Umfrage zur Konjunktur : Zwischen Zuversicht und Ärger

Die Bundesstraße 5 ist die „Lebensader“ der schleswig-holsteinischen Westküste, ihr Ausbau seit Langem überfällig.
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Die Bundesstraße 5 ist die „Lebensader“ der schleswig-holsteinischen Westküste, ihr Ausbau seit Langem überfällig.

Es wird kräftig investiert an der Westküste und die Auftragsbücher sind gefüllt: Der Unternehmensverband Unterelbe-Westküste hat bei Betrieben nachgefragt. Kritik gibt es beim Sanierungsstau in Sachen B5, A20 und dem schleppenden Breitbandausbau.

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26. Juni 2014, 16:30 Uhr

Die Wirtschaft verspürt Aufwind. Kein Wunder, denn die Auftragsbücher sind gefüllt. Dies ist die gute Nachricht aus einer Umfrage zur Konjunktur für das erste Halbjahr 2014 von Seiten des Unternehmensverbandes Unterelbe-Westküste. Dieser vertritt rund 400 Betriebe von Norderstedt bis zur dänischen Grenze. In Nordfriesland und Dithmarschen hatten sich 65 Unternehmen mit rund 6.000 Beschäftigten beteiligt – insgesamt waren es 122 mit rund 14.000 Mitarbeitern.

An der Westküste gab sogar jeder zweite Betrieb ein Plus an Aufträgen an, und 58 Prozent haben ihre Investitionen erhöht – 20 Prozent mehr als im übrigen Verbandsgebiet. Insbesondere das verarbeitende Gewerbe und Dienstleister profitierten überdurchschnittlich von Kundennachfragen. Die Bereitschaft, zu investieren, setzt sich im zweiten Halbjahr fort: immerhin bei 89 Prozent der Küsten-Unternehmer. Diese und andere Ergebnisse aus der Halbjahres-Bilanz stellten gestern in Husum die Verbandsgeschäftsführer Sebastian Koch und Ken Blöcker zusammen mit dem stellvertretenden Vorsitzenden Dieter Wade, Geschäftsführer der Firma Adolf Nissen Elektrobau GmbH & Co. KG (Tönning) sowie den Vorstandsmitgliedern Wolfgang Kinsky, Geschäftsführer und Inhaber der Kinsky-Fleischwaren GmbH (Bredstedt) und Rolf Olsson, Geschäftsführer der ISD-Insel-Schnelldienst GmbH vor. Gastgeberin für die Runde war Susanne Wiedemann-Grabert, die in ihre Firma Wiedemann-Technik eingeladen hatte.

Beim Thema „Fachkräftemangel“ ist es mit dem Optimismus an der Westküste vorbei. Denn dort würden die Unternehmer dieses Problem „doppelt so häufig“ wahrnehmen, wie die Kollegen aus der Unterelbe-Region. Auf das gesamte westliche Schleswig-Holstein bezogen, steht jedes zweite Unternehmen „in geringem Ausmaß“ unter Druck bei der Suche nach geeignetem Personal.

Bei den Auszubildenden wurde in Nordfriesland und Dithmarschen die Zahl von 124 für die Planung 2014 gemeldet. 2013 waren 121 Lehrlinge eingestellt worden – eigentlich sollten es 166 sein. Übereinstimmend stellte die Runde fest, dass dies darauf zurückzuführen ist, dass geeignete Bewerber rar werden.

Ob schnelles Internet per Breitband, A 20 oder B 5 – der wirtschaftsfeindliche Sanierungsstau im Norden ist der Dauerbrenner für Verbandsvertreter und Mitglieder. Sebastian Koch: „Bund und Land haben die höchsten Steuereinnahmen erzielt – davon sollte ein vernünftiger Anteil in die Infrastruktur gesteckt werden.“ Sein Vorwurf: Beim Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr gebe es nicht genug Planer, sodass Projekte nicht vorankommen. Für Ken Blöcker steht fest: „Ausstehende Entscheidungen in Berlin und fehlende Rückendeckung aus Kiel führen an der Westküste zur Verunsicherung.“

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