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Orientalische Lebensmittel in Bredstedt : Zwischen Khubz und Salzlakenkäse

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In Bredstedt hat ein Laden für orientalische Lebensmittel eröffnet. Hinter der Theke steht ein Flüchtling aus Syrien.

Als Nour Adi vor gut eineinhalb Jahren von Syrien nach Nordfriesland kommt, hat er einen Traum: Einen kleinen Laden eröffnen, in dem er orientalische Lebensmittel verkaufen kann. Jetzt ist aus diesem Traum Wirklichkeit geworden. Seit Anfang des Monats steht der 26-Jährige im Noudi-Markt an der Osterstraße 47 in Bredstedt hinter der Theke – in den Regalen liegen eingelegter syrischen Käse, Falafel in Tüten oder Kaffee mit Kardamom. Und die Nachfrage ist groß: Rund 600 Geflüchtete leben zurzeit im Amtsbereich Mittleres Nordfriesland, 300 davon in Bredstedt. „Sie möchten gern das essen, was sie aus der Heimat kennen“, sagt Nour Adi, der vorerst noch als Praktikant angestellt ist. „Nach Möglichkeit soll er aber schon bald mindestens einen Minijob erhalten“, sagt Ute Andresen-Paulsen. Rund 100 Kunden waren allein am Eröffnungstag da.

Für den Syrer ist dieser neue Job nicht ungewohnt. Er stammt aus einer Familie von Händlern – sein Vater hatte in der Heimat ein Bekleidungsgeschäft, und auch selbst hat er schon Erfahrungen auf dem Gebiet. Vor seiner Flucht hat er in seinem eigenen Unternehmen Nüsse zubereitet und verkauft, nach seinem Abitur studierte er in Homs Betriebswirtschaft, und auch in Nordfriesland hat er schon im Einzelhandel gearbeitet.

Sein Studium hat er allerdings nicht abschließen können. Als der Krieg ausbricht, muss Adi alles hinter sich lassen und aus dem Land flüchten. Zunächst versucht er es durch die Türkei, kommt dort aber nicht weiter. Zurück in Syrien gelingt es ihm in einem zweiten Versuch schließlich über den Libanon, Jordanien und Ägypten vorerst nach Libyen zu kommen. Dort bleibt er zunächst und sucht sich Arbeit. Dreieinhalb Jahre arbeitet er in einer Restaurantküche – sammelt weitere Erfahrungen in der Gastronomie und spart für seine Flucht nach Deutschland. Dort irgendwann anzukommen, in dem Land, in dem sein Großvater bereits lebte, ist von Anfang an sein Plan. „Als ich etwa zehn Jahre alt war, hat mir meine Oma Fotos gezeigt“, erzählt Nour Adi. Danach fasst er den Entschluss, auch selbst irgendwann in diesem Land zu leben.

Von dem Geld, das er in Libyen in der Küche verdient, geht die Hälfte an seine Familie in Syrien. Die andere Hälfte legt er für sich selbst zurück. 10.000 Euro nehmen die Schleuser für die Überfahrt auf einem rund 13 Meter langen Boot. Und so kommen er und etwa 300 weitere Menschen, die vor dem Krieg flüchten müssen, schließlich in Italien an. Von dort aus dauert es nur noch wenige Tage, bis er sein Ziel Deutschland erreicht.

In Nordfriesland angekommen, schafft Nour Adi es schnell, sich einzuleben und zu integrieren. Er lernt eigeninitiativ Deutsch, spielt Fußball im Verein und unterstützt andere Asylbewerber nach ihrer Ankunft. Für das Amt Mittleres Nordfriesland ist er zunächst ehrenamtlich als Dolmetscher tätig, Ende des vergangenen Jahres stellt die Behörde ihn für 15 Stunden in der Woche fest ein. Über diesen Weg ist durch Zufall auch der Laden an der Osterstraße entstanden. Gemeinsam mit Dirk Andresen-Paulsen vom Amt besichtigt er Ende 2015 Wohnungen im Obergeschoss des Gebäudes und kommt durch die leeren Geschäftsräume im Erdgeschoss. „Ich kannte Nours Traum und habe ihn dann anschließend darauf angesprochen“, berichtet der Flüchtlingsbetreuer, der die Bedürfnisse vieler Asylbewerber kennt, vertraute Lebensmittel aus der Heimat kaufen zu können. Seine Frau Ute Andresen-Paulsen mietet die Räume und gemeinsam beginnen sie mit der Renovierung, während sich Nour Adi außerdem um die Beschaffung der Waren kümmert. Bei einem Großhändler für orientalische Lebensmittel in Hamburg wird er fündig und besorgt alles, was für die Grundausstattung nötig ist. Auch Mate-Tee mit speziellen Bechern aus Argentinien oder arabisches Fladenbrot hat er im Angebot. „Nicht alles, was wir verkaufen, stammt allein aus meiner Heimat“, sagt er. Aber es sind Dinge, von denen er weiß, dass sie nachgefragt werden.

Um Fleisch und frisches Obst soll das Angebot in naher Zukunft noch erweitert werden. Und er träumt auch schon weiter: Von einem möglichen Café als Treffpunkt in den Räumen des Noudi-Marktes.

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erstellt am 12.Apr.2016 | 15:00 Uhr

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