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Eine Menge Arbeit für die Truppe : Zwischen Einsatz und Umbruch

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Neustrukturierung und der Schutzauftrag in der Türkei fordern den Soldaten des in Husum stationierten Flugabwehrraketengeschwaders 1 “Schleswig-Holstein“ vieles ab. Es war ein sehr ereignisreiches Jahr, bilanziert Kommodore Oberst Marcus Ellermann.

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erstellt am 26.Dez.2013 | 17:00 Uhr

Er ist zwar schon seit Juli wieder aus der Türkei zurück, aber eine Verschnaufpause gab es noch nicht für ihn: „Ich habe erst jetzt Zeit, über alles nachzudenken und wieder hier anzukommen – bisher war die Terminlage so dicht, dass ich dazu keine Chance hatte“, sagt Oberst Marcus Ellermann, Kommodore des in Husum beheimateten Flugabwehrraketengeschwaders 1 (FlaRakG 1) „Schleswig-Holstein“. Als erster Kommandoführer hatte er den im Januar angelaufenen Einsatz „Active Fence“ im türkischen Grenzgebiet zu Syrien geleitet, bei dem mit Patriot-Raketen die Großstadt Kahramanmaras geschützt wird – der erste Auslandseinsatz der FlaRak-Soldaten überhaupt. Und zugleich nahm das Geschwader zu Hause eine neue Struktur ein, denn seit 1. April ist der Husumer Verband der einzige seiner Art in der Luftwaffe und zuständig für alles, was mit der bodengebundenen Flugabwehr zusammenhängt. Zeit also für die Bilanz eines außergewöhnlichen Jahres.

„Das ist jetzt ein anderes Geschwader als früher“, so Ellermann. Die ebenfalls in Husum beheimatete FlaRak-Gruppe 26 sei als einzige fast unverändert aus der Reform hervorgegangen. „Die FlaRak-Gruppe 25 in Leck ist komplett aufgelöst und das Personal versetzt worden oder regional aufgefangen. Neu unterstellt wurden die FlaRak-Gruppen 21 und 24 in Mecklenburg-Vorpommern vom aufgelösten FlaRak-Geschwader 2“, zählt der Oberst auf. „Und die FlaRak-Gruppe 61 mit den Nahbereich-Waffensystemen Mantis und Ozelot und ihrem Luftraumüberwachungsradar ist im Laufe des Jahres wie geplant an ihre neuen Standorte an der Ostsee umgezogen.“

Ursprünglich sollte Mantis – eine schnellfeuernde Kanone, die sogar anfliegende Artilleriegranaten abschießen kann – sofort zum Schutz des Feldlagers Kundus in den Afghanistan-Einsatz gehen. Doch verschiedene Gründe verhinderten das, und mittlerweile ist das Lager an die Afghanen übergeben. „Ich bin aber froh, dass es so gekommen ist, denn damit konnte sich die Gruppe in Ruhe aufbauen.“ Die sei nun mit zwei der vier geplanten Mantis-Systeme einsatzbereit.

Einsatzbereit seien auch die Patriot-Raketen in der Türkei. „Wir haben wenig Probleme mit der Technik“, sagt der Kommodore erfreut. Im Gegenteil: „Durch den Rund-um-die-Uhr-Betrieb laufen die Systeme stabil – das bekommt ihnen viel mehr, als sie dauernd an- und abzuschalten.“ Auch die Truppe ticke jetzt anders: „Das ist jetzt ein ganz neues Grundrauschen hier, Auslandseinsätze sind eine persönliche Sache geworden. Viele waren schon in der Türkei, andere bereiten sich jetzt darauf vor.“

Im Januar stehe wieder der alle vier Monate stattfindende Kontingentwechsel an: „Mit dem vierten Kontingent gehen dann auch die ersten Soldaten zum zweiten Mal hin.“ Derzeit seien Soldaten aus Husum vor Ort, nächsten Monat sei wieder Personal aus Mecklenburg-Vorpommern dran. Daran, dass der Bundestag das Mandat im Januar um ein weiteres Jahr verlängert, hat Ellermann keinen Zweifel: „Die Türkei hat bei der Nato schon nachgefragt, und über den Einsatz herrscht in der Politik breiter Konsens.“

Ein anderer Einsatz sei 2013 beendet worden, nämlich die Stellung von Sicherheitskräften im Kosovo. „Den Auftrag hat die Luftwaffe ganz abgegeben.“ Über die Soldaten im Einsatz hinaus dürfe man aber auch die Belastung der Frauen und Männer am Heimatstandort nicht geringschätzen, so der Kommodore weiter. „Die Daheimgebliebenen tragen ja die doppelte Last und das während der laufenden Umstrukturierung.“ Die habe auch durch die räumliche Entfernung der unterstellten Verbände zu ganz neuem Aufwand geführt: „Wir verbrauchen jetzt viel Zeit mit Reisen. Die letzte Kommandeurbesprechung war in Mecklenburg-Vorpommern, da stehen von Husum schon sechs Stunden Fahrerei an.“ Und da dem Geschwader jetzt auch das Taktische Aus- und Weiterbildungszentrum für die Raketentruppe im texanischen El Paso unterstellt ist, war Ellermann gerade auf Dienstreise in den USA. „Das Zentrum dort wird bis 2017 abgeschmolzen, während ein neues Ausbildungszentrum mit Taktik- und Versuchsgruppe hier am Standort neu aufgebaut wird und sukzessive die Aufgaben übernimmt.“ Dass sich das Vorhaben über drei Jahre hinzieht, sei einfach erklärlich: „Wir müssen in Husum erst die nötige Infrastruktur errichten, und Bauen kostet eben Zeit.“

„Ich bin gewachsen an meinen Aufgaben in diesem Jahr – und die Truppe ist es auch“, fasst der Oberst seine Eindrücke zusammen. Der Türkei-Einsatz habe ihm zudem einen „klareren Blick“ auf die Mechanismen verschafft, nach denen Auslandseinsätze ablaufen. Und die Aufgabenstellung für 2014 sei auch klar: „Konsolidierung und Weiterführung all dessen, was wir in diesem außergewöhnlichen Jahr erreicht haben.“

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