Bankenkrise : Zwischen Wut und Vertrauen

Hans-Jürgen Pahl Fotos (5): bee
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Die Bankenkrise erschüttert die Welt, die Bürger zahlen die Zeche für die Rettung maroder Finanzinstitute und bangen um ihre Ersparnisse. Wie trifft es die Husumer? Wir haben nachgefragt.

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08. Oktober 2008, 07:16 Uhr

Husum | "Die Banken sind für mich Betrüger", geht Christian Badekow mit den Instituten hart ins Gericht. "Vertrauen habe ich zu denen schon lange nicht mehr", so der 65-jährige Wahl-Husumer. Er macht es an einem Beispiel fest: "Wenn ich 20.000 Euro zur Bank bringe, bekomme ich kaum Zinsen dafür. Im Gegensatz dazu verlangen die Banken horrende Zinsen, wenn ich 20.000 Euro Kredit haben möchte."
Volles Vertrauen hat dagegen Jochen Krüger (51) zu seiner Bank. Seine Spareinlagen seien sicher, hofft er: "Bis zu einer gewissen Summe ist mein Geld sogar versichert." Auch Hans-Jürgen Pahl aus Friedrichstadt sagt: "Ich vertraue meiner Sparkasse. Viel Geld habe ich eh nicht auf der hohen Kante." In Bezug auf die Finanzkrise ist der 67-Jährige überzeugt, dass das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht sei. Misstrauisch bleibt Manfred Nickelsen (60): "Ich habe mein Geld auf einem Tagesgeldkonto. In Aktien habe ich keinerlei Vertrauen."
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"Ich lasse es auf mich zukommen"

Julia Weiß (19) lässt sich von der weltweiten Bankenkrise nicht nachhaltig beeindrucken. Die Auszubildende hat zwar ein Sparbuch, "aber da ist kaum Geld drauf". Von ihrem geringen Gehalt bleibe überdies nicht viel übrig, um etwas anzusparen, sagt die künftige Bäckereifachverkäuferin.
Für Hanna Hube wäre es nicht das erste Mal, eine finanzielle Durststrecke zu erleben, falls das deutsche Finanzsystem den globalen Einflüssen nicht gewachsen ist. Die Dame, die hell gekleidet über den Husumer Markt eilt, ist 90 Jahre alt. Sie hat in ihrem Leben schon mit so einigen Währungen bezahlt. Angst um ihr Geld habe sie nicht. "Ich lasse es auf mich zukommen", sagt sie schlicht. Ja, vielleicht liege das an ihrem Alter.
Auch Emmi Bethmann ist nicht beunruhigt. Sie mache sich keine Gedanken, sagt sie, aber sparen tue sie schon. Dann läuft die 15-Jährige zu ihrer Buslinie.
"Glauben wir ihr das mal"
Der Müllentsorger Peter Clausen (53) hat noch keine Angst um sein Geld. "Unsere Kanzlerin hat ja gesagt, wir brauchen uns keine Gedanken zu machen", ist seine Begründung. "Glauben wir ihr das mal."
Antje Miehe beunruhigt die Situation überhaupt nicht. "Ich bin vor zehn Jahren auf eine Bank reingefallen und habe 20.000 Euro verloren, nun kümmere ich mich selbst um mein Geld", sagt die 43 Jahre alte Frau. Seitdem spekuliert sie mit Ehemann Rüdiger selbst und fährt gut damit, wie sie sagt.
Im Freundes- und Familienkreis hätten sie erst gestern darüber gesprochen, sagt Lucia Paulsen (44). Da sei schon viel Angst. "Ich selbst habe aber keine. Ich habe keine Fonds." Die Einzelhandelskauffrau nutzt sicherere Anlagen.
Wichtiger sind Rente und Eigenheim
Und wie denkt einer, der als Glücksbringer bekannt ist? Kaminkehrermeister Lutz Streblow gönnt sich im üblichen schwarzen Outfit einen Cappuccino in der Mittagspause. Man mache sich schon Gedanken, sagt der 56-Jährige. Doch ihn interessiere viel mehr, wieviel Rente später zahlbar sei. Sein Ziel: "Ich muss erschwingliches Wohneigentum haben, wenn ich in Rente gehe."

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