Kreisweites Pilotprojekt : Zwischen Windeln und Schichtdienst

Eine bunte Mischung:  Axel Fischer, Simone Ehler, Annette Ströbel, Peter Empen, Frank Brinkmann, Daniel Thomsen und Charly Gabriel sind die Initiatoren des neuen Angebots der  Asmussen-Woldsen-Kindertagesstätte.
Eine bunte Mischung: Axel Fischer, Simone Ehler, Annette Ströbel, Peter Empen, Frank Brinkmann, Daniel Thomsen und Charly Gabriel sind die Initiatoren des neuen Angebots der Asmussen-Woldsen-Kindertagesstätte.

Ab August bietet die Husumer Asmussen-Woldsen-Kindergarten eine Gruppe an, die von 6 Uhr morgens bis 14 Uhr betreut wird. Damit sollen Eltern unterstützt werden, die im Schichtdienst arbeiten.

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21. Juli 2015, 15:00 Uhr

Manchmal kann eine Stunde eine Ewigkeit sein: Die Frühschicht beginnt um 6 Uhr, aber der Kindergarten erst um 7. Die Tagesmutter hat abgesagt und Oma ist krank. Wer passt jetzt auf mein Kind auf? Ein Dilemma, das vor allem Eltern, die im Krankenhaus oder der Pflege arbeiten, immer wieder an ihre Grenzen bringt. Ein neues Projekt soll diesen Müttern und Vätern jetzt den Alltag erleichtern.

Die Husumer Asmussen-Woldsen-Kindertagesstätte hat in Zusammenarbeit mit dem Kreis Nordfriesland, der Stadt Husum, dem Klinikum Nordfriesland, der Gleichstellungsbeauftragten des Kreises und dem Deutschen Roten Kreuz jetzt ein Projekt auf die Beine gestellt, mit dem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf besser gelingen soll. Ab 1. August bietet die Kita von 6 Uhr morgens bis 14 Uhr eine altersgemischte Gruppe an. Damit beginnt die Kinderbetreuung eine Stunde früher als bisher. „Wir haben insbesondere Kinder im Blick, deren Eltern im Klinikum Nordfriesland arbeiten“, erklärt Kita-Leiterin Annette Ströbel. Auch das Klinikum will den Müttern und Vätern entgegenkommen: Der Schichtdienst, der normalerweise um punkt 6 Uhr beginnt, soll so umgestaltet werden, dass Eltern eine Viertelstunde später anfangen, damit sie vorher den Nachwuchs in den Kindergarten bringen können.

Einen Fuß in die Tür könnten auch Alleinerziehende bekommen, die gern wieder in ihren Beruf einsteigen möchten. „Das Angebot ermöglicht insbesondere Frauen neue Chancen, die bisher keinen Zugang zum Arbeitsmarkt hatten, weil sie die Betreuung ihrer Kinder nicht sicherstellen konnten“, macht Simone Ehler, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises Nordfriesland, deutlich.

Für das neue Angebot wird die Asmussen-Woldsen-Kindertagesstätte allerdings keine neue Gruppe schaffen, sondern eine vorhandene Gruppe für Drei- bis Sechsjährige auf Null- bis Sechsjährige erweitern. Da nun die ganz Kleinen dazukommen, steigt jedoch der Betreuungsaufwand. So muss die bisherige Belegungszahl von 20 auf 15 Plätze reduziert werden – das sieht der Gesetzgeber so vor. Davon sind fünf Plätze für Kinder unter drei Jahren eingeplant und zehn Plätze für Über-Dreijährige. Positiver Nebeneffekt: Das Personal wird um zwei neue Erzieherinnen aufgestockt. 235 Euro im Monat kostet so ein Familiengruppenplatz. Zum Vergleich: Für einen Vormittagsplatz (7.30 bis 13 Uhr) in der Asmussen-Woldsen-Kindertagesstätte zahlen Eltern 160 Euro, für einen Hortplatz 150 Euro.

Bleibt nur die Frage, was passiert, wenn das Angebot nicht so angenommen wird, wie es sich die Initiatoren wünschen. Da sich die Gruppe um fünf Plätze verkleinert, fehlen fünf Monatsbeiträge. Und auch für die zwei zusätzlichen Personalstellen muss Geld in die Hand genommen werden. Vom Land Schleswig-Holstein sind vorerst keine Zuschüsse zu erwarten, erklärt Daniel Thomsen, Leiter des Fachbereiches Jugend, Familie und Bildung des Kreises Nordfriesland. Sollten alle Stricke reißen, bleibt die Kita – beziehungsweise ihr Träger, das Asmussen-Woldsen-Vermächtnis – nicht allein auf den Kosten sitzen. Denn Hauptsponsor des Projekts ist die Stadt Husum, die 60 Prozent der Personalkosten trägt. „Das Projekt muss ja erst einmal anlaufen“, sagt Axel Fischer vom Husumer Hauptamt. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass man sich trauen muss, etwas zu installieren, dann kommt auch die Nachfrage. Eltern tun sich oft erst schwer und reagieren anfangs reserviert. Wer in der Region verwurzelt ist, fragt lieber Verwandte, ob sie auf das Kind aufpassen, bevor er auf öffentliche Träger zukommt.“ Trotzdem habe bereits ein Umdenken eingesetzt, ist Simone Ehler überzeugt. Die Anmeldezahlen geben ihr Recht. Fast alle Plätze in der Gruppe sind bereits vergeben – zwei Kinder über drei Jahren können dort noch untergebracht werden.

Das Projekt soll nicht das einzige bleiben, da sind sich alle einig. „Wir sehen dieses Angebot als kreisweites Pilotprojekt und werden darauf hinarbeiten, in den nächsten Jahren im gesamten Kreisgebiet mehrere Gruppen zu haben, die früher öffnen“, betont Thomsen. In den Köpfen der Initiatoren keimt sogar schon ein neuer Gedanke: ein Angebot für Eltern, die in der Spätschicht oder am Wochenende arbeiten müssen – zum Beispiel in der Gastronomie.

Mehr Informationen gibt es bei Annette Ströbel unter Telefon 04841/9044500 und unter www.asmussen-woldsen.de.

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