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Martina Geist und Karin Witte : Zweimal große Kunst in Husum

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Martina Geist zeigt im Schloss vor Husum Holzschnitte und Objekte, während Karin Witte in der Halebüller Galerie Lüth mit Malerei auf Leinwand, Papier und Acrylglas aufwartet. Beide Ausstellungen öffnen am Sonntag (26.).

Wie können Dinge, die im Fluss sind, eine solche Ruhe ausstrahlen? Physikalisch gesehen wird das durch extreme Zeitlupe möglich. Doch da gibt es noch eine zweite metaphysische Ebene, die sich am besten mit der Idee des „Panta rhei“ beschreiben lässt. „Alles fließt“. Nichts bleibt, wie es ist. Das beinhaltet die Gewissheit der Vergänglichkeit. Doch universell betrachtet vermittelt es auch ein Gefühl der Zugehörigkeit – eine Sichtweise, die in unserer schnelllebigen Zeit leider aus der Mode gekommen ist.

Da kommen die Holzschnitte und Objekte von Martina Geist, die von Sonntag, 26. April, an im Schloss vor Husum zu sehen sind, gerade recht. In ihnen finden Elemente von Raum und Zeit, die vielschichtigen Facetten des Memento Mori entwaffnend direkt hochästhetischen Ausdruck. Da schweben Stühle durch ein geordnetes, aber zugleich offenes Geflecht von Farben und Linien, verwandeln sich zwei holzschnittartige Zitronen-Hälften nebst Saftpresse in eine Landschaft und aus Druckstöcken werden Holztafeln, ja letztlich eine Mischform aus Malerei und Skulptur.

Aber was da so leicht, ja fast spielerisch daherkommt, ist das Ergebnis genauer Beobachtung und geduldiger Gestaltung. Die geritzten Linien und bis in den tiefsten Grund verdichteten Farbflächen ihrer „nachbehandelten, vereigenständigten Druckstöcke“ erzeugen eine flirrende, vexierbildhafte Wirkung, die den Eindruck von Bewegung noch verstärkt. Die grafische Inszenierung der Alltagsgegenstände, die durch diese Bilder und Bildobjekte schweben – eine Karaffe, ein Stück Obst, ein umgekipptes Glas – bilden dazu idealtypische Kontrapunkte. Martina Geists Werke sind Denkanstöße mit hohem Genuss-Faktor.

Das gilt auch für das facettenreiche Werk von Karin Witte, das ebenfalls von Sonntag, 26. April, an in der Halebüller Galerie Lüth zu sehen ist. Die Hamburger Malerin ist beharrlich auf der Suche nach dem Dahinter, der Realität im Verborgenen, dem Befremdlichen im Alltagsgeschehen. Dabei wird der Malprozess selbst zur Entdeckungsreise – wie in den „Loslassbildern“, die zwar eines konkreten Anlasses bedürfen, sich dann aber vollkommen eigenständig entwickeln dürfen, ja sogar ausdrücklich sollen. Für Karin Witte ist diese Art zu arbeiten wie Hochseilakt zwischen Spontanität auf der einen und Kontrolle auf der anderen Seite.

„Meine Bilder wachsen mir zu“, sagt die Künstlerin. Doch das ist nur die halbe Wahrheit, denn um sich dieses Privileg leisten zu können, braucht es ein Höchstmaß an Konzentration. Erst sie ermöglicht es Karin Witte, am Ende sogar Schatten zum Leben zu erwecken.


Martina Geist – Zeitlupe. Holzschnitte und Objekte (Schloss vor Husum; Eröffnung: Sonntag, 11.30 Uhr)

Karin Witte – Malerei auf Leinwand, Papier und Acrylglas (Galerie Lüth, Altendorfer Straße 21; Eröffnung: Sonntag, 11 Uhr).

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erstellt am 25.Apr.2015 | 16:00 Uhr

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