Prozess in Husum : Zweite Bewährungsstrafe für Pädophilen

Auf dem Laptop des Angeklagten und auf seinem Mobiltelefon befanden sich 415 Kinderpornos.
Auf dem Laptop des Angeklagten und auf seinem Mobiltelefon befanden sich 415 Kinderpornos.

Er war bereits einmal verurteilt worden – jetzt stand ein Mann in Husum erneut wegen des Besitzes und der Verbreitung von Kinderpornos vor Gericht, obwohl er eine Therapie macht.

bahlo (1).JPG von
25. Februar 2018, 08:00 Uhr

Husum | Die Kinder sind gerade mal zwischen vier und acht Jahre alt – und schon brutalen Sex-Gangstern ausgeliefert. Sie werden auf die abscheulichste Art und Weise vergewaltigt und dabei auch noch fotografiert und gefilmt. Solche Bilder ließ sich ein Nordfriese in einem Chat im Internet schicken, weil er sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlt. Er ist pädophil.

Wegen des Besitzes und der Verbreitung von Kinderpornos stand er jetzt vor Gericht in Husum. Im Vorjahr waren bei der Durchsuchung seiner Wohnung auf Laptop und Mobiltelefon insgesamt 415 solcher Dateien gefunden worden.

Wegen des gleichen Delikts war der Mann schon einmal verurteilt worden – zu einer Strafe auf Bewährung. Danach wurde er rückfällig. Daher ging es in diesem Prozess für ihn ums Ganze. Um ein Haar hätte er im Gefängnis landen können, kam aber mit einer Haftstrafe von zehn Monaten und einer erneuten Bewährungzeit von drei Jahren davon.

Dafür gab es gleich mehrere Gründe. Er gestand in vollem Umfang, so dass auch die vorgeladenen Kriminalbeamten nicht mehr als Zeugen auszusagen brauchten. Er konnte nachweisen, dass regelmäßig eine Therapie für Pädophile bei Spezialisten für Sexualmedizin in Kiel besucht. Der Mann ist beruflich fest etabliert und wird zudem von seiner Lebensgefährtin aktiv in seiner Therapie unterstützt, die auch von seinem aktuellen Rückfall weiß.

Ausführlich beschrieb der Angeklagte, wie er sich seiner krankhaften Neigung stellt. Er wisse, dass er ein behandlungsbedürftiger Pädophiler sei. Da er in dem Chat „plötzlich“ mit dem Bilder-Angebot konfrontiert worden sei, wolle er in Zukunft auch einschlägige Foren meiden und die „Hemmschwelle“ im Blick behalten, damit es nicht auch noch zu körperlichen Übergriffen auf Kinder komme.

Da klinkte sich der Staatsanwalt ein und fragte den Angeklagten, ob ihm bewusst sei, warum Besitz und Verbreitung kinderpornografischen Materials eigentlich strafbar sei – und fügte die Antwort gleich hinzu: „Damit solche Dateien erst gar nicht erstellt werden.“ Erst durch die Nachfrage werde das Angebot geschaffen. Es sei dem Gesetzgeber also auch darum gegangen, die Kinder vor dem sexuellen Missbrauch bei den Filmaufnahmen zu schützen. Er stellte aber auch klar: „Die sexuelle Neigung an sich ist nicht strafbar.“

In die gleiche Kerbe schlug die Richterin, die ihm die „üblen Folgen“ für die Kinder vor Augen führte. „Es geht nicht, dass die Kinder dem sexuellen Missbrauch ausgesetzt sind.“ Sie wollte genauer wissen, warum es zu dem Rückfall gekommen sei. Nach seiner ersten Therapie habe er sich „gefestigt gefühlt“, dann aber zwischen 2012 und 2015 „keine Unterstützung“ gehabt. Das Chatten habe er für harmlos gehalten, sei dann aber auf Fotos und Videos aufmerksam gemacht worden.

Folglich forderte die Richterin von dem Mann, sich in Zukunft auch von solchen Medien fernzuhalten und vor allem die Therapie ernst zu nehmen. „Ohne die hätten wir hier das Wort Bewährung gar nicht erst in den Mund genommen.“

Wer sich sexuell zu Kindern hingezogen fühlt und sich wegen dieser nicht heilbaren Krankheit helfen lassen will, kann sich von Experten auch in Nordfriesland beraten lassen.

Beratungsstellen:

❏ Psychologisches Beratungszentrum, Diakonisches Werk Husum:

Telefon 04841/691440
pbz@dw-husum.de

❏ Projekt „Kein Täter werden“:

Telefon 0431/50098609

praevention@uksh.de

❏ Praxis für Sexualmedizin:

Telefon 0431/57086740
bosinski@sexualmedizin-kiel.de


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