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Konversion in Nordfriesland : Zwischenbilanz eines Geduldsspiels

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Kaserne, Flughafen und Materiallager: Für fünf Liegenschaften der Bundeswehr gibt es mehr oder weniger konkrete Nachnutzungskonzepte.

Kärrnerarbeit – und nichts anderes ist Konversion – erfordert einen langen Atem. Für ehemalige Liegenschaften der Bundeswehr, die sich immer mehr aus der Fläche zurückgezogen hat, passende Nachnutzer zu finden, ist ein Geduldsspiel. Bernd Franke beherrscht es. Als Konversionsmanager der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordfriesland (WFG) hat er in den vergangenen Monaten Türklinken geputzt, Ortsbegehungen organisiert und Verhandlungen geführt. Akquise unter verschärften Bedingungen – denn die Gefahr, sich dabei in (bau)rechtlichen Fallstricken zu verheddern, ist in einer von Bürokraten regierten Welt allgegenwärtig.

Franke hat mittlerweile so viel Vorarbeit geleistet und Erfahrungen gesammelt, dass die WFG, für die er nun nicht mehr als Konversionsmanager tätig ist, ihn mit einem Honorarvertrag ausgestattet hat. Bis Jahresende steht er auf dieser Basis Steffen Volk zur Seite, um die Entwicklung – speziell der Stapelholmer Kaserne in Seeth – weiter voranzutreiben. Volk, 31 Jahre alter Ostfriese, vertieft sich seit 1. April als neuer Mitarbeiter im Konversionsmanagement der WFG in die Materie. Derzeit stehen fünf Liegenschaften auf der Agenda der beiden Experten, die an dieser Stelle einmal den Stand der entsprechenden Potenzialanalysen aufzeigen.

❍ Stapelholmer Kaserne: Erst hatte das Innenministerium Teile des 42,5 Hektar großen Geländes, durch das noch bis vor kurzem die Gemeindegrenze zwischen dem nordfriesischen Seeth und Süderstapel (Kreis Schleswig-Flensburg) verlief, als Erstaufnahme-Station für Asylbewerber auf Rechnung. Dann wieder nicht. Mittlerweile sind dort aktuell etwa 730 Flüchtlinge untergebracht. Unabhängig davon ist der Schlüssel für die Kaserne, aus der Ende Juni der letzte Soldat verschwunden ist, bereits an die Bundesanstalt für Immobilien-Aufgaben (BImA) und das Konversionsmanagement übergeben worden. Am 30. September verlässt das Bundeswehr-Dienstleistungszentrum den Standort. Aufgrund der aktuellen Flüchtlingssituation musste die Einrichtung eines Info-Points erst einmal verschoben werden. Als voraussichtliche Nachnutzer stehen neben dem Internationalen Zentrum für Technologie-Adaption und Technologietransfer auch
das Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerk – die große Husumer Ausbildungseinrichtung für Behinderte – sowie weitere Betriebe aus der Region vor der Tür. Um künftig nur noch einen Ansprechpartner zu haben, einigten sich die beteiligten Gemeinden mittlerweile darauf, das Konversions-Areal dem Kreis Nordfriesland zuzuschlagen.

❍ Flughafen Leck: Von dem 322 Hektar großen Terrain beansprucht die Bundeswehr im Süden noch 14 Hektar. Abzüglich der schützenswerten Fläche im Norden, die der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie unterliegt, bleiben rund 110 Hektar zur Nachnutzung frei. Dort sind der Businesspark Südtondern und der Airpark Nordfriesland vorgesehen. Die beiden Unterprojekte der Konversionsplanung am Bundeswehrstandort Leck sollen Entwicklungsperspektiven mit „Grüner Energie“ in großzügigen Gewerbeflächen bieten – mit Affinität zur Luftfahrt (Bestandteil des Airparks ist ein sogenanntes Fly-in Village), klimaschonender Energie, Daten- und Informationsverarbeitung sowie klein- und mittelständischen Unternehmen. Während die Bundeswehr laut Franke deutlich gemacht hat, „dass – auch wenn sie 2019 die Liegenschaft aufgibt – die Ausbildungswerkstatt für Mechatroniker bleibt“, plane die Gemeinde Leck im Bereich der Wohnbauflächen Familienhäuser. Dafür gebe es auch schon viele Grundstücksanfragen.

❍ Materiallager Bargum: Bundeswehr und Dienstleister ziehen Mitte 2016 von der 55 Hektar großen Fläche ab. Die notwendige Untersuchung der Waldbestände und -abstandsvorgaben läuft. An der Liegenschaft, bei der sieben Hektar zur Nachnutzung anstehen, hat besonders ein Unternehmen Interesse. Hier ist wie in Bramstedtlund (siehe anschließende Zusammenfassung) eine Eröffnung des Bieterverfahrens durch die BImA in Reichweite. Ein öffentliches Tiergehege ist ebenfalls Bestandteil der Planungen.

❍ Sanitäts-Materiallager Bramstedtlund: Auch hier steht Mitte 2016 der Truppenabzug an. Auf das rund acht Hektar große Außenlager hat eine Speditionsfirma für Bunker- und Hallennutzung ein Auge geworfen. Das Sanitäts-Materiallager
(etwa 17,5 Hektar) wollen ein Unternehmen für Lohn- und Silagetechnik sowie verschiedene regionale Handwerksbetriebe in Beschlag nehmen.

❍ Materiallager Ladelund: Die Bundeswehr gibt die Liegenschaft Ende 2019 auf; bis dahin soll sie das Material aus Bargum und Bramstedtlund aufnehmen. Eine Nachnutzung ist nur unter Berücksichtigung sensibler Naturschutzflächen möglich – dort verläuft die Binnendüne. Die Bausubstanz vorhandener Gebäude ist schlecht. Neben weiteren Interessenten ist auch ein Kiesabbau-Unternehmen im Gespräch. Die rund 30 Hektar große Restfläche wird dem Naturschutz überlassen.

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