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Husumer Nachrichten

21. Oktober 2017 | 11:19 Uhr

Tönning : Zweifel am Lärm-Aktionsplan

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Tönninger Stadtvertreter befürchten dadurch Einschränkungen bei künftigen Planungen. Doch die Mehrheit spricht sich für den Entwurf aus. Er soll nach Ostern öffentlich ausgelegt werden.

Die Stadtvertreter von Tönning taten sich in ihrer jüngsten Sitzung schwer mit dem Aufstellungs- und Auslegungsbeschluss zum Lärm-Aktionsplan für die Stadt. Mit einer Enthaltung segneten sie ihn letztendlich ab. Grundlage des Plans ist die EU-Umgebungslärmrichtlinie als Bestandteil des Immissionsschutzgesetzes. Ziel ist es, die Lärmbelastung für die Bevölkerung zu verringern.

Zweifel an der Notwendigkeit hatten zuvor einige Stadtvertreter angemeldet. Stefan Runge (SPD) kommentierte: „Hauptsache der Amtsschimmel wiehert.“ Auch Bürgermeisterin Dorothe Klömmer war sich zunächst nicht sicher. „Ich frage mich, binden wir uns damit nicht zu sehr?“, wandte sie sich an Gutachter Carsten Kurz vom Lärmkontor Hamburg. Der hatte den von ihm erarbeiteten Entwurf erläutert. Die Frage der Stadt-Chefin zielte insbesondere auf das Naherholungsgebiet Katinger Watt ab. In diesem Bereich ist der Lärmpegel gleich Null. Kurz hatte deshalb vorgeschlagen, das Areal aus dem Aktionsplan herauszunehmen, weil es als ruhiges Gebiet gilt. Wenn künftig irgendetwas dort geplant werde, wie beispielsweise der Bau eines neuen Aussichtsturmes, so Klömmer, entstehe Lärm und der dürfe dann ja möglicherweise nicht sein. Auch der mögliche Besucheransturm wäre ein Aspekt für mehr Lärm. „Der Aktionsplan beinhaltet keinen rechtsverbindlichen Maßnahmenkatalog. Er soll nur Managementplan sein und Hilfestellung bei anstehenden Lärmschutzmaßnahmen geben. Alles muss individuell abgewogen werden“, so der Experte. Im Falle des angeführten Beispieles sei Baulärm ja nur von kurzer Dauer, und mehr Gäste erhöhten den Geräuschpegel nicht wesentlich, so dass die Erholung nach wie vor möglich ist.

Zweifelhaft fand Jürgen Ziegert (CDU) die Aussage, dass der Bereich der Eiderbrücke im Zuge der an Tönning vorbeiführenden B 5 aus der Kartierung herausgenommen wurde. „Dafür hören wir selbst im westlichsten Teil der Stadt die Geräusche ziemlich deutlich, wenn Autos sie überfahren, besonders Lkw“, wandte Ziegert ein. Der Lärm werde, so der Fachmann, für eine Höhe von vier Meter über Gelände berechnet. Die Eiderbrücke sei höher und so komme dort kein Lärm an. Für die Brücke selbst wird ein Pegel nicht erfasst. Ansonsten wird bei der Berechnung die Höchstgeschwindigkeit des fließenden Verkehrs auf einer Straße berücksichtigt. Nur im östlichen Stadtteil gebe es also angesichts der B  5 eine relativ geringe Belastung.

Da sie zu den Hauptverkehrsstraßen mit einem Aufkommen von mehr als drei Millionen Fahrzeugen im Jahr zählt, musste sie betrachtet werden. Die B  202 spielte dagegen keine Rolle, weil sie nicht so stark frequentiert ist. Ab 70 Dezibel spreche man von einer sehr hohen Belastung. Im Bereich der B  5 liegt der Wert deutlich darunter, so Carsten Kurz. Nur wenn die Belastung höher wäre, könnten vom Bund Schutzmaßnahmen gefordert werden. Um Lärm zu reduzieren, könne ein spezieller Asphalt aufgetragen werden, so Kurz.

Lärm berge generell ein unterschätztes Gesundheits-Problem. Die Weltgesundheits-Organisation (WHO) habe ermittelt, dass Umwelt-Lärm nach der -Verschmutzung das größte Problem unserer Zeit sei. Jährlich erlitten die Menschen in Europa dadurch einen Verlust von über einer Million gesunden Lebensjahren. Allein 4000 Tote soll es in Deutschland nach Untersuchungen des Umweltbundesamtes jährlich durch Straßenverkehrslärm geben. Eine weitere Studie spricht von vermehrten Fällen von Depressionen, Herzinfarkt und Schlaganfällen bei erhöhtem Straßenlärm, so Kurz.

Der Entwurf wird voraussichtlich nach den Osterferien öffentlich im Rathaus ausgelegt, wie Bürgermeisterin Dorothe Klömmer auf Anfrage erklärte. Dann hätten alle Einwohner die Möglichkeit, sich dazu zu äußern. Das Verfahren laufe insofern ähnlich wie bei einem Bauleitverfahren ab. Danach werde über die eingegangenen Anregungen und Bedenken beraten und im Ergebnis der Lärm-Aktionsplan beschlossen.

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