Halbjahreszeugnisse : Zwischen Ziffern und Bewertungen

Halbjahreszeugnisse: Für manche Schüler ist dieses Dokument entscheidend, weil es das Bewerbungszeugnis ist.
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Halbjahreszeugnisse: Für manche Schüler ist dieses Dokument entscheidend, weil es das Bewerbungszeugnis ist.

Großes Zittern oder große Freude: In Husum werden heute mehr als 8.000 Zeugnisse ausgegeben.

shz.de von
30. Januar 2015, 07:00 Uhr

„Leise rieselt die Vier auf das Zeugnis Papier, Fünfen und Sechsen dazu, freue dich, sitzen bleibst du“. Diese Verse in Anlehnung an das Weihnachtslied „Leise rieselt der Schnee“ werden heute wohl in vielen Klassenzimmern gesungen. Der Grund: Heute gibt es die Halbjahreszeugnisse. Für einige Schüler eine gute Bestätigung ihrer Fähigkeiten, für andere eher die unangenehmsten Zahlen des noch jungen Jahres. In Husum bekommen ungefähr 8.450 Schüler und Schülerinnen ein Zeugnis von den Lehrern ausgehändigt.

An den vier Husumer Grundschulen gibt es im Vergleich zu den vergangenenh Jahren einige Änderungen in Bezug auf die Leistungsbestätigung der Schüler. So werden in der ersten Klassenstufe keine Zeugnisse, sondern kleine Kompetenzschreiben oder auch ein „Mutmachzeugnis“ verteilt. Zusätzlich erfolgt nachträglich ein Elterngespräch. Ab Klassenstufe zwei werden „Kompetenzraster“ ausgehändigt. In diesen werden Lernverhalten, Selbst-, Methoden-, und Sozialkompetenz sowie das Arbeitsverhalten bewertet. In der vierten Klassenstufe gibt es dann Noten. Zudem wird ein Entwicklungsschreiben statt der üblichen Empfehlung beigefügt. Diese in diesem Jahr landesweit abgeschafft worden. Anhand des Schreibens können die Eltern dann selbst entscheiden, auf welche weiterführende Schule sie ihr Kind schicken.

Bei der dänischen Grundschule hingegen gibt es weder eine Empfehlung noch einen Entwicklungsbericht, da die Schüler direkt auf die dänische Gesamtschule wechseln – die sich ebenfalls im Gebäude in der Klaus-Groth-Straße befindet. An der Rungholtschule gibt es von der ersten bis zur elften Klasse Förderpläne, in der zwölften Klasse gibt es dann ein “richtiges“ Zeugnis.

An der Gemeinschaftsschule gibt es für die fünften und sechsten Klassen erstmal keine Noten, sondern Kompetenzraster für jedes der etwa zwölf bis 16 Fächer. „Ab der siebten Klasse werden zusätzlich zu Zensuren Hinweise auf das Leistungsniveau gegeben“, so Dieter Boe, Schulleiter der Gemeinschaftsschule Nord.

Rund eine Woche vor Zeugnisausgabe finden die Zeugniskonferenzen über drei Tage verteilt statt. 15 Minuten sind pro Klasse eingeplant. Die Noten werden auch per Beamer an die Wand projiziert und schwierige Fälle angesprochen, erzählt Helmut Nürnberg, Mittelstufenleiter der Hermann-Tast-Schule. „Alles andere gehört bereits vorher in die pädagogischen Konferenzen, die dann auch durchaus mal eine Stunde und länger dauern können“. Die pädagogischen Konferenzen sind Klassenkonferenzen, die in der Mitte eines Halbjahres stattfinden. Dort werden nicht nur die Leistungen der Schüler besprochen, sondern auch deren persönliche Entwicklung sowie ihr Lern- und Sozialverhalten. Teilnehmer der Zeugniskonferenzen sind neben den Lehrern auch Elternvertreter sowie die Schulleiterin oder ein Stellvertreter.

Dass Schüler sich nach Zeugniserhalt beschweren oder gar Angst haben, nach Hause zu gehen, kommt selten vor. „Das hängt sicher auch mit der inzwischen praktizierten Transparenz zusammen“, sagt Sibylle Karschin, Schulleiterin der Theodor-Storm-Schule. Mündliche Noten werden regelmäßig erläutert, sodass Schüler meist schon wissen, was sie erwartet. Früher hingegen seien die Zeugnisse immer eine Art „Wundertüte an Noten“ gewesen, erinnert sich Nürnberg. Diese Entwicklung bemerkt auch Stephanie Knittel von der Schülerhilfe Husum, einem Nachhilfeanbieter. Inzwischen kommen Schüler oft schon, bevor es zu spät ist. Somit spürt sie nach den Zeugnissen auch nur einen leichten Anstieg an Anmeldungen. „Klassisches Problemfach ist dabei nach wie vor Mathematik“, sagt sie.

Die Beruflichen Schulen vergeben heute ungefähr „3.000 Zeugnisse, 1.000 weitere werden aufgrund des Blockunterrichts noch im Laufe der Zeit verteilt“, so Mark Valentin, Abteilungsleiter der Beruflichen Schulen. Zeugniskonferenzen finden dort zwei Wochen vor Zeugnisausgabe im Halbstunden-Takt statt. Die Zeugnisse werden von den jeweiligen Abteilungsleitern unterschrieben. Ausgenommen die Zeugnisse der Abschlussklassen, diese Dokumnete werden vom Schulleiter unterschrieben.

Ein typisches Zeugnis enthält neben den Noten auch die Fehlstunden, Vermerke zur Teilnahme an Arbeitsgemeinschaften, Legasthenie-Hinweise sowie Kompetenzraster. Unterschrieben werden die Zeugnisse schließlich von den Klassenlehrern sowie den Schulleitern oder deren Stellvertretern. Doch erst, wenn auch die Unterschrift der Erziehungsberechtigten vorhanden ist, ist das Zeugnis komplett.

❏Die beiden HTS-Schülerinnen Martje Sältz (17) aus Husum und Louisa Thomsen (17) aus Bredstedt absolvierten bis gestern ein zweiwöchiges Praktikum bei den Husumer Nachrichten – und bekommen heute ebenfalls ihre Halbjahreszeugnisse ausgehändigt.

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