Angst vor Afrikanischer Schweinepest : Zweifel am Nutzen des Wildschwein-Zauns

Wildschweine verbreiten den gefährlichen Virus.
Wildschweine verbreiten den gefährlichen Virus.

Der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Südtondern beweifelt den Nutzen des geplanten dänischen Grenzzauns.

shz.de von
08. Juni 2018, 13:00 Uhr

Husum | „Der Zaun wird kommen, das ist nun sicher“, so Wolfgang Stapelfeldt beim Stammtisch des FDP-Kreisverbandes Nordfriesland in Klixbüll. Ob das von dänischer Seite geplante Bollwerk gegen Wildschweine tatsächlich ein probates Mittel ist, um auf diese Weise der drohenden Gefahr einer Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) zu begegnen, daran zweifelt der der Vorsitzende des Kreisbauernverbandes Südtondern allerdings.

Wolfgang Stapelfeldt ging in seinem Vortrag auf die aktuelle Entscheidung der dänischen Regierung ein, den Zaun entlang der Grenze zu Deutschland zur Abwehr von Wildschweinen zu bauen. Da die dramatische Ausbreitung der Krankheit fast nur bei Wildschweinen in Osteuropa registriert wurde, solle mit den unterschiedlichsten Maßnahmen ein Übergreifen auf Hausschweine verhindert werden. Mit dem Zaun will der nördliche Nachbar verhindern, dass infizierte Wildschweine einwandern.

Mensch spielt Rolle bei Übertragung

Ausschließlich Schweine können von dem Virus befallen werden. Der Mensch spiele aber bei der Übertragung der Krankheit „keine unwesentliche Rolle“, mahnte der Referent. Durch mitgebrachte Lebensmittel oder auf Rastplätzen entsorgte Speisereste könnte das Virus durch Ratten in die hiesigen Haus- und Wildschweinbestände eingeschleppt werden.

Für Dänemark käme es einer wirtschaftlichen Katastrophe gleich, so Wolfgang Stapelfeldt, wenn die dortigen Schweinebestände befallen würden. Als einer der weltweit größten Schweinefleisch-Produzenten mit dem größten Markt in Ostasien sei das Land maßgeblich vom Export abhängig. Zwar würden in Dänemark derzeit nur rund 150 Wildschweine gezählt und auch in Nordfriesland, einem „Hotspot in der Schweinehaltung“, wären die Bestände nicht hoch. Aber, so der Bauern-Chef: „Verharmlosen darf man diese Zahlen nicht.“

In anderen Teilen Schleswig-Holsteins gebe es große Rotten des Schwarzwilds. Sollte ASP auf Hausschweine übergreifen, könne man mit radikalen Methoden, zum Beispiel mit dem Keulen großer Bestände, eine weitere Ausbreitung verhindern. Eine Impfung sei bisher nicht möglich, ASP sei endemisch (dauerhaft auftretend). Stapelfeldt zweifelt am Nutzen des Zauns. In seinen Ausführungen verurteilte Wolfgang Stapelfeldt im Übrigen die Forderung dänischer Rechtspopulisten, den geplanten, rund 70 Kilometer langen und eineinhalb Meter hohen Zaun zur Abwehr von Flüchtlingen zu erhöhen.

Bienensterben: Landwirtschaft nicht allein verantwortlich

Desweiteren setzte er sich mit dem Bienensterben auseinander. „Fake News in Bezug auf das Bienensterben treffen uns Landwirte hart“, ärgerte sich Stapelfeldt über viele falsche Kommentare in sozialen Netzwerken. „Die haben keinen wissenschaftlichen Hintergrund, vielmehr wird damit versucht, Politik zu machen.“ Man könne die Landwirtschaft nicht allein verantwortlich machen. Er sieht den Klimawandel, die Lichtverschmutzung durch nächtliche Beleuchtung sowie die zunehmende Versiegelung von Flächen als mögliche Ursachen.

Beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln hielten sich die Landwirte streng an die gesetzlichen Vorgaben. Und: „Wir werden streng kontrolliert.“ Pflanzenschutz sei für die Ernährung unerlässlich, die Mittel müssten allerdings in der richtigen Dosierung angewendet werden. „Durch die Bestäubung sind Bienen für die Landwirtschaft extrem wichtig. Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst“, betonte der Vorsitzende.

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