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Husumer Nachrichten

19. Oktober 2017 | 16:53 Uhr

Windmesse : Zwischen Entsetzen und Optimismus

vom

Vernünftige Lösung oder schwere Niederlage? In Husum wird die Messe-Einigung von den Parteien sehr unterschiedlich bewertet.

shz.de von
erstellt am 02.Mai.2013 | 08:08 Uhr

Husum | Angesichts der Entstehung und Geschichte des Streits zwischen Hamburg und Husum habe der Vertrag, den beide Messegesellschaften jetzt abgeschlossen haben, "schon einen schalen Beigeschmack", findet Bürgermeister Uwe Schmitz. Doch da verschiedene Hersteller eine Verlagerung der weltgrößten Windmesse offenbar für "zielführend" hielten, mache es keinen Sinn "mit dem Messer in der Hand im Blut seiner Feinde unterzugehen". Es bleibe ja vieles auch in der Region, sagte der Verwaltungs-Chef gestern auf Anfrage und meinte damit nicht nur die Pachtzahlungen für das Messe- und Kongresszentrum. Er sei gern bereit, in einer Experten-Runde mitzuarbeiten und gemeinsam zu überlegen, wie es weitergehen könne, so Schmitz. Ad hoc habe er allerdings keine Idee, wie die Husum-Wind ersetzt werden könnte. Wer hätte damals, als ein paar Windbewegte in der Viehhalle erstmals ihre Produktpalette präsentierten, denn schon ahnen können, dass daraus mal die weltgrößte Windmesse werden würde? Gleichwohl ist Schmitz relativ zuversichtlich, dass die verbleibenden Messen für Husum und die Region noch ausreichend Wertschöpfung bringen werden. "Verkraften müssen wir allerdings den Imageverlust, nicht mehr Standort der weltgrößten Windmesse zu sein." Und bedauerlich sei natürlich auch, dass dies alles schon für 2014 gelte. Das treffe besonders das Hotel- und Gaststättengewerbe. Dennoch gelte es jetzt, den Blick nach vorne zu richten.

Für den scheidenden Fraktionsvorsitzenden der FDP, Siegfried Schulze-Kölln, ist es damit nicht getan. Er möchte, dass das Ganze auch in der Stadtvertretung noch einmal erörtert wird und hat für die Sitzung am 16. Mai einen entsprechenden Antrag gestellt. "Es wäre ein Gebot der Fairness gewesen, wenn die Messegesellschaft vor ihrer Entscheidung mit Politik und Verwaltung gesprochen hätten", findet der Liberale. Nachteile sieht auch er vor allem für Hotels, Gastronomie und Privatvermieter und unkt: "Wer weiß, was geschehen wäre, wenn sie uns wenigstens 2014 gelassen hätten? Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass das, was hier als nationale Messe bezeichnet wird, noch erfolgreich zu gestalten ist."

Da ist Matthias Ilgen (SPD) ganz anderer Auffassung. Er spricht von einem Erfolg für Stadt und Region. "Das Optimale ist herausgeholt worden. Bei einer weiteren Konfrontation hätten wir wahrscheinlich verloren, und dann wäre alles weg gewesen. So aber haben wir eine Perspektive, können Zeit und Geld nutzen, um weitere Formate zu entwickeln." Dass zuletzt auch Vestas nicht mehr so eindeutig für Husum eingetreten sei, habe die Entscheidung mit Sicherheit beeinflusst, sagt Ilgen. "Aber wir müssen die Gesamtkonstellation im Auge behalten." Und am Ende habe der Markt entschieden und nicht, wie vielfach kolportiert werde, die Politik.

Für Peter Knöfler, Fraktionsvorsitzender des SSW, bedeutet die Kooperationsvereinbarung "nach all den Jahren der Unsicherheit mittelfristige Planungs- und Finanzierungssicherheit für den Messe-Standort Husum". Dieser könne mit der erreichten Lösung überleben und werde sich weiterentwickeln. "Husum bleibt ein bedeutender Faktor für Windenergie-Unternehmen und wird als Tagungsstandort immer beliebter", so Knöfler.

"Eine vernünftige Lösung, die Messe-Chef Peter Becker gefunden hat - darüber können wir in Husum froh sein", findet Christian Czock, Fraktions-Chef der CDU. Die Stadt könne nach vorne schauen und weiter mit der Windmesse planen. "Die Chancen und Risiken werden gleichermaßen auf die ehemaligen Konkurrenten Husum und Hamburg verteilt."

Die Absage der Husumer Wind-Messe 2014 empfindet Grünen-Vorsitzende Irene Fröhlich als schwere Niederlage: "Das hätte ich zu verhindern versucht!" Ihre Fraktion habe immer davor gewarnt, dass die Messe nur bis 2014 gesichert sei - "und nun gilt nicht einmal mehr das". Es sei nicht schön, recht zu behalten.

Helmut Stemke, Fraktions-Chef der Wählergemeinschaft Husum (WGH), ist von der Landesregierung enttäuscht und sein Vertrauen in die künftige Husumer Regionalmesse relativ gering. "Bisher blieben von jeder Messe rund 40 Millionen Euro in der Region", sagt er. Das werde wohl rapide abnehmen. "Wir müssen sehen, wie wir das kompensiert bekommen", mahnt Stemke. "Sonst bleibt die Messe mit ihren finanziellen Belastungen an der Stadt hängen."

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