei. Leider vergeblich, keiner der Bewohner unter der Adresse passt zu den Angaben in den gefundenen Dokumenten.

Zuhause angekommen, setzt sich Sönke Clausen mit Zoe Lee vor den Computer, um vielleicht im Internet irgendwo eine Rufnummer oder andere Kontaktdaten zu recherchieren – doch auch der Versuch bleibt ohne Ergebnis. „Es war schlichtweg nichts über die junge Frau herauszufinden“, sagt der Vater im Rückblick und erzählt, dass die Elfjährige dann auch langsam unruhig wurde: „Die Frau sucht das Portemonnaie bestimmt schon verzweifelt und ist total traurig, weil sie so viel Geld verloren hat“, sagt sie ungeduldig und ist froh, als ihre Eltern dann mit ihr zur Polizei in Bredstedt fahren, um den Fund abzugeben.

Dort wurde der Inhalt festgehalten: „995 Euro in Scheinen und einiges an Münzen, das war wirklich sehr viel Geld“, staunte Zoe Lee später zu Hause. Sie hoffte darauf, dass die Polizei die Frau schnell finden würde. Zu gerne wollte sie natürlich wissen, wie die Geschichte ausgeht, und wie es überhaupt dazu gekommen war. Lange warten musste die Elfjährige nicht, denn am nächsten Tag gegen Mittag stand plötzlich Svea Nissen vor der Tür der Familie Clausen in Bredstedt, in der Hand eine große Naschi-Tüte und einen Umschlag mit einem satten Finderlohn für Zoe Lee.

Als sie hörte, wo das Mädchen die Geldbörse gefunden hatte, fiel ihr auch wieder ein, wie das Ganze wohl passiert sein musste: „Ich hatte das Geld von der Bank geholt, um das Material bezahlen zu können, das heute für die Neugestaltung unseres Gartens geliefert werden sollte. Wir sind nämlich erst vor vier Wochen nach Oldenswort gezogen“, erzählte die junge Mutter, die bei den Besorgungen in Husum ihren eineinhalbjährigen Sohn im Buggy dabei hatte. In der Bank hatte sie das Geld noch sorgfältig in ihr Portemonnaie gesteckt und dieses dann ganz bewusst nicht ins Innenfach ihrer Umhängetasche gelegt: „Die Innentasche hat nämlich ein Loch und ich wollte nicht, dass es dort durchrutscht“, sagte sie. Immer wieder habe sie danach mit der Hand in der Tasche nachgefühlt, ob das Geld noch da war. Doch wie es manchmal so ist, wenn man eigentlich besonders vorsichtig sein will: „Ich wollte schnell noch etwas zu trinken aus der Tasche nehmen. Dann habe ich mich zu meinem Sohn hinunter gebeugt. Wahrscheinlich ist das Portemonnaie dabei unbemerkt rausgefallen“, vermutet sie im Nachhinein.

Bemerkt hat Svea Nissen den Verlust allerdings erst zu Hause, irgendwann am späten Nachmittag. „Und dann habe ich natürlich erst einmal hin und her überlegt, wo ich überall gewesen bin, wo ich das Geld noch hatte, oder ob es mir an der Ampel vielleicht jemand aus der Tasche gestohlen haben könnte.“ Fast schon sicher, die Geldbörse niemals wiederzusehen, meldete sie sich nach einer fast schlaflosen Nacht am Freitagmorgen bei der Polizei in Husum. Und konnte es kaum fassen: „Das Portemonnaie war wieder da.“

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